Peter Hinteregger, der Vorarlberger Wetterexperte von Jörg Kachelmanns einstiger Meteomedia, hatte die Absage schon vorweggenommen. Seine Prognose an der Mannschaftsführersitzung vom Freitagabend kommentierte FIS-Renndirektor Markus Waldner mit den ironischen Worten: «Ich hoffe, dass alles, was du gesagt hast, nicht wahr ist.»

Es war wahr. Es schneite die ganze Nacht, mindestens 30 Zentimeter Schnee fiel, der mit samt aller Verwehungen auch mit grösstem Einsatz von 600 Helfern nicht aus der Piste zu schaffen war. Um 11.00 Uhr verfügte die Jury die Absage.

Zum ersten Mal seit 2004 fand also keine Lauberhorn-Abfahrt statt. Die Absage ist bedauerlich, zumal bereits die Weltcup-Abfahrt Ende Dezember in Santa Caterina dem Wetter zum Opfer fiel. Als Ersatzorte stehen Garmisch-Partenkirchen Ende Januar sowie Beaver Creek Anfang März vor dem Weltcup-Finale in Aspen zur Diskussion. Der Garmischer Renndirektor Peter Fischer hat bereits sein Okay gegeben. Zurzeit sind noch Abklärungen mit dem ZDF bezüglich der TV-Übertragung im Gang.

«Reine Sisyphus-Arbeit»

Trotzdem: Noch nie in der Geschichte der Lauberhornrennen konnten zwölf Abfahrten hintereinander durchgeführt werden. Aber diesmal waren die Voraussetzungen von Anfang an denkbar ungünstig. Schon die Trainings konnten nur partiell durchgeführt werden, das erste von der Minschkante bis ins Ziel, das zweite vom Start bis Mitte Parcours in Langentreien.

«Wir leisteten reine Sisyphus-Arbeit», sagte OK-Chef Urs Näpflin. «Die Fahrspur war zwar vom Neuschnee befreit, aber links und rechts gab es Schneeansammlungen. Die Sicherheit wäre nicht gewährleistet gewesen. Die Absage war unvermeidlich.»

Die vielen Zuschauer, schätzungsweise weit über Zehntausend, kehrten enttäuscht aber mit Verständnis für den Entscheid wieder nach Hause. Die Kosten für die Eintrittstickets werden zurückerstattet, dazu fallen Teile der TV- und Sponsoring-Einnahmen aus.

Gemäss Markus Lehmann, Geschäftsführer der Lauberhorn-Rennen, lässt sich der entstandene Verlust noch nicht berechnen: «Dazu sind wir frühestens in drei, vier Wochen in der Lage, wenn bekannt ist, wie viele Leute ihre Tickets zurückgegebene haben.»

Trotz Versicherung könnte ein siebenstelliges Defizit entstehen, wie aus sicherer Quelle verlautete. «Weil wir während 12 Jahren immer fahren konnten, haben wir die Versicherungsprämie reduziert», erklärt Näpflin, «dafür ist die Restrisikosumme gestiegen.» Trotz unverändertem Wetter soll heute der Slalom (Start 10.30/13.30) programmgemäss stattfinden. Näpflin: «Davon sind wir überzeugt.»

Liveticker Lauberhorn-Abfahrt 2017