Ski-WM
Lara Gut: Immer etwas anders als der Rest

Den US-Journalisten brennt eine Frage unter den Fingern: Wie erleben die Skistars aus Europa die Weltmeisterschaft in den USA? Und die Athletinnen und Athleten antworten unisono: «Alles ist super.» Nur Eine ist anderer Meinung.

Martin Probst, Beaver Creek
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Lara Gut, eine Diva?

Lara Gut, eine Diva?

KEYSTONE

Unisono stimmt nicht. Eine tanzt aus der Reihe, die das gerne tut. Nach Bronze in der Abfahrt sagte Lara Gut: «Die Amerikaner versuchen immer, alles perfekt zu machen. Dafür haben sie unzählige Konzepte, doch koordiniert ist nichts. Am Ende klappt wenig und wir warten auf fast alles.»

Peng. Das sass. Ungläubig notierten die Schreiber das Gesagte. Nicht alles perfekt? Wie kann sie sich das zu sagen erlauben.

Es ist typisch Lara Gut, die immer etwas anders ist als der Rest. So ärgert sich die 23-Jährige über Bronzemedaillen an Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften – weil mehr möglich gewesen wäre.

An den Siegerehrungen wirkt ihr Lachen dann jeweils gequält. Auf Facebook stellt sie ein Foto von sich. Zu sehen ist sie mit versteinerter Mine auf dem Podest. «Pokerface», schreibt sie dazu. «Es ist schwierig, sich zu freuen, wenn man weiss, dass Gold dringelegen wäre», sagte sie zuvor.

Arroganz? Nein, typisch Lara Gut. Sie will sich nicht verstellen. Wenn sie keine Lust hat, hat sie keine Lust. Künstliches Lachen für die Kameras ist nicht ihr Ding. Die Presseabteilung von Swiss-Ski muss sich bei den Journalisten regelmässig per E-Mail entschuldigen, dass die Tessinerin an Presseterminen anders als ihre Schweizer Teamkolleginnen nicht teilnehmen wird. «Das sind jetzt meine vierten Weltmeisterschaften», sagt sie. «Mittlerweile weiss ich, wie viel Energie mir die Öffentlichkeit raubt. Darum gönne ich mir bewusst Ruhe und nehme Abstand.»

So schwierig Lara Gut ihm Umgang sein kann, authentisch ist sie immer. Als sie vor der Saison einen neuen Sponsor aus der Computerbranche vorstellte und dafür auch ein IT-Fachmagazin kam und Fragen stellte, sagte Gut: «Mein Hobby ist das Lesen. Echte Bücher, nicht solche auf einem E-Reader.» Werbung für ihren neuen Sponsor war das sicherlich nicht. Aber die Wahrheit. Einfach macht sie es sich so nicht. Aber das ist der 23-Jährigen egal.

Der Erfolg gibt ihr recht. In Beaver Creek hat Lara Gut wie schon vor zwei Jahren an der WM in Schladming als erste Schweizerin zugeschlagen. Damals blieb es die einzige Medaille für Swiss-Ski. Dieses Mal hat sie die WM lanciert. Diese Qualitäten ermöglichen ihr, anders zu sein.