Ski alpin
Ex-Skistar Andreas Schifferer will alpinen Sport auf neue Beine stellen

«Die Horror-Unfälle geben zu denken»: Das sagt der ehemalige österreichische Skistar Andreas Schifferer. Er fordert nun nach Saisonende ein radikales Umdenken auf allen Ebenen, sonst werde bald die gesamte Elite Krankenstationen und Rehas füllen.

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Ex-Profi Andreas Schifferer fordert ein Umdenken

Ex-Profi Andreas Schifferer fordert ein Umdenken

Keystone

Die Serie der fatalen Skiunfälle gibt auch dem Ex-Skistar Andreas Schifferer zu denken. Der Abfahrtsweltcupsieger von 1998 hat selbst einen dramatischen Unfall nur knapp überlebt. Im Jänner 1996 stürzte er auf der Streif in Kitzbühel so schwer, dass er auf der Piste reanimiert werden musste und mit einem schweren Schädelhirntrauma im Krankenkaus lag.

«Wir haben schon damals als junge, unter Erfolgsdruck stehende, Läufer das Risiko unterschätzt», so Schifferer nachdenklich. «Um das Motto höher, stärker, schneller, weiter zu erfüllen, müssen die Athleten einen immer höheren Preis bezahlen. So ist es kein Wunder, dass fast schon die gesamte Elite des alpinen Rennsports die Krankenstationen und Rehas füllt.»

Druck herausnehmen, Profistreben reduzieren

Aber was kann man tun? «Der Druck gehört herausgenommen, das Profitstreben reduziert und die Sicherheit massiv erhöht. Der alpine Skisport sollte wieder Momente des Genusses und nicht des Überlebens beinhalten. Man soll als Eltern seine Kinder wieder mit gutem Gewissen und Freude diesen schönen Sport in der Natur ausüben lassen können. Man weiss aus der Medienforschung, dass die Zuseher gar nicht so sehr mit diesen ausufernden Katastrophenmeldungen konfrontiert werden wollen und sich vom alpinen Skisport immer mehr abwenden. Damit geht aber letztlich auch die wirtschaftliche Grundlage verloren».

Obwohl einer der besten Abfahrer aller Zeiten, steht der Ex-Sportler heute dem Skizirkus und den nicht hinterfragten Darstellungen in den Medien also mit gemischten Gefühlen gegenüber. So kam der integre Athlet erst kürzlich in den zweifelhaften Genuss einer völlig überzogenen Berichterstattung, als er auf der Skipiste ein verwaistes Snowboard aufhob und bei einem Liftwart abgeben wollte. «Plötzlich stand ich völlig zu Unrecht als Krimineller in allen Medien, die aus Sensationsgier eine irrtümliche Nachricht zu einer Exklusivmeldung aufbauschten», sagt der 36-Jährige. «Was natürlich ein kompletter Unsinn war.» Dies zeigt aber sehr wohl auf, wie gross das Interesse an den Sportlern ist. Ein Medien-Interesse, das auch seine Schattenseiten hat."

Schifferer will nicht weiter schweigen

Schifferer selbst hat für sich schon lange entschieden nicht den Weg des angepassten Ja-Sagers zu beschreiten. Und damit aber auch ungewollt den Ruf als «schräger Vogel» verpasst bekommen. «Ich habe lange geschwiegen, bin aber der Meinung, dass jetzt ein radikales Umdenken auf allen Ebenen erforderlich ist, um den tollen Sport wieder in den Vordergrund zu rücken», betont Andreas Schifferer.