Zürich
Favorit auf Gold: Colognas Machtdemonstration vor Olympia

Dario Cologna gewann in Seefeld den letzten Wettkampf vor den Olympischen Winterspielen und nimmt die Reise nach Südkorea mit sehr viel Selbstvertrauen in Angriff. Drei Wochen nach dem Tour-de-Ski-Triumph setzte er sich beim Massenstartrennen über 15 km Skating durch.

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Vor Olympia in Topform: Dario Cologna.

Vor Olympia in Topform: Dario Cologna.

KEYSTONE/AP ANSA/ANDREA SOLERO

Wenn es noch eines weiteren Beweises bedurft hätte, dass Dario Cologna im kommenden Monat bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang zu den absoluten Favoriten auf Gold zählt, dann lieferte der Münstertaler diesen am Sonntag in Tirol auf überaus eindrückliche Weise.

Nach einem unwiderstehlichen Antritt beim letzten Anstieg verwies Cologna den Kanadier Alex Harvey, den Weltmeister über 50 km, und den Norweger Martin Johnsrud Sundby auf die weiteren Podestplätze. Der Schweizer Teamleader feierte innerhalb eines Monats seinen vierten Saisonsieg und den 25. Erfolg auf Weltcup-Stufe insgesamt.

Beim Distanzrennen am nächstjährigen WM-Ort Seefeld präsentierte sich Cologna wie zuletzt an der Tour de Ski in bestechender Verfassung. Der dreimalige Olympiasieger kontrollierte das Rennen stets und lief einmal mehr taktisch überaus clever. Als es Bonuspunkte zu gewinnen gab, zeigte er sich vorne, ansonsten hielt er sich gekonnt etwas zurück.

Erinnerungen an Sotschi

Erwartungsgemäss fiel die Entscheidung schliesslich beim letzten Anstieg. Cologna ging dabei nach eigener Aussage "all in" und liess der arrivierten Konkurrenz keine Chance. Es war eine Machtdemonstration, wie der Schweizer das Tempo entscheidend zu erhöhen vermochte. Unweigerlich kamen deshalb Erinnerungen an Colognas Auftritte vor vier Jahren an den Olympischen Spielen in Sotschi auf, als er im Skiathlon - ebenfalls beim letzten happigen Anstieg - die Entscheidung zu seinen Gunsten herbeigeführt hatte.

Der Münstertaler wertete seinen Auftritt in Seefeld im Hinblick auf das bevorstehende Saison-Highlight selbstredend als "gutes Zeichen". Er hat nun auch auf dem Papier die Gewissheit, dass er nach dem souveränen und zunächst nicht erwarteten Sieg bei der Tour de Ski die starke Form konservieren konnte. Während seiner dreiwöchigen Weltcup-Pause absolvierte der 31-Jährige zuhause in Davos sehr gute Trainingseinheiten.

Er habe sich zu Beginn des Rennens etwas müde gefühlt, sagte Cologna nach seinem Sieg, den er auf den letzten Metern aufgrund der aufgerissenen Lücke zu den Verfolgern bereits etwas auskosten konnte. "Ich bin es nicht gewohnt, bei einem Sprint so lange in der Entscheidung dabei zu sein." Cologna sprach damit seine Halbfinal-Qualifikation vom Samstag an, als bereits deutlich geworden war, dass er in den vergangenen Wochen auch betreffend Endschnelligkeit grosse Fortschritte erzielt hat.

Erneut kein Vergleich mit Klaebo

In der Weltcup-Gesamtwertung reduzierte Cologna den Rückstand auf den Leader Johannes Hösflot Klaebo, der am Sonntag nach seinem Sieg im Sprint tags zuvor auf einen Start verzichtet hatte, bei noch acht ausstehenden Rennen um 120 Punkte auf noch 159 Zähler. Der Bündner und der erst 21-jährige Norweger werden als die grossen Favoriten zu den Winterspielen nach Pyeongchang reisen. Einen Direktvergleich zwischen den derzeit besten Langläufern hatte es in einem Distanzrennen im Weltcup zuletzt vor anderthalb Monaten gegeben.

Neben Cologna, der in Pyeongchang abgesehen vom Klassisch-Sprint das komplette Programm zu absolvieren gedenkt, gewann mit Jonas Baumann (25.) ein weiterer Swiss-Ski-Starter Weltcup-Punkte. Candide Pralong (34.) und Toni Livers (51.) gingen dagegen leer aus. Roman Furger verzichtete wegen Rückenproblemen auf einen Start. (sda)