Slalomstars

Kritiker Yule zu Diplomat Zenhäusern: «Ramon, du kritisierst sehr selten etwas»

Daniel Yule (l.) und Ramon Zenhäusern haben im Teamwettkampf auch schon zusammen Medaillen gewonnen.

Daniel Yule (l.) und Ramon Zenhäusern haben im Teamwettkampf auch schon zusammen Medaillen gewonnen.

Die Schweizer Slalomstars Daniel Yule und Ramon Zenhäusern sind beides Walliser. Ihre Charakter sind aber ganz verschieden. Am Sonntag in Slalom von Kitzbühel wollen sie beide aufs Podest. Ein Treffen.

Meistens sind sie sich einig. Was aber nicht heisst, dass es nichts zu diskutieren gäbe. Daniel Yule und Ramon Zenhäusern sitzen an einem Tisch in Kirchberg und beantworten Fragen mit du oder ich.

Also, wer ist geduldiger? Die Antwort kommt blitzschnell. Yule sagt: «Geduldiger als ich zu sein ist nicht schwierig.» Zenhäusern lacht: «Ich habe meine Geduld von meinem Grossvater geerbet.» Obwohl: So geduldig wie auf dem Weg an die Spitze ist Zenhäusern nicht mehr. Zuletzt in Adelboden und Wengen verpasste er das Slalompodest um acht und sieben Hundertstel. Am Sonntag in Kitzbühel will der 27-Jährige nicht mehr länger auf den nächsten Podestplatz warten.

Weil die Zimmer in Kitzbühel noch von den Abfahrtcracks um Beat Feuz belegt sind, wohnen die Slalomfahrer ein paar Autominuten ausserhalb. Noch vor wenigen Jahren hätte dies ein passendes Bild abgegeben. Die Schweizer Techniker standen im Abseits. Der Slalom war eine Sorgendisziplin und die Erfolge blieben aus.

Ein bisschen Theater gehört bei Yule dazu

Mittlerweile ist das ganz anders. Die Schweizer gehören zu den besten Slalomfahrern der Welt. Yule hat in dieser Saison schon zwei Rennen gewonnen und ist mit insgesamt drei Siegen der erfolgreichste Schweizer Slalomfahrer in der Geschichte des Weltcups. Zenhäusern holte 2018 Olympiasilber und ist 2019 ebenfalls zum Slalomsieger geworden.

Zenhäusern verbessert sich, indem er extrem fleissig extrem viel tut. Wenn etwas nicht klappt, macht er es einfach noch einmal. Yule sagt: «Wenn es etwas ist, wo ich das Gefühl habe, ich sollte das können, habe ich null Geduld. Wenn es etwas Neues ist, habe ich wenig Geduld. Nicht null, aber wenig.» Beide lachen. «Wissen Sie», sagt Zenhäusern. «Daniel tut am Ende auch alles für den Erfolg. Wir sind beide nicht faul. Aber bei ihm muss es zuerst einfach immer ein wenig Theater geben.» Wieder lachen beide.

Yule, 26, ist ein Jahr jünger als Zenhäusern. Trotzdem entwickelten sich ihre Karrieren parallel. Beide debütierten 2012 im Weltcup: Yule im Januar, Zenhäusern im Dezember. Beide gewannen im Slalom eine WM-Medaille bei den Junioren: Zenhäusern 2013 Silber, Yule 2014 Bronze. Zum ersten Mal auf dem Podest eines Weltcupslaloms stand Yule im Januar 2018, Zenhäusern im März des gleichen Jahres. Und den ersten Slalomsieg im Weltcup feierte Yule Ende Dezember 2018, Zenhäusern im März 2019. So ähnlich die Wege der beiden Walliser verlaufen sind, so sehr unterscheiden sie sich auf der Piste.

Diplomat Zenhäusern polarisiert nicht gerne

Zenhäusern fällt auf. «Wer mehr isst?», fragt Yule. «Schauen Sie sich Ramon an, der ist mehr als zwei Meter gross. Der braucht Energie.» Yule ist gut 20 Zentimeter kleiner. Sein Fahrstil ist dynamischer. Im steilen Gelände fühlt er sich wohl. Zenhäusern kann dafür in flachen Passagen beschleunigen wie kein anderer.

Und wer nervt sich mehr, wenn etwas nicht klappt? «Ganz klar Daniel.» Zuletzt in Wengen, als Zenhäusern zum wiederholten Mal das Podest knapp verpasste, machte aber auch er seinem Ärger Luft: «Das gibt es wirklich sehr selten.» Yule nickt: «Du kritisierst auch sehr selten etwas.»

Yule setzt sich als Athletensprecher für die Anliegen der Sportler ein. Und er scheut nicht davor zurück, auch einmal anzuecken. «Ich habe keine Angst, meine Meinung zu sagen, wenn ich von einer Sache überzeugt bin.» Zenhäusern ist da zurückhaltender. «Ich bin diplomatisch, typisch schweizerisch halt», sagt er. Yule, mit einer Mutter aus Schottland und einem Vater aus England, lacht. «Ich bin auch Diplomat. Aber ich weiss, was ich will.»

Auf der Piste wissen das sowieso beide: Sie wollen gewinnen. Da sind sie sich einig.

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