Können Sie sich noch an das unbeschwerte Mädchen erinnern, das im Februar 2008 in St. Moritz in ihrer allerersten Weltcupabfahrt überhaupt mit Bestzeit Richtung Ziel fuhr, beim Ziel stürzte und trotzdem noch als Dritte über die Linie rutschte? Genau, das Mädchen heisst Lara Gut, war damals erst 16 Jahre alt und verzauberte mit ihrer unbeschwerten Art den Skizirkus.

Der Rest ist bekannt. Zwei Weltcupsiege, total sieben Podestplätze und Doppelsilber an den Weltmeisterschaften 2009. Innert kürzester Zeit avancierte sie zum neuen Liebling der Skination Schweiz. Auch Querelen, wie ihr Alleingang im eigenen Team, oder der öffentliche Zwist mit Swiss-Ski im Jahr 2010, konnte sie jeweils mit einem breiten Lächeln quittieren und den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen.

Alles funktionierte. Doch dann, im letzten Winter, der Bruch. Die Unbeschwertheit dahin, kein Podestplatz und viele Enttäuschungen. Die Kritik wurde lauter. Das Dauerlächeln verschwand aus Lara Guts Gesicht. An dessen Stelle rückte nicht selten Verbitterung. «Der letzte Winter war für mich nicht einfach», sagt die heute 21-jährige. «Ich kann mich gar nicht genug bei meinem Team bedanken, dass sie mich Ende der letzten Saison aufgefangen haben und von neuem motivierten.»

Dann also der Neuanfang – im Mai dieses Jahres. Vater und Trainer Pauli Gut erklärt es so: «Wir haben uns bewusst wieder auf die Grundelemente des Skifahrens konzentriert.» Die Abläufe wurden bei niedrigen Tempi immer wieder wiederholt. Bis das Gefühl für den Ski zurückgekehrt ist und mit ihm das Vertrauen. «Sofort mit vollem Einsatz zu trainieren und dabei Abertausende Tore umkurven, das brachte in der Situation, in der sich Lara befand, nichts», sagt Pauli Gut, «deshalb haben wir den Fokus anders gelegt.»

Das Lachen ist zurück

Mit Erfolg. Lara Gut sagt: «Ich habe gespürt, dass das Feuer in mir noch brennt. Die Leiderschaft für das Skifahren da ist.» Mit dem Spass ist auch das Lächeln in das Gesicht von Lara Gut zurückgekehrt. Gut gelaunt zeigt sie sich in diesen Tagen. Auf Facebook hat sie den Countdown für das erste Rennen am 27. Oktober in Sölden eingeläutet: «Ich kann es kaum erwarten, dass es los geht.»

Hinter ihr liegen harte Monate der Schinderei. 375 Stunden hat sie in den letzten fünf Monaten im Fitnessraum geschuftet, dabei 224 Tonnen an Gewichten bewegt. Eindrückliche Zahlen. «Ich kann nicht versprechen, dass ich nun sofort wieder Rennen gewinne. Aber ich kann versprechen, dass ich viel Spass haben werde und natürlich will ich dabei auch schnell sein.»

Der Spass, der fehlte im letzten Winter insbesondere in der Disziplin Slalom. In sechs Anläufen reichte es nie für den zweiten Lauf, fünfmal schied sie sogar aus. «Ich habe festgestellt, dass es im Moment wenig Sinn macht und mich darum entschieden, vorläufig auf Slaloms zu verzichten», sagt sie.