Ski nordisch

Nadine Fähndrich und der Flirt mit der Weltspitze

Nadine Fähndrich positioniert sich als Schweizer Zukunftshoffnung.

Nadine Fähndrich positioniert sich als Schweizer Zukunftshoffnung.

Der Luzernerin Nadine Fähndrich gelingt an der WM in Seefeld mit Platz 5 über 10 km klassisch das wertvollste Resultat ihrer Karriere.

Es ist zugleich persönlicher Exploit wie kollektiver Befreiungsschlag. Nadine Fähndrich läuft an den Weltmeisterschaften über 10 km klassisch entfesselt, lässt Weltcupsiegerinnen wie die Norwegerin Heidi Weng oder die Schwedin Charlotte Kalla, sämtliche Russinnen und auch die lokale Hoffnungsträgerin Teresa Stadlober hinter sich.

Nach einem beeindruckenden Steigerungslauf mit Rang 23 bei der ersten Zwischenzeit fehlen ihr im Ziel 27 Sekunden für eine Medaille. Die viertplatzierte Finnin Krista Parmakoski gratuliert der Schweizer Konkurrentin respektvoll.

Im Gegensatz zu Fähndrichs zweitem Platz vor zehn Tagen bei der WM-Hauptprobe in Italien waren gestern in Seefeld die Top 12 der Welt geschlossen am Start. Die 23-Jährige aus Eigenthal lief erstmals in ihrer Karriere in einem so stark besetzten Distanzrennen in die absolute Weltspitze. Ein Versprechen für die Zukunft.

Balsam für das Frauenteam

Für die in dieser Saison oft gebeutelten Schweizer Langläufer bedeutet dieses Resultat das dringend benötigte Lebenszeichen. Gerade bei den Frauen läuteten zuletzt die Alarmglocken. Kaum genügend Läuferinnen, um eine Staffel zu bilden – über 10 km war Nadine Fähndrich gar die einzige Starterin von Swiss Ski.

Dazu der sich abzeichnende Rücktritt von Sprinterin Laurien van der Graaf und der überraschende, zumindest temporäre Abschied von Nathalie von Siebenthal. Das Team erschien noch vor wenigen Tagen als Patient für die Intensivstation.

Und dann kommt Nadine Fähndrich. Noch vor wenigen Tagen liegt sie mit Magenproblemen im Bett. Doch anstatt sich im aktuell schwierigen Teamumfeld in die bequeme Opferrolle zu begeben, steht sie auf und läuft das Rennen ihres Lebens.

Die neue Teamleaderin?

«Sie hat mental enorme Fortschritte gemacht», attestiert ihr Barbara Flury, die OK-Chefin der Weltcuprennen in Davos. «Der Entscheid, in diesem Rennen auf den schnellen Ski und damit auf die Karte Risiko zu setzen, zeugt von enormem Selbstvertrauen», findet ihr Trainer Peter von Allmen. «Ich habe mir vorgenommen, das Beste aus dieser Situation zu machen», sagt Fähndrich selbst. Sie sei gespannt gewesen, wie gut sie ihre Magenverstimmung überwunden habe.

Die Frage, ob ohne diese gesundheitlichen Probleme gar noch mehr dringelegen wäre, weist Fähndrich als hypothetisch zurück. Und in der Rolle der neuen Teamleaderin sieht sie sich definitiv noch nicht. «Dafür bin ich noch zu jung. Und eine Teamleaderin muss nicht zwingend die Schnellste im Wettkampf sein.»

Eine komplette Athletin

Nach einem perfekten Tag stellt sich dennoch die Frage zu ihren Perspektiven. Nadine Fähndrich wird fälschlicherweise oft als Sprintspezialistin wahrgenommen. Sie selber bezeichnet sich seit je als Allrounderin. Sie ist eine komplette Athletin, beherrscht beide Stilrichtungen, fühlt sich bei Einzelstarts und im Feld wohl. Ihre Fortschritte entspringen einem kontinuierlichen Aufbau.

Auch diese Saison bis hin zum Höhepunkt WM verlief exakt nach Plan. Das vorzeitige Verlassen der Tour de Ski, das Wettkampfprogramm im Vorfeld, alles am Reissbrett entworfen und konsequent durchgezogen. Selbst eine Hirnerschütterung nach einem Crash Ende Oktober im Training in Davos brachte sie nicht aus dem Takt – weder körperlich noch mental.

Positiver Blick in die sportliche Zukunft

Zur sorgsamen, kontinuierlichen Karriereplanung gehört auch, dass das WM-Programm trotz Topform nun nicht angepasst wird. Den Dreissiger im Freistil zum Abschluss lässt Fähndrich wie geplant aus. «Der Blick in ihre sportliche Zukunft bleibt auch so sehr positiv», sagt Trainer von Allmen.

Diese Feststellung gilt auch für die Schwedin Frida Karlsson. Die 19-jährige Doppel-Weltmeisterin bei den Juniorinnen machte die Entscheidung um Gold unerwartet spannend und forderte Szene-Dominatorin Therese Johaug mehr, als der Norwegerin lieb war. Zwölf Sekunden fehlten im Ziel zur Sensation.

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