Am Ende war Lara Gut der Rummel um ihre Person doch etwas zu gross. Egal, wo die 22-Jährige in St. Moritz hingeht – Fans und Medien sind schon da. Sie schreibt Autogramme und beantwortet Fragen. «Es ist schön, wenn mich jeder kennt und viel Glück für das Rennen wünscht. Aber so bleibt mir keine freie Minute für mich», sagt sie.

Die Erholung kommt da natürlich zu kurz.

Nein, Lara Gut beklagt sich nicht. Im Gegenteil: Sie spricht von einem Lernprozess. «Ich habe es lieber so, als dass mich niemand kennt, weil ich zu schlecht fahre.» Vier Rennen hat sie in dieser Saison schon gewonnen. «Zum ersten Mal bin ich als grosse Favoritin nach St. Moritz gereist. Diese Situation war neu für mich.»

Jeder wollte etwas von ihr und erwartete den nächsten Coup. «Ich bin auch nur ein Mensch», schrieb sie zuletzt auf ihre Facebook-Seite.

Der Coup blieb in St. Moritz aus. Im Super-G am Samstag noch auf Rang 7 klassiert, schied sie gestern im Riesenslalom mit einem Innenskifehler im ersten Lauf aus – mit Bestzeit. «Das war wichtig für mich. Ich bin bis zum Fehler sehr gut gefahren. Das gibt mir Vertrauen.»

Souverän wie noch nie in ihrer Karriere geht Lara Gut auch mit Niederlagen um. «Ich muss lernen, mit dieser Aufmerksamkeit besser umzugehen.» Schon jetzt sind Fortschritte zu erkennen. Ihr Auftreten zeugt von einer Reife, die sie als 17-Jährige bei den ersten Erfolgen im Weltcup nicht hatte.

Ein Fehler, mehr nicht

Ein Renntag beginnt für Lara Gut um 6.30 Uhr und endete am Samstag erst spätabends im Hotel. Dazwischen ist die Tessinerin ein Rennen gefahren, hat zahlreiche Interviews gegeben, öffentliche Auftritte wahrgenommen und diverse Sponsoren besucht. Die Schuld für den Ausfall sieht sie darin aber nicht. «Die Piste war einfach zu fahren. Das gibt grosse Sicherheit und prompt setzt man die Kante etwas zu stark auf und schon rutscht man weg», erklärt die Leaderin im Gesamtweltcup.

Trotzdem gäbe es auch Dinge, die man rund um das Rennen verbessern könne. Schon in Beaver Creek klagte Lara Gut über Müdigkeit. Auch Vater und Trainer Pauli Gut sieht hier noch Verbesserungspotenzial. «Wir sprechen gemeinsam über Möglichkeiten, ihr bessere Erholungsmöglichkeiten zu bieten. Dieser Rummel ist für uns neu. Da fehlen uns noch die Erfahrungen», sagt er. Der Lernprozess betrifft das ganze Team.

Trotzdem war es nach dem Sieg in Sölden zum Saisonauftakt der zweite Ausfall von Lara Gut im Riesenslalom in Folge. «In Beaver Creek bin ich einfach schlecht gefahren. Das war hier nicht der Fall», sagt sie. Ihr Vater sieht das ähnlich. «Wir dürfen uns darüber nun gar nicht viele Gedanken machen. Wir müssen gut weiterarbeiten und dann wird Lara wieder siegen», ist er sicher.

Fortschritte gemacht

In der Tat traut man dies Lara Gut zu. Auch Niederlagen gehören zum Lernprozess. Das eher enttäuschende Rennwochenende in St. Moritz könnte genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen sein. Auf den Senkrechtstart zu Beginn ihrer Karriere folgten eher enttäuschende Jahre. Damals konnte sie mit dem Druck und der Aufmerksamkeit nicht richtig umgehen. Heute traut man ihr zu, diesen Lernprozess erfolgreich zu meistern. Ihr Auftreten beweist dies.