In Wengen lag er ausgepowert am Boden und musste nach seinem 3. Rang in der Abfahrt beinahe aus dem Zielraum geführt werden. «Irgendwie habe ich mich ins Ziel gerettet», befand Carlo Janka. Im WM-Super-G in Garmisch verliessen ihn die Kräfte schon bei halber Distanz.

«Von dort an», schildert der letztjährige Überflieger, der vor einem Jahr an gleicher Stätte dank zwei Siegen die grosse Weltcup-Kugel erobert hatte, «war es nur noch ein Kampf gegen einen Ausfall. Es ging nur darum, auf den Ski zu bleiben.» Es grenzt schon an ein Wunder, dass der 24-jährige Bündner überhaupt ins Ziel kam und sogar noch Siebter wurde.

Die Siegesfahrt von Christian Innerhofer

Innerhofers Siegesfahrt

Aus dem Kampf um die Medaillen hatte er sich längst verabschiedet. «Auf dem Podest habe ich in dieser Verfassung nichts verloren. Ich überlege mir ernsthaft, ob ich die Abfahrt und die Superkombination auslassen und mich nur noch auf den Riesenslalom vom nächsten Freitag konzentrieren soll.»

Der geschwächte Körper

In dieser Saison hat Janka bereits zwei Time-outs genommen. Er verzichtete auf die Sylvester-Abfahrt in Bormio und kehrte danach mit neu geladenen Batterien in die Berner-Oberländer-Woche zurück. Doch schon in Kitzbühel war der Akku wieder leer. Nach der erneuten Pause in Chamonix wähnte er sich nach dem 3. und 4. Platz in Hinterstoder in WM-Form - ein Trugschluss.

Sein durch die rätselhaften Viruserkrankungen im Sommer 2009 und 2010 geschwächter Körper versagte erneut den Dienst. «Alles hätte sonst gepasst, das Material war kein Problem», erklärt Janka, «doch der Körper macht nicht mehr mit. Es ist eine Frage der fehlenden Kraft.»

Entscheidung vertagt

Die ruppige, anspruchsvolle Kandahar-Piste fordert den Athleten alles ab - so kann eine Abfahrt für Janka zu einem Sicherheitsrisiko werden: «Das Rennen beginnt noch weiter oben, ist also noch anstrengender. So macht das keinen Sinn mehr.» Sicher wird Janka heute noch am Abfahrtstraining teilnehmen und sich danach entscheiden.

«Wir haben die Lampe noch nicht auf rot gestellt», sagt Cheftrainer Martin Rufener. «Wir schauen von Tag zu Tag.» Die beiden haben sich im Anschluss an den Super-G über die Problematik unterhalten. «Wir werden», so Rufener, «seine Konditionswerte genau im Auge behalten. Letztlich muss er selber wissen, ob er fahren will oder nicht.»

Verständlicherweise lässt der Cheftrainer nicht gerne eines der besten Pferd im Stall stehen, zumal der WM-Auftakt gar nicht nach seinem Gusto verlief: «Ich rechnete mit einer Medaille, und diese haben wir nicht.» Vor der WM hatte Rufener einen Titel als Muss bezeichnet. Wieweit er noch mit Janka rechnen kann, werden die nächsten Tage zeigen.

Janka selbst ist von der neusten Entwicklung nur wenig überrascht. «Ich warte fast schon darauf, bis sich eine Reaktion einstellt», meinte er im Herbst, als er sein wichtiges Vorbereitungsprogramm aus gesundheitlichen Gründen auf 40 Prozent runterschrauben musste: «Ich weiss schon beinahe nicht mehr, wie es ist, richtig zu trainieren.»