Ski Alpin
«Die zweitbeste Abfahrerin der Welt zu sein, ist ziemlich cool.»

Fabienne Suter fährt in der Abfahrt in St. Moritz als Zweite auf das Podest und beendet die Saison als zweitbeste Abfahrerin. Mit 31 Jahren hat sie die Lust am Skisport nochmals neu entdeckt.

Martin Probst
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Fabienne Suter blickt auf eine gelungene Saison zurück.

Fabienne Suter blickt auf eine gelungene Saison zurück.

Keystone

Etwas nervöser als gewohnt war Fabienne Suter am Morgen vor dem Rennen. «Ich wusste, dass ein Podestplatz im Abfahrtsweltcup möglich ist», erzählt sie. Früher hätte sie das vielleicht aus dem Konzept gebracht.

Doch Fabienne Suter ist anders in diesem Winter. Lockerer und vor allem selbstsicherer. Das hat Gründe, doch davon später.
Zuerst zurück zum Rennen. Obwohl der Schneefall bei ihrer Fahrt deutlich stärker war als bei den ersten Starterinnen, gelang Suter eine starke Fahrt. Die stärkste des Tages. Darauf angesprochen sagt sie: «Das ist ein schönes Kompliment.»

Fabienne Suter durfte am Mittwoch gleich zwei Mal aufs Podest steigen. Zuerst für ihren zweiten Rang bei der Abfahrt in St. Moritz...

Fabienne Suter durfte am Mittwoch gleich zwei Mal aufs Podest steigen. Zuerst für ihren zweiten Rang bei der Abfahrt in St. Moritz...

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Denn während sich die Fahrerinnen in ihrem Startbereich alle weit hinten klassierten, so auch Lara Gut, die nur Rang 13 belegte, blieb Suter nur 13 Hundertstelsekunden hinter Siegerin Mirjam Puchner, die bei ihrer Fahrt deutlich bessere Bedingungen hatte.
Mit Rang zwei konnte sich Suter im Abfahrtsweltcup auf Rang zwei verbessern. Hinter Lindsey Vonn. Die zurzeit verletzte Amerikanerin war nicht mehr einzuholen, zu gross war der Vorsprung von Vonn vor dem letzten Rennen. «Die zweitbeste Abfahrerin der Welt zu sein, ist aber auch ziemlich cool», sagt Suter. Besser war sie in einer Disziplinenwertung bisher noch nie klassiert.
Überhaupt ist die aktuelle Saison eine der besten in der Karriere von Suter. Fünfmal belegte sie Rang zwei, nachdem sie zuvor zwei Saisons ohne Podestplatz geblieben war. Damals überlegte sie sich gar, die Karriere zu beenden. Heute ist bereits klar, dass es weiter geht. «Sicher noch eine Saison. Dann schauen wir weiter. Ich bin schliesslich auch nicht mehr 15 Jahre alt», sagt sie.

Abstand nehmen ist die Devise

Heute bestreitet Suter in St. Moritz den Super-G. Dann ist die Weltcupsaison für sie zu Ende. Wie im vergangenen Frühling will sie danach ein paar Wochen in einem Seilpark in der Innerschweiz arbeiten. Als Angestellte nimmt sie Abstand vom Skisport. «Die Ski-Saison ist vor allem für den Kopf anstrengend. Damit wir körperlich bis zum Schluss parat sind, trainieren wir im Sommer», sagt sie.

...dann für ihren zweiten Platz in der Abfahrts-Gesamtwertung.

...dann für ihren zweiten Platz in der Abfahrts-Gesamtwertung.

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Abstand nehmen. Es war der Schlüssel zum Erfolg. Dabei stiess die Idee in Swiss-Ski-Kreisen auch auf Ablehnung. Fabienne Suter müsse im Trainingsbetrieb integriert bleiben. Doch der Schweizer Frauenchef Hans Flatscher setzte sich gegen seine Chefs durch. Er ermöglichte Suter die Auszeit und bewies ein richtiges Gespür. Suter bedankte sich mit fünf Podestplätzen für das Vertrauen.
So darf Flatscher schon jetzt auf den erfolgreichsten Winter von Schweizer Frauen seit 21 Jahren zurückblicken. 1995 fuhren die Athletinnen 23-mal auf das Podest. In diesem Winter sind es bisher 21 Podestplätze. 11 von Gesamtweltcupsiegerin Lara Gut und je fünf von Wendy Holdener und Fabienne Suter.
Nur mit dem Heimsieg will es bei Suter noch nicht klappen. Allein in St. Moritz hat sie schon zweimal den zweiten und zweimal den dritten Rang belegt. Vielleicht ändert sich das schon heute im Super-G. «Und sonst habe ich ja noch einen Winter Zeit», sagt sie.

Im nächsten Jahr finden in St. Moritz die Weltmeisterschaften statt. An Grossanlässen lief es Suter bisher noch nie nach Plan. Wenn sie die Auszeit im Seilpark aber erneut so beflügelt, ist nach dieser gelungenen Hauptprobe 2017 alles möglich.