Langlauf
Knatsch um den traditionellen «Engadin Skimarathon»

Nach dem Engadin Skimarathon im März 2016 ziehen sich die aktuellen Organisatoren der traditionsreichen Langlauf-Veranstaltung zurück – unfreiwillig.

Simon Steiner
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Zum Eklat kam es Ende August: An der Generalversammlung des Trägervereins traten OK-Präsident Ivo Damaso und mit ihm der gesamte Vorstand per Frühling 2016 zurück. Die Organisatoren des Engadiner Skimarathons zogen damit die Konsequenzen aus einem seit zwei Jahren dauernden Machtkampf mit den Skiklubs der Region, welche die Trägerschaft der Veranstaltung bilden.

Im Zentrum des Konfliktsstand eine neue Führungsstruktur, welche den Oberengadiner Skiklubs und Gemeinden mehr Einfluss auf den grössten Wintersportanlass der Schweiz sichern sollte – und damit primär auf die Person von OK-Chef Damaso zielte, dem eine zu grosse Machtfülle vorgeworfen wurde. «Der Vorstand hat sich in den letzten Jahren zusehends von der Trägerschaft entfernt», sagt Claudio Duschletta, Präsident des Skiklubs Zuoz und Sprecher der beteiligten Skiklubs. «Darunter hat auch die Zusammenarbeit mit den Gemeinden gelitten.»

Wieso eine funktionierende Organisation ändern?

Bei der gegenwärtigen OK-Crew stiess die Neuorganisation vor allem deshalb auf wenig Verständnis, als der Engadin Skimarathon so erfolgreich ist wie noch nie. Bei den letzten beiden Austragungen waren jeweils rund 13 000 Teilnehmer am Start, zudem steht der Anlass finanziell auf einer gesunden Basis. «Ich sehe keinen Grund, eine funktionierende Organisation über den Haufen zu werfen», sagt Noch-OK-Chef Damaso. Die monatelange Suche nach einem Konsens der beiden Parteien blieb erfolglos. Seit August ist die Strukturreform mit einer Trennung in eine operative und eine strategische Ebene beschlossene Sache – und damit auch der Rückzug der bisherigen Crew.

Dass der Skimarathon ein Erfolgsprodukt ist, wird grundsätzlich von keiner Seite bestritten. Allerdings scheint die Popularität des Traditionsanlasses im Unterland grösser zu sein als im Engadin selber. Dass die Langläufer von Seiten der Bergbahnen und der Tourismusorganisation eher geduldet als erwünscht sind, ist ein offenes Geheimnis, auch wenn das öffentlich niemand zugeben würde.

Für Markus Schild, der das Langlauf-Portal «Nordic Online» betreibt, ist das Seilziehen um den Skimarathon deshalb in erster Linie Ausdruck der angespannten Lage des Tourismus im Engadin. «Die Probleme des Tals werden auf dem Rücken des Engadin Skimarathon ausgebreitet, dabei liegen deren Ursachen offensichtlich anderswo.» In die gleiche Kerbe schlägt Albert Giger, Rekordsieger und langjähriger Rennleiter des Skimarathons: «Man neigt im Engadin dazu, funktionierende Veranstaltungen umzukrempeln – nur weil einzelne Personen nicht erwünscht sind», sagt der Olympia-Medaillengewinner von Sapporo 1972. «Die wirklichen Probleme hingegen will niemand anpacken.»

Unruhe um den «La Diagonela»

Auslöser für die Unstimmigkeiten um den «Engadiner» war vor zwei Jahren die Lancierung des klassischen Volkslanglaufs «La Diagonela», der seither jeweils im Januar im Tal stattfindet. Neben einer Gruppe aus dem unteren Oberengadin hatte ursprünglich auch das OK des Skimarathons mit der Durchführung eines klassischen Laufs geliebäugelt. Der Versuch, gemeinsame Sache zu machen, scheiterte daran, dass die betroffenen Gemeinden sich auf einen Termin im Januar festlegten.

Die Sponsoren des «Engadiners», der von der Agentur Tridem professionell vermarktet wird, sahen für diesen Zeitpunkt jedoch zu wenig Potenzial. Die Unruhe um den Lauf, der schliesslich unabhängig vom in Skatingtechnik ausgetragenen Skimarathon realisiert wurde, brachte die Diskussionen im Trägerverein erst richtig in Schwung. Erst recht, zumal «La Diagonela» im Unterschied zum «Engadiner» massgeblich von der öffentlichen Hand getragen wird.

Gut möglich, dass die beiden Läufe nun schon bald aus einer Hand organisiert werden. Die neuen Statuten des «Engadiner»-Trägervereins sehen bewusst die Ausrichtung weiterer Veranstaltungen vor – allenfalls auch im Sommer. Ansonsten übt man sich nach dem Eklat in Schadensbegrenzung. Ivo Damaso, der mit der bisherigen Crew die kommende Austragung am 13. März 2016 noch organisieren wird, mag sich zum Konflikt denn auch nicht mehr äussern. «Eine öffentliche Schlammschlacht würde nur der Veranstaltung schaden.»

Der Trägerverein sucht derweilen nach einem Geschäftsführer für die Zeit danach. Die Teilnehmer des Skimarathons sollen von den Vorgängen hinter der Kulisse trotz erwartbarem Know-how-Verlust im OK nichts spüren. «Wir setzen alles daran, dass der Engadin Skimarathon auch in Zukunft perfekt organisiert ist», sagt Skiklub-Sprecher Duschletta.