Viel mehr ärgerte sich der Kombinations-Weltmeister von St. Moritz, dass er die grosse Chance auf seinen ersten Weltcupsieg mit einem Innenskifehler im Slalom vergab. Nach einer starken Abfahrt am Morgen (Aerni: «Ich bin stolz auf diese Leistung») hatte er Rang 20 belegt und war damit der am besten klassierte Techniker im Feld. Doch diese Ausgangslage konnte Aerni, der kurz vor Weihnachten im Slalom von Madonna di Campiglio Zweiter wurde und seinen ersten Weltcuppodestplatz feierte, nicht nutzen. «Ich ärgere mich sehr. Ich habe eine riesige Möglichkeit ausgelassen», sagt der 24-Jährige, der seinem Vater, der seinen 60. Geburtstag feierte, so gerne den Sieg geschenkt hätte. «Nun muss ich ihm doch etwas kaufen», scherzt Aerni.

Der grosse Profiteur war der Franzose Victor Muffat-Jeandet, der seinen ersten Weltcupsieg feierte. Der 28-Jährige war in der Abfahrt vier Zehntelsekunden langsamer als Aerni und in einem Weltcupslalom noch nie besser als auf Rang neun klassiert. Allein das zeigt, wie ärgerlich Luca Aernis Ausfall für Swiss Ski war. So nämlich klassierte sich erst zum dritten Mal in den vergangenen 12 Austragungen kein Schweizer auf dem Kombi-Podest in Wengen. Drei Schweizer Siege und insgesamt 12 Podestplätze gelangen hingegen seit 2007.

Keine Werbung für die Kombi

Für die Organisatoren in Wengen ist das Schweizer Ergebnis ebenfalls ärgerlich. Ab der Saison 2020 will der internationale Skiverband FIS keine Kombinationen mehr. Am Lauberhorn würden sie den Wettbewerb gerne behalten und dank der oft guten Schweizer Resultate hatte der Veranstalter zumindest Support von Swiss Ski. Heute waren Mauro Caviezel (6.) und Justin Murisier (7.) die besten Athleten des Heimteams. Werbung für den Wettbewerb war dies nicht.

Switzerland's Justin Murisier competes during an alpine ski, men's World Cup giant slalom, in Adelboden, Switzerland, Saturday, Jan. 6, 2018. (AP Photo/Gabriele Facciotti)

Justin Murisier.

Switzerland's Justin Murisier competes during an alpine ski, men's World Cup giant slalom, in Adelboden, Switzerland, Saturday, Jan. 6, 2018. (AP Photo/Gabriele Facciotti)

Doch Serien sind da, um gebrochen zu werden. Vielleicht ja am Sonntag von Luca Aerni. Im Slalom von Wengen gab es 1999 den bisher letzten Schweizer Podestplatz. Damals belegte Michael von Grünigen hinter Benjamin Raich den zweiten Rang. Seither warten die Fans auf heimische Erfolge. Überhaupt gab es in der 51-jährigen Weltcupgeschichte erst acht Schweizer Podestplätze und zwei Siege auf dem Wengener Slalomhang. Als bisher letzter Schweizer konnte Joël Gaspoz den Lauberhornslalom gewinnen.

Aerni und der Frühlingsschnee

Luca Aerni belegte in den bisherigen Slaloms der Saison die Ränge fünf, vier und zwei. Zuletzt in Adelboden klassierte er sich aber nur auf Rang 17. «Der Schnee hier in Wengen ist wieder frühlingshaft», sagt er. In Adelboden hat ihm das nicht gepasst. «Aber in Zagreb schon», sagt er angriffig. Und wie sagte er nach seinem Slalom-Podestplatz: «Dies ist fast schöner, als Weltmeister in der Kombination zu werden.» Das gilt auch in Wengen. Und die Preisgelder sind auch im Slalom die gleichen.

Quiz Lauberhornrennen Wengen 2018