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Janka: «Meine Form ist nahe am Maximum»

Der Vorjahressieger befürchtet für die Lauberhorn-Abfahrt wegen der hohen Temperaturen ein Roulette.

Richard Hegglin, Wengen
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Carlo Janka wartet im Schulhaus Wengen auf seinen Auftritt bei der Medienkonferenz vor den Lauberhornrennen. Peter Klaunzer/Keystone

Carlo Janka wartet im Schulhaus Wengen auf seinen Auftritt bei der Medienkonferenz vor den Lauberhornrennen. Peter Klaunzer/Keystone

Die Formkurve ist ansteigend, die Moral stimmt, und trotzdem schimmert beim Vorjahressieger Carlo Janka Skepsis durch: «Die Startnummer wird in der Abfahrt entscheidend sein». Aufgrund der hohen Temperaturen befürchtet er ein Roulette.

Wieder einmal wird die Auslosung vor der Lauberhorn-Abfahrt am Freitagabend fast so wichtig sein wie ein perfekter Sprung am Hundschopf. Da fünf bis sechs Plusgrade angesagt sind, werden die Fahrer mit Single-Nummern stark im Vorteil sein. In den 90er-Jahren gab es fast durchwegs Sieger mit tiefen Nummern, bevor zweimal der Modus geändert wurde und die Besten nun mit Nummern zwischen 16 und 22 starten.

Das Training deutete an, was am Samstag passieren kann. Als Christof Innerhofer am Dienstag die Nummer 1 trug, fuhr er überragende Bestzeit. Am Mittwoch im Abschlusstraining kassierte er mit der Nummer 25 anderthalb Sekunden Rückstand (10. Rang). Er gehört wie Ivica Kostelic, Ambrosi Hoffmann oder Tobias Grünenfelder zu jenen, die am Samstag sowohl eine Nummer von 1 bis 7 oder dann 23 bis 30 zugelost bekommen können.

Leistungsdruck wirkt motivierend

Carlo Janka bot insbesondere im zweiten Training eine gute Leistung (3. Platz), wies aber auf einzelnen Abschnitten erhebliche Schwankungen auf. Im Startsektor war er lediglich 45., und im Haneggschuss fuhren 22 schneller als er. «Vieles passte, aber einige Dinge muss ich noch ändern», zog er das Fazit aus der detaillierten Rennanalyse. Eigentlich brauchte er diese Daten gar nicht: «Meistens stimmt das Gefühl mit den Zahlen überein.» Ein Weltklassemann wie Janka fährt mit einer inneren Uhr, die selten trügt.

So kann Janka auch seine momentane Form gut einschätzen: «Ich bin nahe am Maximum. Doch fehlt noch der letzte Zwick.» Er meint damit jene mentale Komponente, die er offenbar nur abrufen kann, wenns wirklich um die Wurst geht: «Das setzt Aggressionen frei. Leistungsdruck wirkt bei mir motivierend. An ein WM-Rennen werde ich sicher noch etwas anders herangehen.»

So macht sich Janka wegen seines durchzogenen Saisonstarts mit nur einem Podestplatz (im Vorjahr zur gleichen Zeit drei Siege und sechs Podestplätze) keine Sorgen: «Das ist für mich keine Überraschung. Ich erwartete, dass es nicht so weitergeht wie in der letzten Saison.» Beinahe kriegt man den Eindruck, Janka sei es nicht unangenehm, dass der Fokus vorübergehend auf andere gerichtet ist.

Rekorde oder Bestmarken sind für ihn höchstens Nebeneffekte seines sportlichen Tuns: «Statistiken werde ich mir mal anschauen, wenn meine Karriere zu Ende ist.» Den Namen Fred Rubi, erster Schweizer Lauberhornsieger der Nachkriegszeit, hat er noch nie gehört. Seine Vorgänger kennt er ab der Generationen Collombin. Pitsch Müller? «Ihm bin ich noch nie begegnet.» Toni Bürgler? «Seinen Sohn Dario, den HCD-Eishockeyspieler, kenne ich besser.» Erst ab den Neunzigerjahren sind Janka (geb. 1986) die Lauberhorn-Champions geläufig.

Janka wie Miller und Klammer?

Trotzdem könnte er am Wochenende Geschichte schreiben. Erst zweimal haben im Weltcup Skirennfahrer ihren Sieg in der klassischen Lauberhorn-Abfahrt wiederholt: Franz Klammer 1976/77 und Bode Miller 2007/08. Und drei Schweizer Siege in Serie (dazu könnte es nach 2009 Défago/2010 Janka dieses Jahr kommen) hat es überhaupt noch nie gegeben.

Vorerst versucht Janka, seine Chance heute Freitag in der Kombination wahrzunehmen, wo er 2009 seinen zweiten von bisher acht Weltcupsiegen gefeiert und dank eines grossartigen Slaloms Peter Fill und Dani Albrecht auf die Plätze verwiesen hatte.

Die zurzeit eher weichen Pistenverhältnisse kämen ihm entgegen, findet Janka, der in Adelboden als Vorfahrer einen positiven Slalom-Test absolvierte: «Bis zur Einfahrt Steilhang habe ich nur acht Zehntel auf Ivica Kostelic verloren. Das haben wir am Video herausgestoppt. Die Schlusszeit habe ich leider nicht erhalten.» Bei der Zwischenzeit befand er sich sogar unter den Top Ten. Auf einen Schlag könnte sich Janka im Weltcup (zurzeit 229 Punkte Rückstand auf Kostelic) wieder ins Gespräch bringen.