Ski Weltcup
Lara Gut: «So katastrophal sind meine Resultate nicht»

Lara Gut ist in diesem Winter noch ohne Kopfsponsor, was den trügerischen Schluss zuliesse, niemand interessiere sich für sie. «Wir haben mehrere Kandidaten», sagt ihr Vater Pauli, «aber wir möchten noch zuwarten.»

Richard Hegglin, St. Moritz
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Mags am Liebsten ganz natürlich: Skistar Lara Gut (Archiv)
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Mags am Liebsten ganz natürlich: Skistar Lara Gut (Archiv)

Keystone

Einen finanziellen Verlust erleidet sie deshalb nicht, weil sie mit ihrer Managementagentur eine Garantiesumme vereinbart hat. Wenn sie wieder siegt, wird ihr Marktwert schlagartig steigen – vielleicht schon in St. Moritz. Dort gewann sie 2008 ihr erstes Rennen. Im Abschlusstraining benützte sie, aus PR-Zwecken für Filmaufnahmen, den Anzug aus jenem Rennen. Ein gutes Omen?

Im Weltcup tanzen Sie im Moment um das Podest herum, 4., 5., 6., 7. und 8. Ränge – nur auf das Podest schafften Sie es noch nie. Wenn man so nahe daran ist, dann ...

Lara Gut: ... dann fehlte halt immer etwas. Das hat verschiedene Ursachen.

Woran lags?

Es handelte sich oft nur um Hundertstelsekunden. Vielleicht fuhr ich zu wenig nahe an das eine oder andere Tor heran, richtete mich eine Spur zu früh auf, verpasste den Start oder nahm vor dem Ziel nicht die direkteste Linie. Sekundenbruchteile sind schnell weg.

Sie nerven sich, wenn Sie auf den bisher nicht so erfolgreichen Saisonverlauf angesprochen werden.

Zu entschuldigen brauche ich mich dafür nicht. So katastrophal, wie das einige sehen, sind meine Resultate nicht. Eine Krise hatte ich vielleicht in der Abfahrt von Cortina, wo ich einfach nicht vom Fleck kam. Ich stehe gut auf dem Ski, fahre gut, das Material stimmt. Irgendwann klappt es, wenn mir ein «sauberes» Rennen gelingt.

Geduld haben, was Sie einst während Ihrer Rekonvaleszenz lernen mussten, hilft Ihnen jetzt auch als Rennfahrerin?

Im Skisport kanns sehr schnell geben, schnell nach oben und schnell nach unten. Das gilt auch bei der Beurteilung der Medien. An einem Tag bist du der Held, am anderen der Depp. Früher habe ich mich darüber genervt. Jetzt probiere ich einfach, mein Ding durchzuziehen. Ich weiss, dass ich im Sommer gut trainiert habe und der Materialwechsel (von Atomic zu Rossignol; die Red.) eine gute Entscheidung war.

Auch einer wie Aksel Lund Svindal brauchte nach einem Materialwechsel längere Zeit, bis er sich an die neuen Ski gewöhnt hatte. Befinden Sie sich noch mitten in diesem Prozess?

Wenn man das Material wechselt, ist alles neu. Man muss wieder fahren lernen, spüren, wie das Material reagiert. Du kommst aufs Eis und weisst nicht, was der Ski macht. Nach fünf Jahren auf dem gleichen Ski ist vieles anders.

Gibt es ein Problem mit der Abstimmung, die sehr aufwändig ist, wenn man alle Disziplinen bestreitet?

Von Problemen würde ich nicht reden. Es wäre eines, wenn ich einen Schuh fahren würde, der nicht passt. Wenn ich aber mit dem Ski rutsche, dann ist das für mich kein Problem. Man hat die Möglichkeit, das zu korrigieren, mit einem anderen Kanting oder was auch immer. Das ist Teil unseres Sports.

Auf die nächste Saison müssen Sie sich schon wieder umstellen, da neue, längere und weniger stark taillierte Ski vorgeschrieben sind.

Ich habe schon in der letzten Saison (bei Atomic; die Red.) viel testen müssen mit einer neuen Bindung, das war viel schlimmer. Das war auch der Hauptgrund für den Markenwechsel, weil ich mit dieser Bindung nicht zurechtkam. Und vor drei Jahren gabs auch eine Reglementänderung, nach der alle Ski gewechselt werden mussten. An Umstellungen bin ich mich gewohnt. Im Hinblick auf die nächste Saison ist das vielleicht ein Vorteil.

St. Moritz ist Ihr sportlicher Geburtsort. Hier standen Sie zum ersten Mal auf dem Podest, hier gewannen Sie Ihr erstes Rennen. Motiviert das?

Wir sind «zu Hause». Das gilt für mich und meine Kolleginnen. Ein Heimrennen ist immer etwas Besonderes. Man spürt das schon im Umgang mit den Helfern auf der Piste. Manchmal hat man das Gefühl, die machen alles nur für uns.

Dann darf man sich auf eine Lara Gut ihrer besten Tage freuen?

Es ist zwar nicht so, dass ich am Start nur daran denke: Das ist «mein Rennen». Aber ich kenne das Gelände, die Wellen. Ich weiss, was ich tun muss, um schnell zu sein – im Gegensatz zu Cortina. Dort war ich schon im letzten Jahr langsam und wusste auch heuer nicht, was ich anders machen sollte. St. Moritz habe ich im Griff. Das heisst nicht, dass ich aufs Podest fahre. Ich kann auch 27. werden.

In den technischen Disziplinen schieden Sie ein halbes Dutzend Mal in Serie aus. Der Grund?

Da liegt daran, dass ich viele Slaloms bestreite. Im letzten Jahr fuhr ich fast keinen. Ausscheiden gehört zum Slalom. In jenem Winter, als ich mich im Riesenslalom Ende Saison unter den Top 15 befand, schied ich in vier Rennen aus. Heuer bin ich erst zweimal ausgeschieden.

Also rechnen Sie sich nicht nur in der Abfahrt, sondern auch in den beiden Superkombinationen ein gutes Resultat aus.

Es gibt viele Abfahrerinnen, die vor den Slaloms mehr Angst haben als ich. Immerhin hatte ich in diesem Winter schon einmal zweitbeste Zwischenzeit hinter Marlies Schild. Und vor vier Jahren war ich hier in dieser Disziplin Fünfte.