Super-G, mehrere Abfahrtstrainings, Kombination, Team-Wettkampf, Riesenslalom, Slalom - Wendy Holdener ist in Are praktisch an allen Fronten präsent. Die hohe Belastung mag sie nicht in den Vordergrund stellen. Sie sieht das Ganze als Privileg. "Ich bin richtig motiviert, dass ich so viele Chancen erhalte. Das macht es für mich einfacher."

Privileg dank Ilka Stuhec

Das Privileg des Sonderfluges von Maribor nach Östersund verdankt die Schwyzerin Ilka Stuhec. Die Slowenin hat den Jet dank Unterstützung ihrer Sponsoren mieten können. Wendy Holdener und die anderen Passagieren, zu denen auch die Italienerin Federica Brignone und Mikaela Shiffrin gehörten, hatten so lediglich einen kleinen Teil der Kosten selber zu tragen. Das wenige Geld war bestens investiert - umso mehr nach all den Meldungen in den vergangenen 48 Stunden über abgesagte und massiv verspätete Linienflüge, von denen auch viele Offizielle, Fahrerinnen und Fahrer betroffen waren.

"Ich bin noch nie in so kurzer Zeit von einem Ort mit plus zehn Grad zum anderen mit minus fünfzehn Grad gereist", berichtete Wendy Holdener und erzählte von Gesprächen, die über das Skifahren und Banalitäten hinausgingen. Da wurde für einmal auch Privates thematisiert und wurden Geschichten aus dem normalen Leben ausgetauscht. Fahrerinnen, die sich bisher primär als Konkurrentinnen wahrnahmen, lernten sich von einer noch nicht bekannten Seite kennen. "Die Weiber", wie Wendy Holdener die illustre Runde nannte, hatten sich viel zu erzählen. Tiefgründiges und Oberflächliches, Alltägliches und Besonderes.

Eine besondere Geschichte hatte Wendy Holdener auch von Kronplatz zu erzählen, wo Mitte Januar ein Riesenslalom gefahren wurde. Die Unterhaltung mit Mikaela Shiffrin und deren Mutter Eileen drehte sich um einen Schweizer Schreiner - und um einen Staubsauger. Der Schreiner ist zurzeit im Hause Shiffrin mit Umbauarbeiten beschäftigt und ein Fan von Wendy Holdener. "Mikaela wird für ihn deshalb eine 'Wendy-Mütze' mit nach Hause nehmen."

Der Staubsauger ist für die Oma der Amerikanerin bestimmt. "Sie denken, dass es einfacher ist, den Kauf über mich zu organisieren." Bei der Innerschweizerin mit ihrem Elektrogeräte-Hersteller als persönlichem Geldgeber sind die beiden Damen selbstredend an der richtigen Adresse. Über den Kaufpreis sei noch nicht gesprochen worden. Wendy Holdener schwebt da eher eine Gegenleistung von Mikaela Shiffrins Kopfsponsor vor. Eine sehr gute Idee. Die Amerikanerin trägt auf Helm und Mütze den Schriftzug des italienischen Teigwaren-Produzenten Barilla.