Ski alpin
Fernando Schmed lebt den Traum seines verstorbenen Bruders

Im Juni 2008 musste Fernando Schmed miterleben, wie sein Bruder Ursin in einem Nachwuchstrainingslager ums Leben kam. Am Samstag gibt er in Bormio sein Debüt im Weltcup.

Martin Probst
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Fernando Schmed geht am Samstag in Bormio an den Start.

Fernando Schmed geht am Samstag in Bormio an den Start.

Sie hatten einen gemeinsamen Traum, Fernando und sein eineinhalb Jahre älterer Bruder Ursin. Im Juni 2008 waren sie im Trainingslager des Nationalen Leistungszentrums von Swiss-Ski. In Österreich feilten sie fleissig an ihrer Skikarriere. Gemeinsam wollten sie einst die Skiwelt erobern. Das hatten sich die beiden fest vorgenommen.

Doch das Schicksal nahm einen verheerenden Lauf. Ursin, der damals 18 Jahre alt war, kam abseits der Piste in ein Schneebrett und wurde verschüttet. Wenige Stunden später erlag er seinen Verletzungen. Fernando und die Trainingskollegen mussten psychologisch betreut werden. Der Traum hatte sich in einen Albtraum verwandelt.

«Ein Schutzengel begleitet mich»

Heute, fast 3,5 Jahre nach der Tragödie, hat es Fernando geschafft. Am Samstag gibt er in der Weltcup-Abfahrt von Bormio sein Debüt im Weltcup. Über die tragischen Stunden von 2008 will er nicht mehr sprechen. Er sagt nur: «Seit diesem Tag begleitet mich ein Schutzengel.»

Der 21-Jährige ist stolz, in Bormio die Abfahrt zu bestreiten. Bisher war er nur im Europacup engagiert – mit eher geringem Erfolg. Ein erstes Ausrufezeichen setzte Fernando Schmed im letzten Jahr an den Schweizer Meisterschaften. In der Abfahrt wurde er Zweiter. «Mit diesem Resultat habe ich mich für den Weltcup empfohlen», sagt er.

Dass der Schritt vom Europacup in den Weltcup aber ein grosser ist, hat Fernando Schmed in Bormio schnell erkannt. Umso zufriedener war er mit seinen Resultaten in den Trainings. Am Donnerstag wurde er 37., am Freitag reichte es noch für Rang 49. «Vor allem meine Leistung im ersten Training war super», sagt er zufrieden. Zum Vergleich: Als Didier Cuche 1993 in Bormio seine erste Weltcupabfahrt bestritt, wurde er Zweitletzter. «Mich mit ihm zu vergleichen, wäre vermessen», sagt Fernando.

Der Einsatz in Bormio wird vorläufig der Einzige im Weltcup bleiben. Vorerst liegt der Fokus auf dem Europacup. Dort schleift der Sarganser weiter an seiner Technik, um dereinst den Traum seines Bruders zu leben: Im Weltcup für Furore zu sorgen.