Und dann erhöhen sie einfach noch einmal das Niveau. Die Konkurrenz staunt und fragt sich, wie man so schnell sein kann.

Daniel Yule, gestern als Elfter bester Schweizer, sagt: «Sie fahren ein anderes Rennen als der Rest von uns.» Der Russe Alexander Choroschilow, immerhin als Dritter auf dem Podest, sagt: «Im ersten Durchgang können sie es sich problemlos erlauben, mit einer sicheren Fahrt einen Rückstand auf uns zu haben. Weil sie wissen, dass sie das schon noch aufholen.»

Gemeint sind Henrik Kristoffersen und Marcel Hirscher. Auf der so anspruchsvollen Slalom-Piste in Val d’Isère, die in diesem Moment schon arg gezeichnet ist, erhöhen sie einfach nochmals das Tempo. Das Resultat: Kristoffersen siegt mit Laufbestzeit, Marcel Hirscher fährt mit der zweitschnellsten Zeit auf Rang zwei. «Das ist unfassbar gut», schwärmt Yule.
Dabei ist bei den beiden vieles nicht gut. Kristoffersen und Hirscher plagen Sorgen. Unterschiedliche zwar, aber mit dem gleichen Effekt. Der Spassfaktor ist klein. Kristoffersen sagt: «Vor dem Start habe ich manchmal gar keine Lust, hier zu sein.» Hirscher sagt: «Ich habe schon kurz nach dem Starthaus nur noch geflucht.»

Was ist los? Kristoffersen hat sich im Sommer mit dem norwegischen Verband angelegt. Es geht um Geld und Macht. Der 22-Jährige will einen persönlichen Helmsponsor. Der Verband aber hat die Werbefläche seinem Hauptsponsor zugesagt. Nur Aksel Lund Svindal hat eine Ausnahmegenehmigung, weil er seinen persönlichen Sponsorenvertrag bereits hatte, als der Hauptsponsor beim Verband einstieg. Das findet Kristoffersen ungerecht – und zog im Streit sogar vor Gericht. Ein erstes Urteil wird bald erwartet.

Er muss sich selbst bremsen

Wie nahe Kristoffersen der Knatsch mit dem Verband geht, wie viel Kraft ihn die Auseinandersetzung kostet, zeigte sich am Samstagabend, als er an einem Anlass seiner Skifirma zu sprechen begann: «Ich will nicht alles verändern. Doch genau das passiert, wenn ich vor Gericht gewinne.» Mehrmals musste er sich bremsen, um sich in der Wortwahl nicht zu vergreifen. «Es geht um Politik. Die Männer an der Verbandsspitze haben Angst. Ich wäre für einen Kompromiss bereit gewesen. Die Situation, das alles, ist brutal hart für mich und kotzt mich an.»

Wie Svindal hätte auch Kristoffersen einen Teil der Einnahmen dem Verband abgegeben. Nun entscheiden die Richter, und Kristoffersen versucht, sich wieder am Skisport zu erfreuen. «Siege helfen da», sagt er. «Es tut gut, wieder zurück zu sein.» Aus Protest hatte er auf einen Start beim ersten Slalom der Saison verzichtet.

In seiner Abwesenheit siegte in Levi Marcel Hirscher. Es ist der bisher einzige Saisonsieg des Österreichers. Gestern belegte er zum vierten Mal in diesem Winter Rang zwei. Doch es sind nicht die Resultate, die Hirscher fluchen lassen. Es ist das Gefühl auf den Ski, das ihn verrückt macht.

Der 27-Jährige ist ein Perfektionist. Er tüftelt Stunden am Material, immer auf der Suche nach dem perfekten Set-up. «Nicht ich passe mich den Verhältnissen an, mein Material tut es», erklärte er einst. Nun stimmt das Gefühl plötzlich nicht mehr. «Dann fahre ich im ersten Durchgang schon fast im Stemmbogen runter.»

Was ist los? Am Ende der vergangenen Saison verliess Servicemann Edi Unterberger, der schon die Ski von Hermann Maier präparierte, das Team Hirscher und wechselte zum Verband. Als Ersatz wurde der ehemalige Abfahrer Thomas Graggaber engagiert. Gut möglich, dass sich die Zusammenarbeit erst noch einpendeln muss. Hirscher kritisiert nur sich selbst: «Ich vergreife mich. Es liegt an mir.» Sicher ist, Hirscher ist ganz und gar nicht zufrieden. «Wenn ich gewinnen will, muss ich das richtige Set-up finden.»

Dass Kristoffersen und Hirscher trotz ihrer Probleme dominieren, macht der Konkurrenz wenig Mut. Was, wenn sie wieder sorgenfrei sind?