Skispringen
Kann Simon Ammann heute doch noch zum Sieg fliegen?

27,3 Punkte liegt Simon Ammann vor dem heutigen Abschluss der Vierschanzentournee in Bischofshofen hinter dem führenden Thomas Morgenstern zurück. Kann Ammann das aufholen? Im ersten Durchgang kommt es zum direkten Duell.

Simon Steiner, Bischofshofen
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Morgenstern gewinnt. Oder vielleicht doch nicht? Der Österreicher ist in Topform. Ammann hat nur ein Chance, wenn er zwei Bombensprünge hinlegt und der österreichische Überflieger abstürzt. Das ist dem Österreicher auch schon passiert und zwar mehrmals. Zuletzt Liberec im Jahr 2009 als er auf dem Hintern landete.

Die Statistik spricht für Morgenstern. In den bisherigen 58 Austragungen der Vierschanzentournee kam es nur sechsmal vor, dass der Leader nach drei Stationen im letzten Springen noch abgefangen wurde. Dreimal war es der vierfache Tourneesieger Jens Weissflog, der die Führung in Bischofshofen noch aus der Hand gab. 1989 und 1990 liess sich der damalige DDR-Athlet nach einem knappen Vorsprung noch von Risto Laakonen respektive Dieter Thoma überflügeln. 1994 verwandelte der Norweger Espen Bredesen einen Rückstand von 12,2 Punkten noch in einen Vorsprung von 8 Punkten auf den inzwischen für das vereinigte Deutschland startenden Weissflog.

Auch Ahonen hat Blatt gewendet

Der letzte, der in Bischofshofen aus der zweiten Position noch zum Gesamtsieg sprang, war Janne Ahonen. Der Finne, als fünffacher Tourneegewinner der Rekordhalter, wendete das Blatt 1999 nach einem minimalen Rückstand von 0,4 Punkten auf den Japaner Noriaki Kasai noch. 2006 machte Ahonen auf den Tschechen Jakub Janda zwei Punkte wett, womit es zum Patt mit zwei Siegern kam.

Die beiden letzten Fälle gehen auf die Frühzeit der Tournee (1958 und 1966) zurück. 1958 fing der Ostdeutsche Helmut Recknagel den Sowjetrussen Nikolaj Kamenski noch ab, obwohl in Bischofshofen in jenem Jahr nur auf der kleinen Schanze gesprungen werden konnte, weil der Schnee nicht für die Präparation der Grossschanze ausreichte. Sein Rückstand von 15,7 Punkten war der grösste, den ein Springer in Bischofshofen noch in einen Sieg umwandeln konnte.

Direktes Duell im ersten Durchgang

Die Chance, dass Simon Ammann die umgerechnet rund 15 Meter auf den auch im gestrigen Training souverän auftretenden Morgenstern noch gutmachen kann, ist verschwindend klein. Das weiss auch der Doppel-Olympiasieger, der alles dafür tut, eine etwaige Schwäche des Österreichers auszunutzen. «Ich werde voll angreifen», versprach Ammann.

Für besondere Brisanz sorgt heute der Umstand, dass die beiden Kontrahenten im K.-o.-Duell im ersten Durchgang direkt aufeinandertreffen. Ammanns Absicht, sich einen weit von Morgenstern entfernten Startplatz zu ergattern, um bei wechselndem Wind heute im Optimalfall von besseren Verhältnissen zu profitieren, ging nicht auf: Zu gut sprang Ammann gestern als Dritter in der Qualifikation.