Ski nordisch/WM 2011

Ein Abschied über dem Nebelmeer

Andreas Küttel oben auf dem Balken.

Andreas Küttel oben auf dem Balken.

Für Andreas Küttel schloss sich an den Weltmeisterschaften in Oslo ein Kreis. Sein Vater Werner gab ihm die Spur zum letzten Sprung frei.

"Es war ein erhabenes Gefühl", sagte Andreas Küttel. "Ich sah das Nebelmeer über Oslo, das sind schon intensive Gefühle". Der Puls oben auf dem Balken habe höher geschlagen als sonst. "Ich wollte nochmals angreifen, etwas riskieren. Doch schon im Flug spürte ich, dass dies mein letzter Sprung sein wird." Aus der resultatsbezogenen Optik bleib dem 32-Jährigen ein würdiger Abschluss verwehrt. Er verpasste nach der Landung bei 112 m als 43. wie bereits in seinen sämtlichen Weltcupspringen dieses Winters den Finaldurchgang.

Vater Werner war am Donnerstag zusammen mit seiner Familie und einem Grüppchen Fans -- unter ihnen mit Bezirksammann Beat Bissig auch der höchste Einsiedler -- zur Abschiedsvorstellung seines Sohnes angereist. "Ich mag mich noch gut erinnern, wie ich Andreas als siebenjährigen Burschen bei seinem ersten Springen in Einsiedeln abgewunken habe", erzählte Werner Küttel. "Als er dann über 100 m sprang, habe ich ihn in professionelle Hände übergeben. Aber hier konnte ich ja nicht viel falsch machen", meinte er schmunzelnd. Er sei von Berni Schödler und Martin Künzle gebeten worden, mit dem Schweizer Fähnchen, auf dem "Danke Andreas" stand, seinen Sohn abzuwinken. Küttel trug bei seinem letzten Flug Pulswärmer mit dem Superman-Signet.

Andreas Küttel wurde unten im Auslauf von seiner Frau Dorota und Mutter Marlen empfangen. Viel gesprochen wurde nicht. "Er braucht jetzt etwas Zeit für sich", sagte seine Mutter. Der Weltmeister von 2009 setzte sich zum Schuhwechsel kurz auf eine Bank und trat wenig später vor die Medien. Er wirkte gefasst, Tränen flossen keine. Die Zeit der Wehmut war noch nicht angebrochen. Sein Fokus lag immer noch auf dem Skispringen. Zusammen mit seiner Frau und den Eltern verfolgte er das Springen und war nach dem 1. Umgang überzeugt, dass es Simon Ammann aufs Podest schaffen kann. Küttel geniesst jetzt noch die Athmosphäre am Holmenkollen, bevor er am Sonntag die Heimreise antreten wird. "Das Skispringen hat mich geprägt. Ich bin stolz, dass ich diesen Sport ausüben durfte und etwas erreicht habe, was nur wenige schaffen."

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