Skisport
Die Leidenschaft soll helfen, den tödlichen Unfall von David Poisson zu verarbeiten

Das Schweizer Speedteam trainierte auf der gleichen Piste wie David Poisson. Zwar sah kein Schweizer den tödlichen Unfall, die Rettungsaktion samt der Hektik nahmen die Schweizer trotzdem wahr.

Martin Probst
Merken
Drucken
Teilen
David Poisson verunglückte im Training tödlich.

David Poisson verunglückte im Training tödlich.

PETER KLAUNZER

Unmittelbar nach den Franzosen wären Beat Feuz, Patrick Küng, Mauro Caviezel, Marc Gisin und Gilles Roulin an der Reihe gewesen, auf der Abfahrtspiste im kanadischen Nakiska zu trainieren. Die Schweizer bereiteten sich auf einer Nebenpiste auf das rennmässige Fahren vor, während Frankreichs Athleten auf der Hauptpiste für den Speedauftakt in Lake Louise (25. und 26. November) übten.

Den tödlichen Unfall des Franzosen David Poisson hat zwar kein Schweizer gesehen, die Rettungsaktion aber natürlich mitbekommen. Der 35-jährige Poisson hat im Training bei hohem Tempo einen Ski verloren.

David Poisson Gewinner der WM-Bronzemedaille in der Abfahrt in Schladming 2013.

David Poisson Gewinner der WM-Bronzemedaille in der Abfahrt in Schladming 2013.

HANS KLAUS TECHT

Wie der französische Skiverband mitteilte, hat er danach zwei Sicherheitsnetze durchbrochen und ist mit hohem Tempo in einen Baum geprallt. Für Poisson kam jede Hilfe zu spät. «Als wir an der Unfallstelle ankamen, konnten wir nur noch den Tod dieser Person feststellen», erklärte ein Sprecher der Rettungskräfte.

Erinnerungen an Werner Elmer

Die Schweizer Athleten werden nun bei der Verarbeitung der Ereignisse betreut. «Das passiert ganz individuell», sagte Cheftrainer Tom Stauffer. Swiss Ski ermöglicht eine psychologische Betreuung. Wie die Schweizer mit dem Todesfall umgehen, ist aber jedem selbst überlassen.
Der tödliche Unfall von David Poisson weckt im Schweizer Team traurige Erinnerungen.

Werner Elmer 2002 war der Schweizer Werner Elmer bei einem FIS-Rennen in Verbier tödlich verunglückt. 

Werner Elmer 2002 war der Schweizer Werner Elmer bei einem FIS-Rennen in Verbier tödlich verunglückt. 

Keystone

2002 war der Schweizer Werner Elmer bei einem FIS-Rennen in Verbier tödlich verunglückt. Patrick Küng erlebte das Drama vom Start aus. «Es hat Jahre gedauert, bis ich dieses furchtbare Ereignis verarbeitet hatte», erzählte er 2010 im «Blick». Ich konnte lange nicht mehr richtig Gas geben, weil Werners Tod in meinem Hinterkopf mitfuhr.»

Der tragische Unfall von Elmer war zuvor der letzte tödliche Unfall auf der Piste im alpinen Rennsport. Nicht aber das letzte Drama mit Schweizer Beteiligung: 2009 stürzte Daniel Albrecht im Training für die Abfahrt in Kitzbühel schwer, zog sich ein Schädelhirn-Trauma zu und kämpfte Tage ums Überleben.

Den Gefahren durchaus bewusst

Skiprofis – besonders die Abfahrer – sind sich der grossen Gefahren, denen sie sich aussetzen, bewusst. Michel Vion, Präsident des französischen Verbandes, sagte nach dem Unfall von Poisson: «Es ist ein Desaster. Aber die Abfahrt ist gefährlich und riskant. In den letzten Jahren haben wir sogar realisiert, dass sie gefährlicher ist als die Formel 1.»

Manchmal, so zum Beispiel in Kitzbühel, ist das Spiel mit der Gefahr sogar Konzept. Und nicht wenige Athleten wehren sich gegen Vorstösse, Pisten zu entschärfen.

Beat Feuz «Eine Abfahrt braucht Tempo. Wenn man künstlich versucht, das Tempo zu reduzieren, nimmt man dem Wettbewerb den Reiz.»

Beat Feuz «Eine Abfahrt braucht Tempo. Wenn man künstlich versucht, das Tempo zu reduzieren, nimmt man dem Wettbewerb den Reiz.»

Keystone

Beat Feuz sagte im Januar: «Eine Abfahrt braucht Tempo. Wenn man künstlich versucht, das Tempo zu reduzieren, nimmt man dem Wettbewerb den Reiz.» Janka sagte: «Wir müssen aufpassen, dass nicht zu viel entschärft wird. Abfahrten dürfen nicht zu einfach werden, sonst haben wir irgendwann keine Zuschauer mehr.»

Es sind Sätze, die im Zusammenhang mit dem tragischen Todesfall von Poisson unangebracht klingen mögen. Doch selbst Poisson sprach vom Tempo als Passion.

Leidenschaft soll helfen, das Drama zu verarbeiten

Diese Leidenschaft wird nun auch den Schweizern helfen, das Drama zu verarbeiten. Schon ein Tag nach dem Unfall setzen einige Athleten das Training fort. Ablenken. Vergessen.
Bleibt die Frage nach der Sicherheit: Kurz nach dem Tod von Poisson wurden Bedenken im Bezug auf die Streckensicherung in Nakiska geäussert.

An der Unfallstelle befinden sich B-Netze, die im Vergleich zu den im Weltcup an sehr gefährlichen Passagen verbauten A-Netze schlechter verankert und weniger hoch sind. Ob andere Netze das Unglück verhindert hätten, ist reine Spekulation. Der internationale Skiverband verweist auf laufende Ermittlungen.