Ski alpin
Die Doppelsieger von 2011 kehren nach Bormio zurück

In diesem Winter ist davon noch wenig zu spüren – doch auf dem Plakat sind wir es noch: die grosse Skination. Didier Défago ziert das Programmheft für die morgige Weltcup-Abfahrt.

Martin Probst, Bormio
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In Bormio 2011 war die Welt der Schweizer Ski-Fahrer noch in Ordnung
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Didier Défago liess sich als Abfahrts-Sieger feiern
Der Routinier hatte der Konkurrenz keine Chance gelassen
Das Podest kompettierte damals der Österreicher Klaus Kröll
Und die Welt des Schweizer Ski-Teams war in bester Ordnung

In Bormio 2011 war die Welt der Schweizer Ski-Fahrer noch in Ordnung

Keystone

Im letzten Jahr war die Schweizer Skiwelt in Bormio noch in Ordnung. Didier Défago siegte vor Teamkollege Patrick Küng. Danach wurde munter geflachst. «Es wird Zeit, dass die Alten endlich aufhören», meinte ein gut gelaunter Küng, wie es mit dem Siegen klappen könnte. Défago konterte gelassen: «Patrick, du bist noch jung. Nur Geduld. Bei mir hat es ebenfalls lange gedauert, bis der Knopf aufgegangen ist.»

Ja, der berühmte Knopf, er will in diesem Winter einfach noch nicht aufgehen. Und mit der Verknotung im Kopf ist auch der Humor verloren gegangen. Brummig gibt Défago Auskunft, will nichts wissen von Knoten im Kopf. «Wir werden sehen, was es braucht», sagt er.

Zeit mit der Familie

Dem Team fehlt ein Leader. Das ist zu spüren. Einer wie Cuche, der auch mal hinsteht und seinem Frust Luft macht. Défago hätte die Erfahrung, diese Rolle zu übernehmen. Doch er will oder kann nicht. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der 35-Jährige dann am besten ist, wenn es niemand von ihm erwartet. Wie im letzten Winter, als er nur 15 Monate nach seinem Kreuzbandriss in Bormio siegte. Nach dem Rücktritt von Cuche und dem Ausfall von Beat Feuz liegt die Erwartungslast fast ausschliesslich auf ihm. Das scheint ihn zu bremsen – auch auf der Piste.

Vielleicht hat es ihm darum gut-getan, über Weihnachten mal nicht auf den Ski zu stehen, etwas Abstand zu gewinnen, die Zeit mit Frau und den zwei Kindern zu geniessen. «Ich stand zwar auf den Ski, aber nur mit meinen Kindern, ganz locker», sagt er.

Seine Kinder stehen auch gestern nach dem ersten Training in Bormio im Zielraum. Sie spielen mit den Ski-Stöcken des Abfahrts-Olympiasiegers von 2010. Défago schaut ihnen zu und lächelt. Ablenkung, die guttut. Und dann sagt er: «Ich bin sehr gern in Bormio. Die Piste liegt mir.» Das lässt hoffen. Ohne Druck öffnen sich Knoten am besten.

Etwas anders sieht die Situation von Patrick Küng aus. Nach seinem zweiten Platz in Bormio im letzten Winter kam Ende Februar der grosse Rückschlag: Kreuzbandriss im linken Knie. Hartnäckig hat der 28-Jährige über den Sommer an seinem Comeback geschuftet. Nun fährt er wieder ohne Schmerzen.

Kreuzbandriss und dann der Sieg in Bormio? Wieso nicht wiederholen, was Didier Défago im letzten Winter gelang? Die Piste in Bormio liegt Küng auf jeden Fall. Vor zwei Jahren fuhr er hier auf Platz vier, im letzten Jahr hinter Défago aufs Podest. «Born for Bormio» steht auf seinem Helm. Für Bormio geboren. «Ich mag die Piste. Auch wenn es in diesem Jahr im unteren Teil extrem schlägt», erzählt er.

Genug Kraft ist da

Wenn es holpert und schlägt und die Sicht schlecht ist, dann hindert ihn die Verletzung noch. «Nicht, weil es schmerzt, aber das letzte bisschen Vertrauen fehlt», sagt Küng. Trotzdem ist der Glarner zuversichtlich. Die Kraft reicht. Das ist in Bormio, auf dieser äusserst anspruchsvollen Piste, besonders wichtig. Der Kanadier
Manuel Osborne-Paradis sagte im Ziel völlig ausser Atem: «Scheisse, habt ihr das gesehen? Ich habe überhaupt keine Kraft mehr.»

Im gestrigen Training waren die Schweizer im Mittelfeld klassiert. Défago (11.) und Küng (15.) waren mit ihren Fahrten zufrieden. Positiv überrascht hat ein anderer. Der 21-jährige Fernando Schmed fuhr bei seinem Weltcupdebüt im ersten Training auf Rang 37. Das ist ein Ausrufezeichen. Zum Vergleich: Als Didier Cuche 1993, ebenfalls in Bormio, sein Weltcupdebüt gab, wurde er Zweitletzter. Natürlich ist das Training nicht das Rennen. Aber es lässt hoffen.

Und einer sorgte dann doch noch für einen Lacher im Schweizer Team: Silvan Zurbriggen. Er sagt: «Natürlich habe ich über Weihnachten trainiert. Man kann nicht den ganzen Tag nur Guetzli essen.»

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