Als Beat Feuz nach seiner herausragenden Fahrt unten im Zielraum stand, da konnte er nicht mehr aufhören zu strahlen. Zweiter im Super-G? Nein, das hat nun wirklich niemand erwartet – am wenigsten er selbst. 

«Ich kann es wirklich kaum glauben. Dieser zweite Platz ist eine sehr grosse Überraschung», sagt Feuz. «Am Morgen habe ich mich sehr müde gefühlt. Es war wahrlich kein einfaches Aufstehen. Und trotzdem fühlte ich mich unterwegs auf der Piste plötzlich sehr wohl. Das Ausruhen vor dem Rennen hat sich gelohnt.»

Die Freude von Feuz war ein ziemlicher Gegensatz zu seiner Reaktion 24 Stunden zuvor, als er mit einer für seine Verhältnisse nicht ganz überzeugenden Fahrt Dritter wurde in der Abfahrt. «Es ist wunderbar, mit zwei Medaillen heimzureisen. Dieser zweite Rang im Super-G ist fantastisch. Hätte uns das im Vorfeld einer gesagt, hätte manch einer den Kopf geschüttelt.»

Im Rückblick auf die Abfahrt vermag sich Feuz mittlerweile auch aus ganzem Herzen über Bronze zu freuen. «Ich konnte mit einem guten Gewissen ins Bett. Auch wenn der Traum natürlich war, Gold zu gewinnen. Es ist kein Wunschkonzert. Und ich wurde ja immerhin von zwei norwegischen Topshots geschlagen.»

Jubel nach zweiter Podest-Fahrt von Beat Feuz bei Olympia

Jubel nach zweiter Podest-Fahrt von Beat Feuz im House of Switzerland

13 Hundertstel Rückstand

Geschlagen wurde Feuz lediglich vom Österreicher Matthias Mayer, der unmittelbar vor ihm gestartet war und 13 Hundertstel schneller war. Tags zuvor in der Abfahrt hatten Feuz 18 Hundertstel zur Goldmedaille gefehlt.

Als Zweiter durfte sich Feuz dennoch wie ein Sieger fühlen. In seiner zweitbesten Disziplin war er in dieser Saison nur zweimal in die Top 10 gekommen, sein bestes Ergebnis war der 6. Platz in Kitzbühel. Feuz lieferte eine Vorstellung, mit der er sich selber überraschte: "In dieser Saison hatte ich im Super-G vor allem in den Kurven nicht brillieren können. Und auch die Olympia-Strecke war ja eine, in der Gleiter-Fähigkeiten wenig gefragt waren."

Als erst dritter Schweizer konnte Feuz eine Olympia-Medaille im Super-G erringen. Didier Cuche war 1998 in Nagano ebenfalls Zweiter geworden, Ambrosi Hoffmann 2006 in Turin Dritter.

Mayer wie Maier

Die Österreicher, tags zuvor in der Abfahrt die grossen Verlierer, konnten erfolgreich zurückschlagen. Mayer holte sich sein bereits zweites Olympia-Gold. Vor vier Jahren in Sotschi war er Olympiasieger in der Abfahrt geworden. Kjetil Jansrud, in der Abfahrt vor Feuz Zweiter, errang diesmal hinter dem Schweizer die Bronzemedaille.

Aksel Lund Svindal, dem Sieger vom Donnerstag, reichte es im zweiten Speedrennen zu Platz 5, noch hinter dem französischen Überraschungsmann Blaise Giezendanner. Die grosse Serie der Norweger fand damit ein Ende: In fünf der zuvor acht olympischen Rennen im Super-G hatten sie den Sieger gestellt. 1992, 2002 und 2006 triumphierte Kjetil Andé Aamodt, 2010 Svindal und 2014 Jansrud. Der letzte Sieger, der nicht aus Norwegen kam, war 1998 Hermann Maier, der bisher einzige Super-G-Olympiasieger aus Österreich.

Wie schon in der Abfahrt war Feuz der einzige Schweizer, der vorne mitmischen konnte. Gilles Roulin und Thomas Tumler belegten die Ränge 21 und 26, Mauro Caviezel schied aus.