Ski nordisch
Dieses Ehepaar macht den Schweizer Langläufern Beine

Das norwegische Ehepaar Guri und Tor Arne Hetland sind als Trainer für das Weltcupteam verantwortlich. Sie wollen dafür sorgen dafür, das Cologna und Co. und diese Saison an der Weltspitze mitlaufen.

Simon Steiner
Merken
Drucken
Teilen
Geniessen das Leben in der Schweiz: Tor Arne Hetland und seine Frau Guri.

Geniessen das Leben in der Schweiz: Tor Arne Hetland und seine Frau Guri.

Als Guri und Tor Arne Hetland im Sommer 2009 ihren Wohnsitz von Norwegen nach Davos verlegten, zeichnete sich noch nicht ab, dass ein gutes Jahr später beide für Swiss-Ski arbeiten würden. «Wir hatten schon lange gesagt, dass wir gern einmal in Mitteleuropa leben wollten», sagt Guri Hetland. Als ihr Mann Tor Arne nach den Weltmeisterschaften in Liberec seine glanzvolle Langlauf-Karriere verletzungsbedingt und zwei Jahre früher als geplant beenden musste, war der Moment gekommen. «Davos hatte uns beiden schon immer gefallen, und wir haben unsere Wahl noch keinen Moment bereut», sagt Guri. «Als begeisterte Alpin- und Telemarkfahrer und Berggänger kommen wir hier voll auf unsere Kosten.»

Eine erfahrene Frau

Im Moment widmen die Hetlands allerdings wieder einen grossen Teil ihrer Zeit dem Langlauf. Seit der Absetzung von Inge Bråten im Oktober ist Guri Cheftrainerin und Teammanagerin des Schweizer Weltcup-Teams. Daneben ist sie für die Distanzgruppe der Männer um Dario Cologna verantwortlich, wobei ihr der bisherige Coach Fredrik Aukland in einem beschränkten zeitlichen Umfang in beratender Funktion zur Seite steht. Auch wenn es für die frühere Weltcupläuferin das erste Trainer-Engagement auf dieser Stufe ist, scheint die 36-Jährige prädestiniert für diese Aufgabe. Neben einem Studienabschluss in Wirtschaft und Marketing verfügt sie auch über ein Diplom als Spitzensport-Trainerin.

Neben ihrem Engagement beim Schweizer Verband ist sie noch als selbstständige Wirtschaftsberaterin tätig und weilt regelmässig in Norwegen, wo sie und ihr Mann in Meråker bei Trondheim noch ein Haus besitzen. Zudem fungiert sie seit 2005 als Managerin ihrer Landsfrau Marit Björgen, die den Frauen-Langlauf derzeit nach Belieben dominiert, und betreut seit letztem Frühling das Engadin-Skimarathon-Team mit den vom Verband ausgemusterten Seraina Mischol, Seraina Boner und Ursina Badilatti.

Hetlands Trainingsphilosophie

Als Cheftrainerin ist Guri Hetland auch die Vorgesetzte ihres Gatten, der die Schweizer Sprinter betreut. Der erste Sprint-Weltmeister (2001) und -Olympiasieger (2002) der Geschichte, der als Allrounder unter anderem zweimal den Engadiner gewann, vollzog nach seinem unfreiwilligen Karrierenende einen fliegenden Wechsel vom Athleten zum Trainer. Vergangene Saison coachte er das deutsche Sprint-Team, bevor er im Frühling den Lockrufen von Swiss-Ski folgte. Mit den Deutschen, von welchen Hetland weiterhin zwei Läufern die Trainingspläne schreibt, besteht inzwischen eine lockere Kooperation.

Reizt es ihn nicht, sich selber noch mit der Weltspitze zu messen? «Mit meiner Aktivkarriere habe ich abgeschlossen», sagt er. «Ich könnte auch nicht mehr mithalten, das sehe ich im Training mit meinen Athleten deutlich.» Dennoch ist er froh, weiterhin im Langlaufbereich tätig sein zu
können. Seine Trainingsphilosophie ist so einfach wie anspruchsvoll: «Es braucht vor allem viel harte Arbeit.» Hetland spürt die Bereitschaft der Schweizer Läufer, diese Arbeit zu leisten: Für sie schlagen sich die Vorstellungen ihres Coachs in einer Steigerung von Trainingsumfang und -intensität nieder. «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis neben Dario Cologna noch weitere Schweizer im Sprint aufs Podest laufen können.»

Dass das Ehepaar, das in Davos im selben Block wohnt wie das Langläufer-Paar Toni Livers/Seraina Boner, nun auch beruflich miteinander zu tun hat, halten sie für unproblematisch. «Wir haben auch in anderen Projekten schon zusammengearbeitet», sagt Guri. Sie wüssten Beruf und Privatleben zu trennen. «Tor Arne hat mich ermuntert, als die Anfrage von Swiss-Ski kam.» Und dieser fügt an: «Meine Stärken liegen eher im langlauftechnischen Bereich, und Guri verfügt über Extra-Qualitäten im Organisatorischen.»

Als Cheftrainerin eine Exotin

Kein Thema war im Hause Hetland auch der Umstand, dass Guri als Frau für das Männerteam verantwortlich ist. «Das werde ich nur in der Schweiz gefragt», meint sie auf die Frage, ob diese Konstellation bei den Athleten auf Akzeptanz stosse. «Das Geschlecht ist für mich nicht entscheidend, sondern die Art und Weise, wie man arbeitet.» Dennoch gibt sie zu, dass sie eine aussergewöhnliche Rolle einnimmt. Als Cheftrainerin ist im Langlauf-Weltcup eine Exotin.

Zum Quartett der Distanzläufer hat Guri Hetland im Gegensatz zu ihrem kurzzeitigen Vorgänger Inge Bråten den Draht schnell gefunden. «Wir
haben eine gute Stimmung und sind wirklich ein Team», stellt sie fest und ist des Lobes voll für ihre Schützlinge. «Das sind sehr professionelle Athleten mit guten eigenen Ideen im Training.»