Ski alpin

Pascale Berthod bestreitet nach dreieinhalb Jahren wieder ein Rennen

Zum Weltcupauftakt in Sölden 2007 schien noch die Sonne, wenig später verschwand Pascale Berthod von der Bildfläche. Urs Bucher/eq images

Zum Weltcupauftakt in Sölden 2007 schien noch die Sonne, wenig später verschwand Pascale Berthod von der Bildfläche. Urs Bucher/eq images

Marc Berthods Schwester Pascale stellt einen Rekord der unangenehmeren Art auf: Nach unglaublichen dreieinhalb Jahren, nach 1304 Tagen des Hoffens, Bangens und Verzweifelns, bestritt die Engadinerin in Vail (USA) wieder mal ein Skirennen.

Das Resultat war zweitrangig. Entscheidend ist: Pascale Berthod konnte endlich wieder Skifahren.

Die Karrieren der hoch talentierten Geschwister Berthod aus St. Moritz kennen nur eine Konstante: Irgendwer ist immer verletzt, meist sind es beide. Vor Saisonbeginn flachste Marc Berthod: «Ich habe in der Zeitung eine Story über verletzte Skifahrer gelesen. Da stutzte ich: Ich fehlte darauf. Völlig ungewohnt.» Zum ersten Mal seit langer Zeit steht der zweifache Weltcupsieger, der in Adelboden einst mit einem Slalomsieg mit der Startnummer 60 Skigeschichte schrieb, in keinem Verletzten-Bulletin mehr.

Bei seiner Schwester Pascale wars gerade umgekehrt: Sie führte man in einer Verletztenliste schon gar nicht mehr auf. Dauerverletzte, die so lange von den Skipisten fernbleiben, fallen durch den Raster. Sie geraten in Vergessenheit. Sie selber, die einst Doppelmeisterin im Slalom und Riesenslalom war und zu den grossen Hoffnungen von Swiss Ski zählte, kann sich nur noch verschwommen an ihr letztes Skirennen erinnern: «Es war irgendwo im Wallis.» Zur Präzision: Es war am 11. April 2008 in Verbier. Sie belegte den 7. Rang, 1,02 hinter der Siegerin Nadia Styger.

Besser als Holdener und Feierabend

Und nun stand sie, die alle schon abgeschrieben hatten, manchmal sogar sie sich selbst, endlich wieder einmal am Start eines Rennens. Bei einem hochklassig besetzten FIS-Riesenslalom in Colorado belegte sie den ansprechenden 12. Platz, immerhin vor Wendy Holdener, Martina Schild und Denise Feierabend. «Es ist nicht so gut gegangen», fand Pascale Berthod, «ich konnte meine Trainingsleistungen nicht umsetzen.» Die lange Absenz hatte ihre Spuren hinterlassen, das Talent hat indessen keinen Schaden genommen.

«Niemand hat gedacht, dass ich überhaupt wieder einmal fahren werde», stellt die 24-Jährige lakonisch fest. Dreieinhalb Jahre sind im Skisport eine Weltreise. Das Material ändert sich, die Technik muss angepasst werden – Pascale Berthod musste praktisch neu Skifahren lernen. «Als ich», so Berthod, «zum ersten Mal wieder in einem Starttor stand, war es schon ein ungewohntes Gefühl.» Aber wer einmal so weit unten war, für den ist es schon ein Riesenerlebnis, überhaupt wieder einmal durch die Tore zu flitzen – auch wenns noch nicht ganz so schnell geht wie vorgenommen.

Bei jeder Schwungauslösung Schmerzen

Was ist überhaupt passiert mit Pascale Berthod? Ihr Leidensweg begann, wie jener ihres Bruders, mit Rückenschmerzen: «Beim Training im Kraftraum hat irgendetwas ‹eingehängt›. Darauf hatte ich beim Skifahren bei jeder Schwungauslösung Schmerzen, als ob man mir mit dem Messer in den Rücken gestochen hätte.» Eine erste Saison war futsch. Als es dann dank Therapie bei einem Spezialisten wieder besser ging, «begann plötzlich das Knie zu schmerzen». Die Ärzte diagnostizierten einen Knorpelschaden. Eine Arthroskopie brachte Besserung.

Doch dann ging es weiter mit dem Leidensweg. Auf einmal konnte sie sich die Ski kaum mehr selber anschnallen. Die Patella-Sehne hatte sich entzündet. Wieder eine Arzt-Konsultation und die deprimierende Diagnose: Knochenschwund im Knie, offenbar ausgelöst durch eine Überbelastung. «Irgendetwas löste eine Fehlregulation aus», erklärt Berthod: «Der Knochen wurde ab- statt aufgebaut.»

Dann kam das Knie

So vergingen Zeit und Jahre. Immerhin machten ihr die Ärzte Mut, es käme schon wieder gut. Als sie aber vor einem Jahr wieder einsteigen wollte, schmerzte erneut das Knie: «Ich musste mir im Dezember Blut ins Knie spritzen lassen. Und nochmals eine Saison aussetzen.» Jetzt endlich, nach einer fast unmenschlichen Geduldsprobe, kann sie sagen: «Seit einem halben Jahr habe ich keine Schmerzen mehr.»

Behutsam wird sie weiter aufgebaut: «Ich werde jetzt in den USA noch zwei Noram-Riesenslaloms (vergleichbar mit Europacup) bestreiten und dann heimkehren.» Später will sie sich auch wieder dem Slalom oder dem Super-G zuwenden. Und andere Bestmarken avisieren als jenen zweifelhaften Verletzungsweltrekord von unsagbaren 1304 Tagen.

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