Sandro Viletta
Jetzt hat auch der Kanton Aargau einen Ski-Olympiasieger

Sandro Viletta, Gewinner der Superkombination von Sotschi, blickt nach überstandenen Rückenproblemen optimistisch auf die Saison. Privat läufts rund: Die Liebe zieht ihn ins Unterland nach Althäusern.

Richard Hegglin
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Fremdgänger: Sandro Viletta beim Joggen im Aargau entlang der Reuss.

Fremdgänger: Sandro Viletta beim Joggen im Aargau entlang der Reuss.

Chris Iseli

Sandro Viletta wohnt zeitweise im 500-Seelen-Dörfchen Althäusern AG. Obwohl das meist mit Helm und Brille verdeckte Gesicht eines Skirennfahrers dort nicht jedermann bekannt ist, sagten sich doch viele Leute: Diesen flotten, jungen Mann kennen wir doch. Der Olympiasieger von Sotschi ist häufig anzutreffen, beispielsweise, wenn er mit Kollegen der Ringerstaffel ein kleines Fest feiert, an einer Gewerbeausstellung seinen Auftritt hat oder im idyllischen Gelände der Reuss entlang trainiert.

Offizieller Wohnsitz ist La Punt

Inzwischen ist es auch kein Geheimnis mehr, dass die Liebe Viletta immer wieder ins Unterland zieht. Seine Freundin wohnt in Althäusern. Weil selbst nicht alle Aargauer diesen Ort kennen, erklärt Viletta seine gelegentliche Bleibe im Unterland meist mit: «... in der Nähe von Bremgarten.» Und fügt zugleich an: «Meine Heimat bleibt das Engadin.» Sein offizieller Wohnsitz ist La Punt. Umsonst nennen ihn seine Kollegen ja nicht «Punto». Und umsonst hat seine Heimatgemeinde im Sommer ja nicht eine Strasse in «Via-Sandro-Viletta» umbenannt. «Das war», sagt Viletta, «eine sehr schöne Geste der Gemeinde.» Eine Geste mit bleibendem Wert, wie Vilettas Sieg im vergangenen Februar. Die Nachhaltigkeit einer olympischen Goldmedaille lässt sich mit nichts vergleichen. «Die Erinnerung daran kann einem niemand wegnehmen», versucht Viletta das Aussergewöhnliche dieses Erfolges zu erklären: «Für mich war auch der erste Weltcupsieg in Beaver Creek etwas Besonderes. Beides hat für mich grosse Bedeutung. Aber für die Öffentlichkeit hat ein Olympiasieg einen ungleich höheren Stellenwert: Er wird ganz anders wahrgenommen – und ich als Person dadurch auch.»

Viletta wird angesprochen, im Bündnerland ohnehin, aber seither auch im Unterland. Die Leute wollen sich mit ihm unterhalten, ihm gratulieren, ihre persönliche Geschichte erzählen, die sie mit seinem Olympiasieg verbinden. «Grundsätzlich», erklärt Viletta, «ist das ja sehr schön. Das sind Zeichen der Anerkennung. Aber manchmal, wenn ich wenig Zeit habe oder gestresst bin, kann es vorkommen, dass ich am liebsten weiterlaufen würde.»

Auch ein Olympiasieger kann nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Die Basis für den Winter wird im Sommer gelegt, trotz Stress und vielen Verpflichtungen. Von der Wolke sieben kam er schnell herunter: «Sotschi war eine unglaublich schöne Zeit, aber ich vergesse nicht, was vorher war, als ich jahrelang gesundheitliche Probleme hatte.» Die Rückenprobleme sind behoben. Viletta hat noch Nachholbedarf. Von Übersättigung nach seinem Olympiasieg keine Spur: «Meinem Rücken geht es wirklich gut. Ich kann wieder Umfänge trainieren, wie es früher nie möglich war. Ein Therapeut, für mich ein Glücksfall, hat die Dysbalance in den Griff gekriegt – das ist für mich fast so wichtig wie der Olympiasieg.»

Beste Vorbereitung zu Hause

Auf das Sommertraining in Südamerika hat er indes verzichtet, nicht wegen der Flugangst, die Viletta oft plagt, sondern aus rein rationalen Überlegungen: «Vor meinem ersten Weltcupsieg in Beaver Creek bin ich zu Hause geblieben und vor der Olympiasaison auch. Da sagte ich mir: Wozu Energie für eine lange Reise verschwenden, wenn ich dann am erfolgreichsten war, als ich zu Hause blieb.» So trainierte er in Zermatt und Saas-Fee mit den rekonvaleszenten Beat Feuz und Nils Mani.

Sein Ziel in diesem Winter sind die Super-G-Rennen, «die ich in den letzten zwei Saisons nicht so gefahren bin, wie ich könnte». Dazu bestreitet er die Abfahrten und natürlich die Superkombinationen, in der er Olympiasieger geworden ist. Von denen gibt es im Weltcup aber nur noch zwei sowie eine an der WM. «Auf den Slalom und meine Lieblingsdisziplin Riesenslalom werde ich wegen meiner schlechten Startnummern schweren Herzens verzichten. Da müsste ich wieder unten im Europacup anfangen.» Und das wäre für einen Olympiasieger eine Strafaufgabe.