Ski alpin

Episoden für die Ewigkeit: Beat Feuz erzählt, was seit seinem ersten Lauberhorn-Sieg alles passiert ist

Beat Feuz fühlt sich wohl in seinem Körper und in Wengen.

Beat Feuz fühlt sich wohl in seinem Körper und in Wengen.

Seit seinem ersten Sieg am Lauberhorn ist im Leben von Beat Feuz vieles passiert: Schönes und Tragisches – ein Rückblick.

In Wengen scheint die Zeit still zu stehen. So manches Hotel erinnert noch heute an vergangene Zeiten. So manches ist, wie es immer war.

Bei Beat Feuz ist nichts mehr so wie 2012, als er die Abfahrt am Lauberhorn in Wengen zum ersten Mal gewann. Ein Rückblick in ein bewegtes Skifahrerleben:

Es ist nicht so, dass die Ski-Karriere von Feuz bis zu diesem Zeitpunkt «normal» verlaufen wäre. Schon damals hatte er zwei Saisons mit Knieverletzungen verpasst. Zwischen Dezember 2006, als er sein Debüt im Weltcup gab, und Oktober 2009 bestritt Feuz gerade einmal zwei Rennen.

Erstmals in die Top 10 stiess Feuz im Januar 2011 vor, den ersten Podestplatz und sogleich einen Sieg realisierte er im März 2011 in Kvitfjell. Bis zu seinem Abfahrts-Triumph am Lauberhorn stand Beat Feuz insgesamt sieben Mal auf dem Podest.

Mickrige 25 Punkte ist Marcel Hirscher am Ende der Saison besser als Feuz, der in der Saison 2011/12 13 Mal auf das Podest fährt, davon viermal als Sieger. Den Weltcupfinal in Schladming bestreitet er trotz starken Schmerzen im Knie.

Das Comeback nach zwei Eingriffen am Knie scheitert, weil sich das Gelenk entzündet. Feuz verpasst die ganze Saison und muss um die Fortsetzung seiner Karriere fürchten. Die Ärzte ziehen sogar eine Amputation in Betracht. Doch der Berner beweist einmal mehr seinen grossen Willen, zurückzukehren. Trotz Schmerzen.

Bereits im dritten Rennen nach seinem Comeback stösst Beat Feuz wieder in die Top 10 vor. Er wertet diesen Erfolg höher als fast alles in seiner bisherigen Karriere. Einzig den Sieg in der Abfahrt am Lauberhorn gewichtet Feuz noch höher.

Im gleichen Winter belegt Beat Feuz in Wengen in der Abfahrt Rang zwei. Im Februar 2015 an der WM in Beaver Creek gehören die grossen Schlagzeilen Patrick Küng, der Weltmeister in der Abfahrt wird. Doch auch Feuz überzeugt und gewinnt Bronze. Seine Freundin Katrin Triendl, die als gelernte Physiotherapeutin auch sein Knie behandelt, sagt im Ziel: «Jetzt kann man endgültig sagen, dass sich die ganze Quälerei gelohnt hat.»

Nachdem sich Beat Feuz im Sommer einen Teilabriss der Achillessehne zugezogen hatte, kehrt er bereits in Wengen in den Weltcup zurück – ohne zuvor auch nur einmal auf Abfahrtski gestanden zu sein. Rang elf wertet er dann auch als Sensation. Eine Woche später in Kitzbühel steht er bereits wieder auf dem Podest.

Nach dem Flug in die USA spürt Feuz seine rechte Gesichtshälfte nicht mehr. Die Lähmung, wohl zurückzuführen auf einen eingeklemmten Gesichtsnerv, behindert in fast zwei Wochen lang, wodurch er in Nordamerika keine Rennen bestreitet. Erst zurück in Europa startet er in die Saison. In Kitzbühel stürzt er in der Abfahrt mit deutlicher Bestzeit in der Zieltraverse, bleibt aber glücklicherweise unverletzt.

Der Druck ist riesig. Beat Feuz startet als Topfavorit zur WM-Abfahrt und gewinnt. Es ist die Krönung seines Weges. Fünf Jahre zuvor schon fast zum Sportinvaliden geworden, steht er nun ganz oben. In der folgenden Saison wird er endgültig zum besten Abfahrer der Gegenwart.

Natürlich, sein Knie wird nie mehr so sein wie vor dem folgenschweren Infekt 2012. Doch Beat Feuz hat sich arrangiert, er hat einen Weg gefunden, der ihm sogar wieder erlaubt, eine ganze Saison lang in der Abfahrt zu überzeugen, obwohl er jahrelang betonte: «Mein Knie lässt nicht mehr in jedem Rennen Topleistungen zu. Aber immer, wenn es wichtig ist.»

Beat Feuz blickt auf den erfolgreichsten Winter seit 2012 zurück. Achtmal steht er auf dem Weltcuppodest, davon dreimal als Sieger. Er gewinnt in Südkorea Bronze in der Abfahrt und Silber im Super-G und Ende Saison triumphiert er in der Disziplinenwertung der Abfahrt. Doch am meisten freut er sich auf die Geburt seiner Tochter Ende Juni.

Nun ist Feuz erneut zurück in Wengen. Am Samstag ist er der Topfavorit in der Abfahrt. Er ist bereit für eine nächste Episode für die Ewigkeit.

Das sagt Lauberhorn-König Feuz nach dem ersten Training

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