Ski alpin

Die Dinosaurier sind auf dem Rückzug

Didier Cuche (links) und Michael Walchhofer kennen das Rezept für schnelle Zeiten bereits.

Didier Cuche (links) und Michael Walchhofer kennen das Rezept für schnelle Zeiten bereits.

Michael Walchhofer, einer der Lauberhorn-Oldies, sagt Servus und bestreitet das letzte Rennen. Und was macht Didier Cuche?

Die Dinosaurier des Skisports befinden sich am Lauberhorn auf dem Rückzug. Michael Walchhofer verabschiedet sich endgültig vom «Jurassic Park», Patrik Järbyn (41) wohl ebenfalls. Und Cuche? Er strotzt immer noch vor Energie.

Luc Alphand verglich das Lauberhorn einst wegen seiner prähistorischen Linienführung mit einer Bahnunterführung, die laut IWO (Wettkampfordnung) längst verboten wäre, mit Steven Spielbergs «Jurassic Park». Nun kommen diesem die Dinos abhanden. Im letzten Winter verliess Marco Büchel (37½) den Park, jetzt folgen ihm Walchhofer und wahrscheinlich auch Patrik Järbyn.

Walchhofer, im April 36-jährig, bezeichnet den 4,4-km-Speed-Marathon als «Hassliebe. Hier habe ich schon alles erlebt, Stürze und Siege. Das Unangenehme versuche ich zu verdrängen.» Österreichs bester Abfahrer der letzten Jahre bestritt in Wengen zuerst drei Weltcup-Slaloms (Bestresultat 14.Rang), ehe er sich auf die Abfahrt wagte.

Nach zwei Stürzen in den ersten beiden Rennen kam er 2003 erstmals ins Ziel – als Zweiter hinter Bruno Kernen. 2005 siegte er, 2006 wurde
er nochmals Zweiter. Dann folgten zwei Abstürze auf den 16. und den 26. Rang. «Jetzt», so Walchhofer, «wäre es Zeit für einen versöhnlichen Abschluss. Dass es das letzte Rennen ist, gibt zusätzliche Motivation.»

«Hey, du alter Schwede»

Ein ebenso herber Verlust für den Weltcup ist Patrik Järbyn – oder wäre. Denn je länger die Saison dauert, desto mehr kommt der 41-jährige Trainingskollege von Lara Gut wie-der auf den Geschmack. «Der ist enorm schnell», staunte die Tessinerin schon im Sommer, «ihm merkt man das Alter nicht an.» Und Järbyn selber findet: «Dass ich nicht mehr der Jüngste bin, wird mir tagtäglich in Erinnerung gerufen. Die Österreicher begrüssen mich stets mit: Hey, du alter Schwede.»

Järbyn, der beste Golfspieler im Weltcup-Tross mit Handicap 0 (!), startete seit 1994 schon 23-mal am Lauberhorn. Er nützte jede Gelegenheit, egal ob Europa- oder Weltcup – der Ski-Methusalem war immer da: «Ich habe das Glück, dass mein Körper noch mitspielt. Während die meisten Jungen über Rückenschmerzen klagen, blieb ich glücklicherweise von solchen Problemen verschont.»

In 16 Weltcup-Abfahrten in Wengen kam Järbyn, der als 39-Jähriger in Val Gardena noch aufs Podest fuhr, nicht über einen 15.Platz hinaus. «Bei den heurigen Verhältnissen brauchts vor allem Glück bei der Auslosung», glaubt der Routinier: «Ohne tiefe Startnummer hast du kaum eine Chance.» Aufs Wochenende kommen ihn extra seine Frau und seine beiden Kinder aus Vail besuchen.

Während Järbyn eine Top-Ten-Klassierung anvisiert, hofft Cuche (36½) nach zwei zweiten Rängen endlich auf den ersten Sieg am Lauberhorn – eines seiner letzten grossen Ziele. «Ich hätte noch andere Ziele», meint Cuche, «doch der Skisport ist kein Wunschkonzert.»

Ob es sich möglicherweise um die letzte Siegchance handelt, ist für ihn derzeit kein Thema: «Ich habe noch keinen Gedanken daran verloren, ob ich Ende Saison aufhören werde.» Der älteste Weltmeister und älteste Weltcup-Abfahrtssieger der Skigeschichte besitzt Perspektiven auf weitere Altersrekorde – auch über 2011 hinaus.

Zu den Dinos zählt mittlerweile auch «Amba» Hoffmann, obwohl er im März erst 34-jährig wird. Denn statistisch ist der Bündner hinter Järbyn der dienstälteste Lauberhorn-Abfahrer. Er bestritt 1997, ein Jahr vor Cuche, in Wengen seine erste Abfahrt.

Das war jenes Rennen, in dem Kristian Ghedina mit 2:24,23 den Streckenrekord aufstellte, der wohl für alle Ewigkeit bestand hält. «Wie lange ich noch fahre, hängt von den Faktoren Erfolg, Gesundheit und Spass ab», bringt der Mini-Dinosaurier Hoffmann seine Karriereplanung auf den Punkt.

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