Ski alpin

Für Abfahrtsweltmeister Patrick Küng heisst es in den USA «back to the roots»

Patrick Küng konzentriert sich auf sich: «Wir Abfahrer haben einen Tunnelblick.»

Patrick Küng konzentriert sich auf sich: «Wir Abfahrer haben einen Tunnelblick.»

Patrick Küng wurde 2015 in Beaver Creek Abfahrtsweltmeister – nun ist der 33-Jährige nach einem harten Rückschlag zurück. Er ist gewillt 100% zu geben, seinen Traum zu leben und ganz vorne mit zu fahren.

Für ein paar Stunden war Patrick Küng raus aus dem Tunnel. Für eine kurze Zeit schaute er anders auf das, was er tut. Der Franzose David Poisson war in Kanada kurz vor dem Start in die Speed-Saison gestürzt und an den Verletzungen gestorben.

«Alles rückt in den Hintergrund», sagt Küng. «Das Training, die Schinderei, die Rennen.» Und er sagte sich: «Ich sollte meine Leben mehr geniessen.»

Skifahrer dürfen ihren Traum leben

Skifahrer reisen an schöne Orte. Sie sehen wunderbare Landschaften. Sie arbeiten dort, wo andere Ferien machen. Sie sind frei und ihre eigenen Chefs. Kurz gesagt: Skifahrer dürfen ihren Traum leben.

Doch das ist nur die eine Seite. «Wir Abfahrer haben einen Tunnelblick. Wir sind anders», sagt Küng. Eben doch Training, Schinderei, Rennen. «Natürlich sollten wir mehr geniessen. Doch das ist einfacher gesagt als getan.»

Patrick Küng ist gefangen im Kopf eines Abfahrers. «Man will Rennen gewinnen, und dafür braucht es die Einstellung, diesem Ziel alles unterzuordnen.

Mein Leben als Rennfahrer geht weiter. Der Skisport existiert weiter.» Der Genuss kann später kommen. Also rein in den nächsten Tunnel.

Die Logik der ungeraden Jahre

Patrick Küng war schneller zurück als 2002. Damals war sein Freund Werner Elmer in einem FIS-Rennen tödlich verunglückt. Zum Zeitpunkt des Unfalls machte sich Küng am Start bereit für seinen Einsatz.

«Ich wusste nach Davids Tod, wie man sich fühlt. Ich wusste, wie ich damit umgehen kann.» Die Frage, ob das Leben im Tunnel das richtige ist, war schnell beantwortet. Das Ja fiel deutlich aus.

Back to the roots

Patrick Küng ist zurück in Beaver Creek, wo er 2015 Abfahrtsweltmeister wurde. Auf der Piste «Birds of Prey» finden am Freitag ein Super-G und am Samstag eine Abfahrt statt. 2013 gewann Küng hier sein erstes von bisher zwei Weltcuprennen.

2015 triumphierte er in der WM-Abfahrt. Der Logik der ungeraden Jahre entsprechend, müsste am Wochenende also wieder ein Sieg folgen.

Patrick Küng lacht. «Ich mag die Strecke. Das stimmt.» Eine Prognose gibt es von ihm aber nicht. Seit dem Weltmeistertitel stand er im Weltcup nie mehr auf dem Podest.

Die Saison 2015/16 musste er vor den Rennen in Wengen, wo er 2014 die Abfahrt gewann, mit Problemen an der Patellasehne im linken Knie abbrechen.

Schwierige Saison

Die vergangene Saison verlief harzig. Nur in Val d’Isère fuhr er in die Top Ten (Rang sieben). Seinen besten Auftritt hatte er an der WM in St. Moritz. Küng verpasste als Vierter das Abfahrts-Podest um zwei Hundertstelsekunden. «Das ist abgehakt», sagt er. Im Tunnel ist das Wenden verboten.

Küng schaut lieber nach vorne. «Ich bin beschwerdefrei. Überhaupt kann man nicht immer alles auf äussere Umstände abwälzen. Der eigene Kopf muss bereit sein», sagt er.

Das heisst, der Rennfahrer Küng muss bereit sein, Risiken einzugehen, auch wenn gerade erst etwas Schlimmes passiert ist.

Vorne mitdabei

«Mein Selbstvertrauen stimmt. Ich fühle mich bereit, mehr als 100 Prozent zu geben.» Das brauche es, um Rennen zu gewinnen, ist er sich sicher. «Ich will vorne mitfahren – nicht hinterhertorkeln.»

Bleibt die Frage, ob auch Patrick Küngs Material bereit ist für mehr als 100 Prozent. In der vergangenen Saison hatte er oft Probleme mit der Abstimmung. Es ging so weit, dass er seine Ski nicht mehr gespürt hat.

Der Tunnelblick

«Wenn ich nicht der Chef meiner Ski bin, wird es sehr schwierig, bei Tempo 120 zu attackieren. Wenn ich mit dem Material spielen kann, bin ich schnell.»

Bei 120 km/h verschwimmt die Vergangenheit. Der Tunnelblick setzt ein. Patrick Küng gibt weiter Vollgas.

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