Ski alpin
Manövriert er das Alpin-Männerteam aus der Schieflage?

Der neue Alpinchef von Swiss-Ski, Rudi Huber, spricht über seine Aufgaben und Ziele. So will der Österreicher «alles tun, damit es mit dem Schweizer Skisport wieder aufwärts geht.» Auch «den Fall Carlo Janka» will er übernehmen.

Richard Hegglin
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Der neue Chef Alpin vom Schweizer Skiverband, Rudi Huber (links), und Walter Hlebayna, der neue Chef-Trainer des Schweizer Ski-Männerteams, gestern an den Ski-Alpin-Schweizer-Meisterschaften in Davos. Urs FlÜeler/KEYSTONE

Der neue Chef Alpin vom Schweizer Skiverband, Rudi Huber (links), und Walter Hlebayna, der neue Chef-Trainer des Schweizer Ski-Männerteams, gestern an den Ski-Alpin-Schweizer-Meisterschaften in Davos. Urs FlÜeler/KEYSTONE

Rudi Huber, Sie sind Österreicher. Darum beginnen wir mit einerTestfrage: Wer ist Schweizer Sportminister?

Rudi Huber: Jetzt bin ich auf dem falschen Fuss erwischt worden. Ist er ein Ski-Experte?

Ueli Maurer weiss erstaunlich viel, vor allem im nordischen Skisport.

Mein offizieller Arbeitsbeginn ist der 1. April. Bis dann hoffe ich, das eine oder andere Manko behoben zu
haben. In den letzten Tagen habe ich mit bis zu 400 Leuten gesprochen. Bis zur WM 2017 werde ich alle Minister kennen, französisch verstehen und auch die Schweizer Hymne singen können (lacht). Wenn ich so lange im Amt bin.

Wäre Ihnen vor einem halben Jahr prophezeit worden, dass Sie im Frühling Schweizer Alpinchef sind – wie hätten Sie reagiert?

Damals gab es diese Position ja noch nicht, weil die Situation bei Swiss-Ski eine völlig andere war. Die Funktion ist sehr reizvoll. Ich glaube, mich mit meiner Erfahrung optimal einbringenzu können. Und werde alles tun, damites mit dem Schweizer Skisport wieder aufwärtsgeht.

Da und dort gab es Kritik wegen des österreichischen Übergewichts im Schweizer Trainerkader.

Mir war klar, dass nicht alle «Hurra» schreien, wenn ein Österreicher in die Schweiz kommt. Ich kann nur damit punkten, gute Arbeit abzuliefern. Daran kann man mich in einem oder vielleicht in drei, vier Jahren messen. Wir sind keine «Wunderwuzzis» (österreichischer Begriff für Alleskönner, die Red.).

Pirmin Zurbriggen gab zu bedenken, dass ausländische Chefs dazu neigen, sich auf den Weltcup zu konzentrieren, weil sie an diesen Resultaten gemessen werden, dadurch aber der Nachwuchs vernachlässigt wird.

Meine Hauptaufgabe besteht nicht darin, im Weltcup immer dabei zu sein. Ich werde auch die Regionen besuchen und schauen, wo ich helfen kann. An der Basis wird ein guter Job gemacht, wovon die vielen Talente zeugen, die auf dem Weg nach oben sind.

Wie erlebten Sie den Niedergang des Schweizer Skisports als neutraler Beobachter?

Cuche und Feuz kann man nicht von einem Tag auf den andern ersetzen. Dazu befand sich Janka in einer schlechten körperlichen Verfassung. So waren kurzfristig drei hochkarätige Athleten weg. Wahrscheinlich sind auch sonst ein paar Sachen schief gelaufen, zu denen ich im Moment keine Stellung nehmen will. Es wäre unfair, über Leute den Stab zu brechen, die sich Tag und Nacht für Swiss-Ski aufgeopfert haben. Viele unglückliche Umstände sind zusammengekommen.

Was passiert mit dem bisherigen Cheftrainer Osi Inglin?

Es wäre schade, wenn er ginge. Wir suchen eine Funktion, wo er seine Qualitäten einbringen kann. Mehr kann ich im Moment noch nicht sagen, auch zu den andern Personalien nicht.

Wie beurteilen Sie den «Fall Janka»?

Ich hatte mit Carlo ein gutes Gespräch. Man kennt ihn ja: Er ist nicht einer, der aus sich herausgeht. Bei ihm geht es primär um die Gesundheit. Das ist das oberste Kriterium. Ich habe demnächst einen Termin bei seinem Arzt, um mir ein Bild zu machen. Ich werde mich persönlich um die Angelegenheit kümmern, um herauszufinden, was los ist. Wenn er körperlich wieder 100 Prozent fit ist, wird er wieder gewinnen –- das verspreche ich.

Sie übernehmen das Team auf dem Tiefpunkt, eine günstige Ausgangslage?

Ich möchte mich diplomatisch ausdrücken. Es braucht oft schlechte Zeiten, damit man bereit ist, gewisse Veränderungsprozesse einzuleiten. Der Zeitpunkt ist gut, etwas zu bewegen.

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