Ski alpin
Die Athleten sollen dank neuer Regeln weniger leiden

Neue Regeln im Ski-Zirkus sollen Rückenverletzungen mindern und den Riesenslalom ausserdem wieder spannend machen. Das Jahr 2016/17 wird in dieser Hinsicht ein Übergangsjahr.

Martin Probst
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Nicht nur Carlo Janka plagte sich in der Vergangenheit des Öfteren mit Rückenschmerzen herum.

Nicht nur Carlo Janka plagte sich in der Vergangenheit des Öfteren mit Rückenschmerzen herum.

KEYSTONE/AP/MARK SCHIEFELBEIN

Als der internationale Skiverband FIS auf die Saison 2012/13 neue Regeln für die Riesenslalom-Ski einführte, war die Kritik gross. Dabei war die Idee ja gut. Weniger Verletzungen erhofften sich die Regelhüter. Dafür wurde der Radius der Ski reglementarisch von 27 auf 35 Meter erhöht.

In der Tat nahm die Zahl der Knie-Verletzungen ab. Doch gleichzeitig nahm die Anzahl von Athleten mit Rückenleiden überproportional zu. Der Grund: Um mit den neuen Ski schnell zu sein, braucht es deutlich mehr Krafteinsatz, und somit nahmen die Belastungen auf die Muskulatur enorm zu. Fahrer und Trainer beklagten dieses Phänomen. Der Schweizer Männer-Cheftrainer Tom Stauffer provozierte vor gut einem Jahr in dieser Zeitung sogar mit der Aussage,dass er froh sei, wenn seine Talente langsam fahren. Weil sie so nicht schon in jungen Jahren sehr starke Schmerzen haben. Kurz: Mit den neuen Ski stieg das Risiko, dass Talente den Spass am Skisport verlieren, bevor es überhaupt losgeht.

Der Schritt zurück

Die Kritik von Trainer und Athleten wurde immer lauter. So lange, bis die FIS nicht mehr anders konnte, als zuzuhören. Gemäss FIS-Renndirektor Markus Waldner sind 90 Prozent aller Athleten mit den aktuellen Riesenslalom-Ski nicht zufrieden. Sie alle konnte die FIS nicht ignorieren.

Nun der Schritt zurück. Im Sommer wurde von der FIS beschlossen, die Ski auf die Saison 2017/18 anzupassen. Der Radius beträgt dann 30 Meter bei einer Ski-Mindestlänge von 1,93 Metern. Nach der heute in Sölden beginnenden Saison ist also Schluss mit den Rückenleiden. So zumindest die Hoffnung der Trainer und Fahrer.

Der Winter 2016/17 wird so etwas wie ein Übergangswinter. Seit die neuen Ski vor vier Jahren eingeführt wurden, ist der Kreis der besten Athleten im Riesenslalom praktisch unverändert geblieben. Nur der Norweger Henrik Kristoffersen kam dazu.

Der Rest der Athleten tat sich schwer. Auch mit dem Material. Justin Murisier, im vergangenen Winter bester Schweizer im Riesenslalom, war von den neuen Ski zu Beginn sogar so deprimiert, dass seine Entwicklung nach einem Kreuzbandriss zusätzlich stagnierte. Erst vor einem Jahr kam er besser auf Touren. Fast zu spät also, weil es ja bald anders wird.

Eine Zwischensaison

Trotzdem: Die Regel-Änderung freut das Schweizer Team. Im Riesenslalom – der Sorgendisziplin schlechthin – kann es ja eigentlich nur aufwärtsgehen. Der letzte Schweizer Sieg gelang Carlo Janka im März 2011 – und somit noch mit dem alten Material. Überhaupt war es der bisher letzte Schweizer Podestplatz im Riesen.

Die heute beginnende Saison ist für Swiss-Ski somit auch eine Art Zwischenstation. Natürlich erhofft sich Stauffer, dass sich Justin Murisier oder auch Gino Caviezel der Spitze weiter annähern. Doch der weitaus wichtigere Schritt wird in einem Jahr passieren. Denn, und das hat schon der letzte Wechsel gezeigt: Je früher sich ein Athlet mit dem neuen Material anfreunden kann, je schneller kommt der Erfolg. Oder anders gesagt: Wem die Umstellung nicht auf Anhieb gelingt, der braucht vielleicht erneut ein oder zwei Saisons, bis es läuft wie erhofft. Die Chance der neuen Ski gilt es also zu nutzen. Mit Trainings bereits in diesem Winter. Die Resultate auf dem alten Material wären in diesem Fall zweitrangig.