Langlauf

Ein Höhenflug der anderen Art: Petter Northug ist der grosse Abwesende bei der Tour de Ski

Der grosse norwegische Langlauf-Exzentriker Petter Northug hat es wieder mal übertrieben. Für einmal nicht mit provozierenden Jubelposen beim Zieleinlauf vor dem schwedischen Königspaar oder mit der Darstellung des sterbenden Schwans kurz vor einem seiner gefürchteten Angriffe. Diesmal scheint es ernst zu sein.

Der 13-fache Weltmeister wollte in dieser Saison eigentlich einen neuen Rekord aufstellen. Jenen der Anzahl Tage im Höhentrainingslager. Doch als Folge davon liegt er nun zu Hause auf dem Sofa, spielt Video-Games und wundert sich über seine seltsame Antriebslosigkeit, anstatt an der Tour de Ski um Siege mitzusprinten und sich mit harten Renneinsätzen auf die Weltmeisterschaft in Lahti vorzubereiten.

Schwitzen in Spanien

Viele Szene-Kenner gehen davon aus, dass sich der 31-Jährige beim Saisonhöhepunkt in gewohnt bärenstarker Form präsentieren wird und dass dies jetzt ganz einfach zum üblichen Vorgeplänkel gehört. Die neuste Folge der bekannten, aber nicht überall beliebten Petter-Northug-Show.

Petter Northug veräppelt als Verkäufer die Kunden

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Doch der persönliche Trainer Stig Rune Kveen zeichnet ein etwas anderes, düstereres Bild von der derzeitigen Verfassung seines Schützlings. «Seit vier Wochen kann Petter weder Rennen bestreiten noch intensive Trainings absolvieren. Das Einzige, was er derzeit macht, sind sehr kurze und sehr lockere Einheiten ohne jegliche Intensität», sagt Kveen.

Zu denken gibt ihm auch, dass Northug noch immer «keine Energie spürt und sich vollkommen ausgelaugt fühlt. Die Kraft ist total weg». Verschiedenste Bluttests haben keine Erklärung dafür geliefert.

Zu finden ist der Grund wohl in der Höhe. Die Vermutung liegt nah, dass es der Mann aus Trondheim mit seinen Trainingsaufenthalten in den Bergen schlicht übertrieben hat.

Bereits unmittelbar nach der letztjährigen Tour de Ski ging Northug für zwei Wochen nach Gran Canaria und trainierte dort auf den Rollski viele Höhenmeter. Im April folgte ein Aufenthalt mit Bruder Thomas in Teneriffa auf 2500 Metern Höhe.

Im Juni und Juli war der Norweger während iamt vier Wochen fürs Training auf dem Stilfserjoch und der Seismeralp. Ende August stand dann auch noch ein dreiwöchiges Camp in Livigno an. Im Oktober beendete ein ebenso langes Trainingslager in Italien die Saisonvorbereitung von Petter Northug.

Dort lebte er auf einer Höhe von 2000 Metern, trainierte am Morgen jeweils auf 2900 Metern auf dem Gletscher und am Nachmittag ganz unten im Tal. Auch das norwegische Nationalteam war dort, allerdings nicht im gleichen Hotel wie Northug. Dieser trainiert seit mehreren Jahren komplett ausserhalb der norwegischen Kaderstrukturen.

Sein Trainer Kveen glaubt, dass der Fehler im Anschluss geschah. «Weil er sich so stark fühlte, setzte er das Training nach seiner Rückkehr nach Trondheim ohne Pause fort», sagt Kveen. Mit dramatischen Folgen. Das nationale norwegische Testrennen eine Woche vor dem Weltcupstart beendete er auf Platz 74! Und beim einzigen internationalen Einsatz in Lillehammer über
10 km wurde Northug 51.

Auch wenn es niemand laut sagen will. Die Zeit für die Vorbereitung auf die WM in Lahti ab dem 22. Februar wird knapp. Erst recht, weil bei Petter Northug eigentlich in Bälde ein intensives Trainingslager auf dem Plan steht. In 2000 Metern Höhe...

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