Seit dieser Saison ist die 26-jährige Tessinerin mit einer eigenen Medienverantwortlichen unterwegs. Die Italienerin Giulia Candiago ist eine Jugendfreundin und war bis vor sieben Jahren ebenfalls eine ganz passable Skirennfahrerin. Dies wäre eigentlich nicht der Rede wert, wenn Lara Gut es nicht selber zum Thema machen würde.

Das Tête-à-Tête mit der Presse beginnt und endet, wie man das von einer Weltsportlerin erwarten darf. Gut sagt, dass sie sich auf die Rennen auf der Lenzerheide freue, weil sie «wunderbare Erinnerungen» an diese Piste habe.

Fünfmal stand sie hier bereits auf dem Weltcup-Podest. Dass es heute ihre erste Super-Kombination seit dem verhängnisvollen Tag in St. Moritz sein wird, beschäftige sie hingegen nicht im Geringsten. «Das Einzige, an das ich nicht denke, ist mein Knie», sagt sie. Vor knapp einem Jahr riss sie sich am Tag der WM-Kombination – nach einem dritten Platz im Super-G – beim Einfahren zum Slalom das Kreuzband.

Nicht mehr auf der Suche

«Mit meinem Sieg im Super-G am letzten Sonntag in Cortina konnte ich definitiv einen Schlussstrich unter meine Verletzung ziehen», sagt die 26-Jährige. Sie sei jetzt wieder an einem Punkt angelangt, an dem sie sich nicht mehr auf der Suche befinde.

«Die Instinkte sind zurück, alles fühlt sich wieder normal an.» Sie finde die direkte Linie im Rennen, fühle sich nicht mehr ungewohnt müde nach den Wettkämpfen und könne auch wieder mit dem ganzen Drumherum umgehen.

Und dazu gehören eben auch die Medien. Offensichtlich beschäftigt das Thema die temperamentvolle Tessinerin. Sie kommt im Verlauf der Fragerunde gleich mehrfach darauf zu sprechen. Es scheint Lara Gut ein Bedürfnis zu sein, zu erklären, wieso sie so allein hier vorne sitzt, während die Teamkolleginnen ein Hotel weiter bereits gemütlich beim Nachtessen sind.

Alleine gelassen

Paradoxerweise geht es in ihrer Erklärung genau um das Alleinsein. Sie sei sich seit Kindsbeinen an gewohnt, dass sie ein Team um sich habe. «Auch heute mache ich praktisch nichts alleine: kein Rennen, kein Training, ja nicht einmal mein Essen bestimme ich alleine», sagt sie.

Nur im Umgang mit den Medien habe sie sich ab und zu alleine gefühlt. «Seit Beginn meiner Karriere haben mir die Medien viel Aufmerksamkeit geschenkt. Mein Job ist es, Ski zu fahren. Und zu schauen, dass ich daneben so wenig Energie wie möglich verliere.» Dies sei nicht immer gelungen, deshalb sehe sie die Unterstützung durch Giulia als einen weiteren Schritt zu einem professionellen Umfeld.

Sie habe auch gelernt, dass es keine gute Idee ist, am Ziel direkt zu den Medien zu rennen, wenn sie noch voller Emotionen sei. Auch dabei helfe ihr die neue Konstellation im Umfeld.

Immer für eine Überraschung gut

Wieso Lara Gut so viel daran liegt, ihre Medienbetreuung zu thematisieren, bleibt ihr Geheimnis. Auch wenn Beobachter der 24-fachen Weltcupsiegerin deutlich mehr Reife attestieren, ist sie nach wie vor jederzeit für eine Überraschung gut. Das gilt auch für die Rennen. Vor allem im Riesenslalom war sie bislang noch nicht wieder die Alte.

Gut bleibt aber selbst nach dem enttäuschenden 26. Rang am Dienstag für den morgigen letzten Test vor den Olympischen Spielen optimistisch. «Am Montag im Training lief es super. Keine Ahnung, wieso es im Rennen nicht klappte. Aber ich spüre, dass das Gefühl auch hier zurückkehrt. Und ich gehe nicht mit der Idee im Kopf an den Start, dass etwas nicht möglich ist.»