Das Leben ist ein Spiel. Vielleicht ist sie ja wirklich so einfach, die Erklärung, warum aus dem Krisenteam im Riesenslalom plötzlich eine Equipe mit Siegermentalität entstand. „Bei uns ist alles ein Wettkampf. Egal ob auf der Skipiste, im Kraftraum oder sonst wo“, sagt Marco Odermatt. „Und jeder will immer der Beste sein.“

Odermatt war am Samstag so gut wie noch nie in seiner Weltcup-Karriere. Im Riesenslalom in Val d’Isère belegte er Rang sieben – und war trotzdem nicht der beste Schweizer, weil Loïc Meillard Fünfter wurde. Nach zwei Rennen haben drei Schweizer die Selektionskriterien für die WM erfüllt: Meillard, Odermatt und Thomas Tumler. Es gab Jahre, da musste Swiss Ski im Riesenslalom froh sein, wenn dies zwei pro Saison schafften.

Kontinuität als Faktor

Doch ist es wirklich so einfach, nur ein Spiel? Vermutlich nicht. Ob Odermatt oder Meillard, die Schweizer tun sich schwer mit einer Erklärung. „So viel anders machen wir nicht“, sagt Meillard. „Gross verändert wurde nichts. Wir haben ein cooles Team, super Trainer und sind nun seit drei, vier Jahren zusammen.“, sagt Odermatt. „Es brauchte wohl einfach Zeit.“ Und Vertrauen, das Können im Wettkampf abrufen zu können.

Erfahrungen helfen. Auch negative. In Val d’Isère erlebte Odermatt seinen bisher grössten Rückschlag. Im Januar 2017 zog er sich in einem Europacuprennen einen Meniskusschaden zu und verpasste den Rest der Saison. Zuvor war er im Weltcup einmal in die Top 20 gefahren: 17. Rang in Sölden im Oktober 2016. Damals war der Mann aus Nidwalden bereits Juniorenweltmeister im Riesenslalom. Nach der Verletzung, im Februar dieses Jahres, gewann er in Davos gleich fünfmal Junioren-WM-Gold. Natürlich auch erneut im Riesenslalom.

Lob von höchster Stelle

Meillard war 2017 Juniorenweltmeister im Riesenslalom. Er ist 22. Odermatt ein Jahr jünger. „Loïc ist der Chef im Team“, sagt Odermatt. „Vielleicht bezogen auf die Resultate, sonst nicht“, sagt Meillard. In der Tat ist der Westschweizer noch etwas weiter als Odermatt und fährt mittlerweile konstant stark im Weltcup. In beiden Riesenslaloms dieser Saison belegte Meillard den fünften Rang. Der Sprung auf das Podest scheint fällig.

„Ich liebe es, Loïc zuzuschauen. Ich bewundere seine Technik. Ich habe schon vor Jahren gesagt, dass er der Junior mit dem grössten Talent weltweit ist.“ Das sagt nicht irgendwer. Das sagt Marcel Hirscher, siebenfacher Gewinner des Gesamtweltcups und seit Samstag 60-facher Weltcupsieger. Den Riesenslalom in Val d’Isère gewann er mit über einer Sekunde Vorsprung auf Henrik Kristoffersen. Dritter wurde Matts Olsson.

Auch der "Teamsenior" profitiert

Meillard und Odermatt. Sie pushen sich gegenseitig. „Er gibt schon richtig Gas“, sagt Meillard. „Wir haben eine tolle Rivalität im Team“, sagt Odermatt. Mitgezogen davon wird auch der „Teamsenior“. Thomas Tumler, mit 29 Jahren das älteste Mitglied im Riesenslalomteam, schied in Val d’Isère mit der zweitbesten Zwischenzeit aus. Das Wort Krise wird, wenn es so weiter geht, nicht mehr lange mit dem Riesenslalom verbunden werden.