In zehn der vergangenen elf Weltcupabfahrten stand Beat Feuz auf dem Podest. Im Super-G in der gleichen Zeitspanne nur einmal. Ein krasser Unterschied, den zu erklären sogar er selbst Mühe hat.

Denn eigentlich, so Feuz, würde die Form auch für den Super-G stimmen. Und eigentlich müsste ihm die Disziplin, in der es um Instinkt geht, weil es kein Training gibt, liegen. Denn der 31-Jährige gilt als ausgezeichneter Instinktskifahrer, als einer, der oft automatisch so fährt, dass es schnell ist.

Zu dosieren, ist selten schnell

Eine Erklärung zu finden, warum es im Super-G schlechter läuft, ist also nicht leicht. Feuz sagt: «Die Abfahrt ist meine stärkste Disziplin. Für mich ist es daher gut, wenn die Abfahrt vor dem Super-G stattfindet. Sonst weiss ich nie, wie viel ich schon investieren kann, um noch Reserven für die Abfahrt zu haben.» Zu dosieren, ist selten schnell. Das klingt also logisch.

In Bormio, wo der Super-G nach der Abfahrt stattfindet, hat er tatsächlich mit Rang sechs sein Bestresultat erzielt. Allerdings war die Reihenfolge auch in Lake Louise, Beaver Creek und Kitzbühel so. Und die Ergebnisse waren trotzdem bescheiden.

Die Schlüsselwörter

Was dann? Feuz ist sicher, dass ihm die Verhältnisse in den Super-G-Rennen in dieser Saison nicht entgegenkamen. Sein elffach operiertes Knie lässt zwar längst wieder Fahrten unter extremen Bedingungen zu, sobald er sich auf einer Unterlage aber nicht wohlfühlt, nimmt er – verständlicherweise – etwas Risiko raus. Kommt hinzu, dass er in der Abfahrt mit dem Wissen an den Start geht, dass es seit über einem Jahr und in elf Rennen immer funktioniert hat. Das erlaubt es ihm, auch im zwölften Rennen mit vollem Vertrauen auf den Ski zu stehen.

Vertrauen und Mut zum Risiko. Es sind die Schlüsselwörter in der Suche nach Erklärungen. Vor einem Jahr an den Olympischen Winterspielen in Südkorea holte Feuz nach Bronze in der Abfahrt Silber im Super-G. Weil viele Faktoren stimmen. Die Reihenfolge der Rennen und der Mut zu attackieren. Beat Feuz ist ein Mann für die grossen Rennen. Im Weltcup sind das in der Regel die Abfahrten. Aber an Grossanlässen gibt es auch im Super-G Medaillen und plötzlich ist die Ausgangslage eine andere. Plötzlich fährt er im Super-G anders.

Fokus auf der Abfahrt

Das sind eigentlich gute Vorzeichen für das heutige WM-Rennen in Åre. Allerdings gibt es Einschränkungen. Feuz startet mit der Nummer eins und hat somit keine Vergleichsfahrten, was es nicht einfach macht, zu riskieren. Zudem findet das Highlight, die Abfahrt, erst am Samstag statt. Es müsste sehr vieles für ihn laufen, damit es klappt mit der Medaille. Und Feuz sagt selbst: «Der Fokus liegt auf der Abfahrt, da ist das Ziel eine Medaille. Das muss mein Anspruch sein als Titelverteidiger. Wenn ich sage, die Top 10 sind das Ziel, würde das niemand ernst nehmen.»