Auf Frau Holle sind die Wintersportler im Zeitalter der künstlichen Schneeproduktion nur noch bedingt angewiesen. Wo der Naturschnee fehlt, wird heute mit Schneekanonen nachgeholfen. Dennoch hingen die Langlauf-Weltcuprennen vom Wochenende in Davos an einem seidenen Faden. Die Temperaturen waren für die Herstellung von Kunstschnee schlicht zu warm. Nur dank eines Kraftaktes erster Güte schafften es die Organisatoren im Landwassertal, in extremis eine weltcuptaugliche Loipe zu präparieren. Und dank einer kalten Nacht.

Blindes Vertrauen

Als die Kontrolleure des Internationalen Skiverbandes (FIS) vor zwei Wochen für einen Augenschein nach Davos reisten, trafen sie im Start-und Zielgelände eine grüne Wiese an. Mit Ausnahme eines Abschnitts, der im Herbst mit übersommertem Schnee als Trainingsstrecke für die Schweizer Athleten hergerichtet worden war, fehlt die weisse Unterlage auf der Wettkampfloipe gänzlich.

Dennoch entschied die FIS gemeinsam mit dem Schweizer Verband und den Organisatoren, das Wagnis einzugehen. Dabei wurde entschieden, die beiden klassischen Distanzrennen – wenn überhaupt – statt wie geplant auf einer 7,5-km-Runde auf einer 5-km-Schlaufe auszutragen und zu kürzen (Männer: 15 statt 30 km, Frauen: 10 statt 15 km).

Kanonen auf dem Flüelapass

Weil die Temperaturen in Davos selber für die künstliche Beschneiung zu hoch waren, nahm das Team um den Infrastrukturverantwortlichen Norbert Gruber letzte Woche auf dem Flüelapass mit einem Notstromaggregat zwei Schneekanonen in Betrieb, mit denen nächtelang Flocken produziert wurden. In der Nacht auf Montag wurde der Schneeberg dann mit Lastwagen ins Tal gefahren, auf landwirtschaftliche Fahrzeuge umgeladen und auf der Strecke verteilt. Zudem kratzte man auf dem Flüelapass etwas Naturschnee zusammen.

Dies alles hätte nicht ausgereicht, wären die Temperaturen in der Nacht auf Mittwoch nicht auf die ersehnten –5 Grad gesunken. Das erlaubte es den Helfern, 12 Schneekanonen im Zielraum aus vollen Rohren schiessen zu lassen – und letztlich die insgesamt benötigten rund 10 000 m3 Schnee aufzutreiben. Im Minimum 20 cm hoch und vier Meter breit ist die Loipe im Flüelatal nun – fast wie geplant. Einzig die Schlusskurve um das Skilifthäuschen im Zielraum fiel den Umständen zum Opfer.

Belohnung für den Aufwand

Für OK-Chef Adriano Iseppi hat sich der Aufwand gelohnt. Dank des Einsatzes vieler freiwilliger Helfer konnten die Organisatoren nicht nur die Schmach vermeiden, nach 1994 zum zweiten Mal Rennen absagen zu müssen, sondern auch ein empfindliches finanzielles Defizit. Die FIS entschied gestern zudem, dass die Davoser am nächsten Wochenende auch die wegen Schneemangels abgesagten Weltcuprennen von La Clusaz (Fr) übernehmen können.

Hotellerie, TV-Produzentin SRG, Rechteinhaber und Vertragspartner zeigten sich kooperativ und der Veranstalter freut sich. «Unser Helferstab ist motiviert», sagt Iseppi. «Nun können wir den ganzen Aufwand wirklich mit gutem Gewissen vertreten.»