Erst zwei Tage vor Ort und schon muss ich gewaltig aufpassen. Aufpassen, dass diese Kolumne nicht zu einer Art von Ahnengalerie verkommt. Ich gelobe Besserung, aber wer bitteschön kann bei Juha Mieto widerstehen?

Mieto, dieser finnische Zweimeterhüne, der in den Siebziger- und Achtzigerjahren auf Langlaufski durch die Winterwälder dieser Welt lief. Zu einer Zeit, als das 50-Kilometer-Rennen tatsächlich noch bedeutete, dass die Athleten nach dem Start für zweieinhalb Stunden auf der Loipe verschwanden und erst kurz vor dem Ziel wieder aus irgendeinem Tannenwald vor der Zuschauertribüne auftauchten. Als man sich noch zu Recht fragen durfte: «Wo ist Behle?»

Mieto suchte man selten. Er kam zumeist als einer der Schnellsten ins Ziel. Trotzdem oft als tragischer Held. Dreimal wurde er bei Grossanlässen Vierter, ebenso oft Zweiter. Unvergessen beim ursprünglichen Langlauf-Liebhaber das Duell mit dem Schweden Thomas Wassberg bei den Olympischen Spielen 1980 in Lake Placid über 15 Kilometer. Mieto finishte eine Hundertstelsekunde hinter seinem ewigen Rivalen. Und obwohl der Sieger damals plädierte, zwei Goldmedaillen zu vergeben, blieb das Internationale Olympische Komitee hart und verwies auf sein Regelwerk. Ein Regelwerk, das als Folge geändert wurde. Fortan sollten nur noch Zehntelsekunden und nicht mehr Hundertstel über Sieg oder Niederlage im Langlauf entscheiden.

Inzwischen steht Juha Mieto in seinem 70. Lebensjahr. Der imposante Bart blieb ihm als Erkennungsmerkmal erhalten. In Seefeld gehört der Finne zu den von den Organisatoren eingeladenen «Legenden». Eine Art Wachsfigurenkabinett der Langlauf-Geschichte. Gianni Infantino setzt bei der Fifa auf diese Legenden als Sympathieträger, der Skiverband steht den Fussballern in nichts nach. Bei den Alpinen in Åre kehrte Ingemar Stenmark auf die grosse Bühne zurück, bei den Nordischen eben Mieto. Vielleicht ist dieser populäre Griff in die Vergangenheit auch nur ein weiteres Indiz für die Überalterung des an traditionellen Sportarten interessierten Publikums.

Juha Mieto auf jeden Fall bleibt auch im fortgeschrittenen Alter ein Naturereignis. Er spricht zwar ausschliesslich finnisch, dies aber im wahrsten Sinne fliessend. Wer «Hallo» zu ihm sage, bekomme eine fünfminütige Antwort, verrät mir ein finnischer Journalist. Kein Wunder, verlässt Mieto die Bühne als Allerletzter. In zwei Jahren wird er sie wieder betreten, falls nichts dazwischenkommt.