In einer vergleichsweise kleinen Skifirma mit wenigen Topfahrern zu sein, habe den Vorteil, dass man sich selbst stark einbringen könne, so Murisier. Mit dem Italiener Riccardo Tonetti hat Völkl im Riesenslalom neben dem Walliser nur noch einen weiteren Top-30-Fahrer unter Vertrag. Etwas dahinter folgen noch Elia Zurbriggen und der Italiener Roberto Nani. "Alle vier sind wir wichtig für Völkl. Wahrscheinlich hört die Firma aber mir am besten zu, weil ich von uns am weitesten vorne klassiert bin", so Murisier, der die letzten zwei Saisons in den Top 15 der Disziplinen-Wertung beendet hat.

Parallel zur letzten Weltcup-Saison war der 25-Jährige deshalb intensiv am Testen der nun wieder stärker taillierten Riesenslalom-Ski, erstmals im Dezember 2016 in Alta Badia nach dem Rennen: "Seither wurden sechs weitere Prototypen entwickelt. Zu jedem gab es dann fünf, sechs Modelle. Danach ging es dann ans Herausfinden, welcher Ski bei welchen Schneebedingungen am besten geht." Wenn Murisier eine Änderung am Ski vorschlug, so wurde das sehr schnell umgesetzt. "Dafür habe ich nun schon sehr gute Ski zur Verfügung", glaubt er.

Sölden als Gradmesser

Geblieben ist allerdings auch eine gewisse Portion Unsicherheit, da ausser ihm eben nur wenige Fahrer in den Entwicklungsprozess involviert waren. Murisier spricht von "Fragezeichen", ob er auch mit den neuen Ski, deren Radius von 35 auf 30 Meter reduziert worden ist, kompetitiv sei. Trainingsvergleiche in der Vorbereitung sind jeweils nur sehr beschränkt aussagekräftig. Verständlich deshalb, dass Murisier seit einigen Wochen schon dem Gletscher-Prolog in Sölden entgegenfieberte: "Ich kann es wirklich kaum erwarten, in Sölden ins Ziel zu kommen und zu sehen, an welcher Stelle ich klassiert bin."

Zu wünschen ist Murisier, dass er am Sonntag seine grossen Anstrengungen der letzten Wochen und Monate mit einer Spitzenplatzierung belohnt sieht. "Sehr schön wäre, wenn ich in Sölden nach zwei Läufen da klassiert bin, wo ich mich vor einem Jahr nach dem ersten Lauf befand", hofft der Walliser. Beim letztjährigen Saisonauftakt in Tirol überraschte er am Morgen mit der drittbesten Zeit hinter den Topstars Alexis Pinturault und Marcel Hirscher. Im Finaldurchgang allerdings fiel Murisier noch um vier Positionen zurück. Die erste Weltcup-Podestplatzierung seiner Karriere verpasste er am Ende um drei Zehntel.

Fitter als vor Jahresfrist

Auch später in der Saison fehlten dem einst grossen Talent, dessen Durchbruch auf oberster Stufe durch zwei schwere Knieverletzungen stark verzögert wurde, nur Sekundenbruchteile. Dass diese im Olympia-Winter hoffentlich auf seiner Seite stehen, dafür hat Murisier im Sommer zusammen mit Florian Lorimier, dem ehemaligen Konditionstrainer von Didier Cuche, hart an der Physis gearbeitet.

"Vor einem Jahr musste ich in der Vorbereitung noch stark auf die Rehabilitation schauen. Nun bin ich aber seit fast zwei Jahren verletzungsfrei und konditionell deshalb deutlich weiter. Es kommt mir fast wie ein anderer Sport vor." Der Romand erhofft sich davon auch eine deutlich verbesserte Konstanz, um in den Rennen endlich "beide Läufe ohne Fehler ins Ziel zu bringen. Und bleibe ich auch noch vom Pech verschont, so wird es dieses Jahr mit dem Podest klappen."