Minusgrade

Die Welt ist nur ein Weiler

Das «House of Switzerland» in Åre.

Skifahrer aus Jordanien und Nidwalder Bekannte: Geschichten und Erlebnisse rund um die Ski-WM in Åre.

An der Ski-WM sind über 70 Nationen vertreten. Darunter Länder, die man nicht erwarten würde – Haiti, Iran oder Jordanien.

Åre beherbergt in diesen Tagen eine Ansammlung von Menschen, die aus allen Ecken der Welt kommen. Der amerikanischer Psychologe Stanley Milgram vertrat die These, dass jeder Mensch einen beliebigen anderen Menschen über durchschnittlich sechs Ecken kennt. Würde bedeuten, zwischen mir und einem Skifahrer aus Jordanien stehen sechs Personen. Ein Bekannter von mir kennt jemanden, der jemanden kennt, der wieder jemanden kennt, und dieser kennt eben jemanden, der jemanden kennt, der den Jordanier kennt.

Die Beziehungskette kann aber auch kürzer sein, das realisierte ich im House of Switzerland, wo Swiss Ski Gäste empfängt. Wir müssen uns einen temporären Holzbau vorstellen, mitten im Dorf Åre, im hohen Norden, weit weg von der Schweiz. Damit kein Heimweh aufkommt, hat der Skiverband für die WM ein Schwyzerörgeli-Trio nach Schweden beordert.

Ein bisschen unangenehm wird mir schon, als sich die Musikanten vor unserem Tisch aufstellen, mich als Geburtstagskind ankündigen und ein Ständchen singen. Wohlerzogen bedanke ich mich für die Gefälligkeit und frage, woher sie denn kommen. «Aus Nidwalden», so die Antwort. «Meine Schwiegereltern wohnen dort», entgegne ich. Es ist eher laut gedacht, ich gehe nicht davon aus, dass diese Information die Musiker interessieren könnte.

Doch ich täusche mich. Die Nachfrage folgt prompt. «Ach ja, woher denn genau?» Ich beschreibe den Ort, werde von einem der drei aber rasch unterbrochen. Er weiss nicht nur, von wem ich rede, er hat auch das Dach ihres Stalles gebaut. Die Welt muss tatsächlich ein Weiler sein.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1