Äusserlich war Simon Ammann beim ersten Auftritt an den nordischen Ski-Weltmeisterschaften vom fürchterlichen Sturz am 6. Januar in Bischofshofen nichts mehr anzumerken.

Der 33-Jährige wirkte anlässlich der Medienkonferenz vor dem ersten Einsatz, die in einem Hörsaal einer Hochschule unweit der Lugnet-Sprungschanzen durchgeführt wurde, entspannt und fokussiert.

Zu Beginn war der vierfache Olympiasieger gar wie gewohnt zu Spässen aufgelegt und meinte, er freue sich, dass sich die Zuhörer nicht in die hintersten Bankreihen des Vorlesungssaals verkrochen hätten.

Sturz ist ein Tabuthema

Als Ammann jedoch zu seinem Sturz und der nachfolgenden Rehabilitationsphase befragt wurde, verfinsterte sich seine Miene. Er bat ausdrücklich darum, nicht auf die vergangenen sechs Wochen angesprochen zu werden.

«Es ist anstrengend, über alles Auskunft zu geben.» Der eingeschlagene Weg müsse nun exakt weiterverfolgt werden, er wolle zum jetzigen Zeitpunkt bewusst nicht zurückschauen.

«Mein Fokus muss jetzt auf der Aufgabe hier in Falun liegen. Der Zeitplan bis Samstag ist eng», sagte Ammann, der das Sprungtraining nach der erlittenen schweren Hirnerschütterung erst Anfang Februar wieder aufnehmen konnte.

In zwei Tagen findet auf der kleineren Schanze der erste Einzel-Wettkampf an diesen Weltmeisterschaften statt. Auf eine Zielformulierung verzichtete Ammann. Er stehe aber sicherlich unter keinerlei Druck.

«Ich bin nicht hier, um nach Wundern zu suchen.» Derweil die Absprünge und die Flugphase in den Trainings in Oberstdorf (De) ermutigend gewesen sind, kämpft Ammann vor dem WM-Start mit Problemen beim Telemark. Der Toggenburger nahm diesbezüglich eine gewichtige Änderung vor, indem er nicht mehr den linken, sondern den rechten Fuss bei der Landung nach vorne stellt.

Landung immer wieder geübt

Die Landung mit seinem Standbein hatte Ammann bereits im Sommertraining geübt, in diesem Weltcup-Winter bevorzugte er aber bis zu seinem schweren Sturz am Dreikönigstag weiterhin die «eingespielte» Variante mit dem linken Fuss.

Bei dieser Form der Landung, die für einen Springer mit rechtem Standbein eher ungewöhnlich ist, sei die Gefahr eines Einknickens (und damit eines Sturzes) natürlich grösser, erklärte der Schweizer Trainer Martin Künzle. Diese leidvolle Erfahrung musste Ammann zuletzt nicht nur in Bischofshofen, sondern auch zu Beginn der Vierschanzentournee in Oberstdorf machen.

Ammann erklärte am Tag nach seiner Ankunft in Falun, dass er jeden Tag und jede Minute ausnützen musste, um hier sein zu können. «Das war eine grosse Herausforderung.» Sein Plan sei vorerst bis zum ersten Springen am Samstag ausgelegt. «Aber wenn ich mich nicht gut fühle, werde ich es nicht durchziehen. Dann werde ich auf die Bremse treten und zuschauen.»

Zusammen mit seinen Teamkollegen Gregor Deschwanden, Killian Peier und Luca Egloff wird Ammann am Donnerstagmittag das erste Training auf der Normalschanze absolvieren. Verläuft dieses nach Plan und wird es nicht vom Wind beeinträchtigt, wird der Schweizer Teamleader auf die zweite Trainingseinheit am Abend höchstwahrscheinlich verzichten.