Seit der Saison 2009/10 stand am Ende eines Winters immer zumindest eine Schweizer Fahrerin in den Top 3 der Alpin-Gesamtwertung. Mit Patrizia Kummer (2012 bis 2014) und Julie Zogg (2015) durfte sogar viermal eine Swiss-Snowboard-Vertreterin die grosse Kristallkugel entgegennehmen. Im letzten Winter verpasste Nevin Galmarini bei den Männern den Overall-Podestplatz wie auch jenen im Disziplinen-Klassement des Parallel-Riesenslaloms um weniger als 120 Punkte.

Deshalb erstaunt die Aussage von Nationaltrainer Christian Rufer nicht, "die Weltspitze von Beginn weg mitgestalten zu wollen". Von Ursula Bruhin über Daniela Meuli, Fränzi Mägert-Kohli bis hin zu Kummer und der jüngeren Generation um Ladina Jenny oder Julie Zogg sowie den Schoch-Brüdern, Urs Eiselin, Galmarini oder Kaspar Flütsch verfügt(e) die Schweiz seit der Amtsübernahme von Rufer vor 14 Jahren - der St. Galler war mit einem kurzen Unterbruch stets Chefcoach der erfolgreichen Equipe - über Weltklasse-Fahrerinnen und Fahrer.

"Wir hatten über all die Jahre stets Leistungsträger, an denen sich die Jungen orientieren konnten", so Rufer. "Und es sieht noch immer gut aus." Am gut besetzten Europacup in Hochfügen am letzten Wochenende unterstrich etwa Ladina Jenny mit den Rängen 1 und 2 ihre Ambitionen, wieder auf dem Leistungsniveau der Saison 2015/16 (4. der Gesamtwertung) fahren zu können. Auch dem 22-jährigen Bündner Dario Caviezel, dem Trainingspartner von Flütsch auf und neben dem Schnee, ist einiges zuzutrauen.

Stand jetzt werden die Schweizer Alpinen das Maximum von acht Olympia-Startplätzen ausschöpfen. Mit Patrizia Kummer (2.), die seit vier Jahren im Privatteam unterwegs ist, und Galmarini (3.) haben zwei Fahrer aufgrund ihrer WM-Ergebnisse im Parallel-Riesenslalom in der Sierra Nevada die Selektionskriterien von Swiss Olympic bereits erfüllt. Für das verbleibende Sextett sind die Vorgaben ebenfalls machbar.

Strenges Rennprogramm

Die Saisonvorbereitung konnten Rufer und Co. aufgrund des Boykotts des amerikanischen Verbandes gegen Swiss-Ski nicht wie ursprünglich geplant in Copper Mountain abhalten. Deshalb ging es auf den Gletschern von Saas-Fee, Zermatt, Stelvio und Diavolezza sowie auf der Piste von Davos-Parsenn unter anderem darum, sich auf ein völlig neues Schuhmodell einzustellen.

Zum Auftakt des Winters wartet sogleich ein Novum. In Carezza und dann am Freitag und Samstag in Cortina d'Ampezzo stehen erstmals drei Parallelrennen in Folge im Programm, zwei Riesenslaloms und ein Slalom. Danach geht es im Januar mit Rennen an jedem Wochenende weiter. Überhaupt ist der Kalender bis Winterberg am 17./18. März so voll wie seit Jahren nicht mehr. Eine Woche vor dem Saisonfinale findet in Scuol erstmals nach fünf Jahren (Arosa) wieder ein alpiner Weltcup in der Schweiz statt.