Ski Alpin
Iceman Carlo Janka will trotz Rückenproblemen den Gesamtweltcup

Neue Saison, alte Probleme: Carlo Janka schlägt sich mit gesundheitlichen Schwierigkeiten herum. Nachdem das Herz nach einem chirurgischen Eingriff wieder normal funktioniert, macht ihm seit ihm seit einigen Wochen der Rücken zu schaffen.

Richard Hegglin
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Carlo Janka startet morgen in Lake Louise zuer ersten Saison-Abfahrt. (Archiv)

Carlo Janka startet morgen in Lake Louise zuer ersten Saison-Abfahrt. (Archiv)

Keystone

Damit befindet er sich in guter Gesellschaft. Rückenbeschwerden sind der tägliche Begleiter der meisten Skirennfahrer. Sylviane Berthod musste einst deswegen ihre Karriere beendeten, Marc Berthod hauste im Wohnwagen, Sandro Viletta verzichtet auf die Slaloms, auch Silvan Zurbriggen und Didier Cuche werden immer wieder von Rückenschmerzen geplagt – Janka ist einer von vielen. Das ist kein Trost. Teamarzt Dr. Spring und der Physiotherapeut Thomas Tritschler, die zusammen ein Buch über Stretching und dynamische Kräftigung geschrieben haben, nehmen sich in Kanada Jankas Problemen vor Ort an, dass wenigstens ein Einsatz möglich sein sollte.

Traum-Debüt mit der Nummer 65

Denn in Lake Louise ist die Karriere des Obersaxers einst so richtig lanciert worden. Mit der Startnummer 65 stellte er 2008 in der Abfahrt die Rangliste auf den Kopf und wurde hinter Peter Fill Zweiter. Den Sensationssieg verpasste er nur um acht Hundertstel.

Diesen Rückstand hatte er am Start eingehandelt. Deswegen versuchte er beim nächsten Rennen in Val d’Isère, sich besonders schnell vom Start wegzukatapultieren. Prompt gewann er jenen Riesenslalom, doch unterstellten ihm die Österreicher einen «Schiebestart». Die Jury sprach ihn aber frei, das Phänomen Janka war geboren. Und auch die Legende von seiner aussergewöhnlichen Coolness. Die Diskussionen über die mögliche Disqualifikation liessen ihn dermassen kalt, dass einige sogar spekulierten, sie wäre ihm Wurst gewesen.

Ein paar Wochen später wurde er, am gleichen Ort, Weltmeister. Seine temperamentvolle Schwester Fabienne, ebenfalls Skirennfahrerin, verstand die Welt nicht mehr: «Jetzt wird er Weltmeister und zeigt keine Reaktion. Ich hätte ihn schütteln können!» Stark verändert hat er sich nicht, auch nach zehn weiteren Siegen. «Ich bin, wie ich bin», pflegt er zu sagen. Oder wie vor seiner Herzoperation: «Dann machen wir sie halt, gemacht ist gemacht.» Der Iceman pur. Deshalb lässt er sich auch von seinen Rückenproblemen nicht erschüttern.

Die Probleme mit dem Herzen und dem Virus hat er längst abgehakt. Die Ziele bleiben unverändert: «Ich hoffe, wieder um den Gesamtweltcup mitmischen zu können. Und bei weiteren Kugeln würde ich sicher nicht Nein sagen. Dazu bilden auch die Schweizer Rennen einen Schwerpunkt.»

Fit sein – was ist das?

Wer erinnert sich noch, welchen Schlussrang Janka im Gesamtweltcup 2010/11 belegte? Nach einer scheinbar missglückten Saison? Er war Dritter! Nach einem Winter, von dem er sagte: «Ich weiss schon gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, fit zu sein.» Es reicht schon, wenn er mal halbwegs fit ist.

Carlo Janka ist neben Didier Cuche nicht nur der Co-Leader des Schweizer Teams, sondern auch die Nummer 1 seines Markenteams Atomic, in dem er einst einer von vielen war. Inzwischen haben Aksel Lund Svindal, Daniel Albrecht, Marc Berthod, Felix Neureuther und auch Lara Gut die Altenmarkter Traditionsfirma verlassen, Michael Walchhofer ist zurückgetreten, Benjamin Raich und Mario Scheiber sind rekonvaleszent – Janka ist die Gallionsfigur der erfolgreichsten Skimarke der letzten Jahrzehnte.

«In den letzten 15 Jahren stellten wir 13 Mal den Gesamtsieger», sagt Rennsportchef Rudi Huber. Das verpflichtet. Janka fährt, seit er 13-jährig ist, immer nur auf diesen Ski und nimmt seine 12. Saison in Angriff.

Solche Firmentreue ist aussergewöhnlich. Bode Miller pflegte seine Ski zu wechseln fast wie sein Hemd. Alle zwei Jahre stieg er um. «Janka geniesst wie jeder Superstar bei uns eine gewisse Sonderstellung», erklärt Huber Jankas Status. Der Bündner steht für Solidität, Zuverlässigkeit, Harmonie, Bodenständigkeit – halt doch ein typischer Schweizer.