Für den Schweizer Wintersport-Liebhaber, der vor dem TV den Schweizer Startern die Daumen drückt, ist der bisherige Winter meist ein Graus. Ob Défago, Janka oder Ammann. Nullnummern überall. Dabei gibt es sie, die erfolgreichen Schweizer Wintersportler.

Beispielsweise im Skicross. Sieben Podestplätze in sechs Rennen, davon fünf Siege. So liest sich heuer die eindrückliche Bilanz der helvetischen Starter. Davon können die anderen Abteilungen von Swiss Ski nur träumen. Besonders die erst 20-jährige Fanny Smith hat sich mit drei Siegen in ebenso vielen Rennen zur grossen Dominatorin ihres Sports gemausert. Und dies, nachdem sie fast den gesamten letzten Winter verletzt ausgefallen war.

Den Aussenstehenden verblüfft ein solches Comeback. Nicht aber die junge Athletin. «Ich habe ein wenig damit gerechnet», sagt sie. «Ich hatte eine grossartige Vorbereitung im Sommer und habe hart trainiert. Ich wusste, dass ich nicht zurückkommen will, um mich mit zehnten Plätzen zu begnügen.» Ganz schön kecke Worte also, von einer, welche zuvor erst ein Weltcuprennen gewonnen hatte. Der Erfolg gibt ihr jedoch Recht. Fährt Smith so weiter, ist der Weltcup-Gesamtsieg nur noch Formsache und Zwischenstation auf dem Weg zu ihrem grossen Ziel, den Olympischen Spielen in Sotschi im Jahr 2014.

Unkonventionell und unbeschwert

Auf dem Weg dorthin nimmt die blonde Frohnatur vieles in Kauf – sogar Schmerzen. Ohne die kann Smith nämlich seit ihrer schweren Knieverletzung nicht mehr Ski fahren. Doch die Erfolge sind Entschädigung genug, zumal ihr das Skifahren trotzdem viel Spass bereitet. «Ohne den geht es nicht», sagt Smith, die im Training unkonventionelle Einheiten einbaut, die auf den ersten Blick nichts mit Skicross zu tun haben. So trainierte sie beispielsweise mit viel Freude tagelang in der Halfpipe. «Die anderen Fahrerinnen haben mich gefragt, warum ich das mache und den Kopf geschüttelt. Doch jetzt kommt mir das im Rennen bei den Sprüngen und Hügeln zugute», erzählt Smith, um mit einem verschmitzten Lächeln anzufügen: «Jetzt machen es die anderen auch.»

Fanny Smith an den X Games

Fanny Smith in Aktion

Auch dass ihr Trainer Guillaume Nantermod nicht aus dem Ski-Umfeld kommt, sondern ein ehemaliger Weltklasse-Snowboarder ist, kann man als ungewöhnlich bezeichnen. Aber auch diese Wahl hat Gründe. In der ihr eigenen, selbstbewussten, aber keinesfalls arroganten Art – ganz ähnlich der ihres grossen Vorbildes Roger Federer – meint Fanny Smith dazu: «Guillaume kann mir Ski-technisch nicht viel helfen. Aber da bin ich sowieso gut. Er kann mir dafür sehr viel Taktisches beibringen. Beispielsweise bei der Linienwahl. Da sieht er andere Dinge und hat neue Ideen, was man noch ausprobieren könnte.»

Botschafterin des Skicross

Fanny Smith weiss also ganz genau, was sie will und was Sie braucht. Sie, die als Juniorin wie viele ihrer Skicross-Kollegen Alpin-Skifahrerin war, sieht sich als Botschafterin ihres Sports. «Es ist eines meiner grössten Ziele, Skicross populärer zu machen.» Auftritte wie derjenige am letzten Sonntag bei Bernhard Thurnheer im «Sportpanorama» helfen dabei. Smith kam mit ihrer frischen, fröhlichen Art ausgesprochen sympathisch rüber. Sie sagt, sie habe viele positive Reaktionen erhalten und den Auftritt sehr genossen. Die im Welschland aufgewachsene Tochter eines Amerikaners und einer Engländerin trifft in der Deutschschweiz auf viel Sympathie. «Mein Deutsch möchte ich unbedingt verbessern», sagt Smith bereits ziemlich akzentfrei. Auch hier packt sie der Ehrgeiz.

Im TV noch nicht präsent

Fanny Smith könnte jene charismatische Figur sein, die der Skicross-Sport braucht, um aus dem Schatten der Alpinen zu treten. Das Potenzial dazu hätte Skicross allemal, findet Smith. «Es ist schnell, attraktiv und voller Zweikämpfe», sagt sie, die den Sport deshalb spannend und ausgesprochen zuschauerfreundlich findet. Dazu kommen die Erfolge der Schweizer. Eigentlich wäre ein Sport unter solchen Voraussetzungen prädestiniert für TV-Übertragungen, doch bisher fanden beim Schweizer Fernsehen noch keine Bestrebungen in diese Richtung statt. Allerdings ist dies wohl lediglich eine Frage der Zeit. Denn das Schweizer TV-Publikum lechzt nach Schweizer Erfolgen. Und die gibt es derzeit nur im Skicross.