Livebilder im TV gab es von der letzten Ski-WM keine. Der Skisport ist in den USA eine Randsportart. Die WM in Beaver Creek und Vail soll dies endlich ändern. Zumindest ein wenig.

Stolz ist der US-Skiverband, dass die Rennen erstmals live im US-TV zu sehen sein werden. NBC sendet die Bilder ins ganze Land. «Es gibt Basketball, Football, Eishockey und Baseball. Sich da zu behaupten, ist sehr schwierig», sagte Tiger Shaw, Präsident des US-Skiverbandes der APA. «Umso wichtiger ist, dass wir aussergewöhnliche Persönlichkeiten haben, die als Einzelpersonen dafür sorgen, dass man unseren Sport kennt.»

Eine Reihe von Stars

Aussergewöhnliche Persönlichkeiten haben die USA. Lindsey Vonn ist mit 64 Weltcupsiegen die erfolgreichste Skisportlerin der Geschichte. Den Rekord von Annemarie Moser-Pröll (62 Siege) hat sie im Januar dieses Jahres übertroffen. An Weltmeisterschaften hat sie zweimal Gold und dreimal Silber gewonnen. An Olympischen Spielen Gold und Silber. Dabei verpasste sie die WM in Schladming, wo sie sich im Super-G das Kreuzband riss, und die Winterspiele in Sotschi 2014 verletzt. Jetzt, wo die 30-Jährige zurück ist, gibt es nur ein Ziel: zweimal Gold – im Super-G und in der Abfahrt. Alles andere wäre eine Enttäuschung.

Obwohl Vonn die beiden letzten Titelkämpfe verpasste, gingen die USA nicht leer aus. Im Gegenteil: In Schladming gewann Ted Ligety Gold im Riesenslalom, im Super-G und in der Super-Kombination. In Sotschi holte er Gold im Riesenslalom. Mikaela Shiffrin siegte an der WM in Österreich und an den Winterspielen in Russland im Slalom. Vom 30-jährigen Ligety und von der erst 19-jährigen Shiffrin wird in den nächsten zwei Wochen in Beaver Creek ebenfalls mindestens einmal Gold erwartet.

Doch das ist noch lange nicht alles. Bode Miller will in Beaver Creek sein Comeback nach einer Rückenoperation geben. Er gehört zu den erfolgreichsten Athleten der Gegenwart und es ist ihm auch mit 37 Jahren vieles zuzutrauen. Vier Goldmedaillen an Weltmeisterschaften hat er schon gewonnen und in Beaver Creek soll eine weitere dazukommen.

Genug? Von wegen: Mit Travis Ganong und Steven Nyman sind auch zwei Abfahrts-Weltcupsieger aus dieser Saison an der WM dabei und Julia Mancuso läuft an Grossanlässen oft zu Hochform auf. Insgesamt neun Medaillen durfte die 30-Jährige von Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen mit nach Hause nehmen. Das WM-Team der USA in Vail und Beaver Creek ist das Stärkste in der Geschichte. Nur: In den USA nehmen das wenige wahr. Die Super Bowl in der Nacht auf heute verfolgten Millionen Menschen vor dem TV. Lindsey Vonn kennt der Grossteil der Bevölkerung – wenn überhaupt – nur, weil sie die Freundin von Golfstar Tiger Woods ist. Zwar sagt sie selbst: «Die Popularität in den USA ist enorm gestiegen. Wenn die Menschen jemandem die Daumen drücken können, ist es einfacher, sich für den Sport zu begeistern.» Doch zutreffen tut dies vor allem auf den Ballungsraum der Rocky Mountains.

Hallo, hier sind wir. Dieses Motto gilt darum auch für die WM in der Heimat. Selbst wenn die Athleten der USA das Resultat von den Weltmeisterschaften in Schladming noch toppen würden, wäre die Aufmerksamkeit keinesfalls gewiss. Die TV-Präsenz ist aber ein Anfang, dies zu ändern. Gewinnen Vonn und Co. viele Medaillen – Gold muss es aber sein –, könnte dies einen positiven Effekt haben. Vielle Amerikaner lieben den Erfolg und sie lieben ihre Heimat. Die Mischung aus beidem ist das Rezept für Aufmerksamkeit.

Trotzdem: Der Weg ist noch weit. Vonn, die erfolgreichste Ski-Sportlerin der Gegenwart, hat auf Facebook rund 990 000 Fans. Ihr Freund Tiger Woods, der den Erfolgen schon seit längerem hinterherläuft, hat über drei Millionen Bewunderer. Die WM wird dies wohl nicht ändern.