Ski Alpin
Die Schweizerinnen wollen in der Abfahrt zurückschlagen

Die Geschlagenen des Super-G wollen in der WM-Abfahrt die ersehnte (Gold-) Medaille holen. Vor allem Fabienne Suter und Lara Gut hoffen auf gutes Wetter und damit auf bessere Bedingungen.

Martin Probst, Beaver Creek
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Im Super-G klappte es für Gut noch nicht nach Wusch, das soll sich in der Abfahrt ändern.

Im Super-G klappte es für Gut noch nicht nach Wusch, das soll sich in der Abfahrt ändern.

Keystone

Allzu gut geschlafen hat Lindsey Vonn in der Nacht auf heute vielleicht nicht. Die Amerikanerin weiss: Heute in der Abfahrt muss es Gold sein. Alles andere zählt an der Heim-WM nicht. «Ich hoffe, anders als noch im Super-G, auf faire Bedingungen. Dann bin ich bereit», sagte die 30-Jährige.

Zwar versuchten die US- Medien, die enorme Erwartungshaltung etwas zu dämpfen und verwiesen darauf, dass die WM aus amerikanischer Sicht schon jetzt besser sei, als das letzte Heimspiel 1999, als das US-Team ohne Medaille blieb. Doch klappt es heute nicht, wird der Wind mit Sicherheit drehen.

Bronze im Super-G war selbst – oder gerade für die wenig skibegeisterte USA zu wenig. Gold ist alles. Schliesslich haben die Gastgeber mit Vonn die wohl beste Skifahrerin der Gegenwart in ihren Reihen.

Wollte Gut zu viel?

Wenn bereits in den USA der Druck hoch ist, dann erst recht in der Schweiz. Als Alpenland, ja als Skination werden Medaillen erwartet. Besonders wenn man eine Ausnahmeathletin wie Lara Gut an den Start schickt. Im Super-G wurde aus den Hoffnungen ein Rohrkrepierer. Die Tessinerin verpasste das Podest. Heute in der Abfahrt soll die Rache folgen. Eine Goldige. Wir schlagen zurück.

Selbst für den Schweizer Speedtrainer Roland Platzer ist die Enttäuschung im Super-G noch immer ein Rätsel. «Da fährt Lara im Abfahrtstraining am Tag zuvor wie auf Schienen und dann missraten im Super-G schon die ersten Tore.» Eine Erklärung, warum sich die 23-Jährige so schwertat mit der Umstellung auf den weicheren Schnee, hat er nicht. «Normalerweise fährt sie mit viel Intuition. Vielleicht wollte sie zu viel.»

Es ist genau das, was Roland Platzer Hoffnung macht. «Der Druck ist nun von Lara abgefallen. Ab jetzt kann sie nur gewinnen.» Zuversichtlich stimmt den Trainer zudem, «dass sowohl Lara wie auch Fabienne im Abfahrtstraining in gewissen Abschnitten Bestzeit gefahren sind. Das zeigt, dass wir nicht einfach schlecht sind.»

Zuversicht im Schweizer Team

Aus Insiderkreisen war zudem zu vernehmen, dass der Rossignol-Ski von Gut bei weichen Schneeverhältnissen nicht gut funktionierte. Sollten sich die Prognosen bewahrheiten und in der heutigen Abfahrt Verhältnisse wie im ersten Training herrschen, sollte Gut zu alter Stärke zurückfinden. Dann ist für die Tessinerin alles möglich.

Und Suter? «Im Super-G war sie mit den windigen Bedingungen, die sie hatte, chancenlos», sagt Platzer. «Es ist schon brutal. Man arbeitet ein Jahr für diesen Moment und dann hat man von Beginn weg keine Chance», sagt die 30-Jährige. Trotzdem: Platzer bescheinigt seiner Athletin eine positive Einstellung trotz der Enttäuschung. «Noch vor einem Jahr hätte sie ob dem Resultat den Kopf in den Sand vergraben. Nun schaut sie positiv auf die Abfahrt.»

Heute können Gut und Suter beweisen, dass dies nicht nur Floskeln sind. Denn wenn es auch in der Abfahrt nicht mit einer Medaille klappt, hat das hochgehandelte Speedteam der Frauen versagt. Platzer sagt: «Wir können nur alles versuchen. Ich bin zuversichtlich, dass es klappt.»