Skispringen
Der Thronfolger: Skispringer Kilian Peier startet als neue Schweizer Nummer 1 in den Weltcup-Winter

Der Skispringer Kilian Peier wird am Weltcup die neue Schweizer Nummer 1 sein. Erstmals steht der 23-Jährige nicht im Schatten von Simon Amman. Als Hoffnungsträger des Schweizer Teams will er den Erwartungen gerecht werden und zeigen, was er drauf hat.

Rainer Sommerhalder
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Auf Kilian Peier ruhen die Hoffnungen des Schweizer Teams.

Auf Kilian Peier ruhen die Hoffnungen des Schweizer Teams.

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Was, wenn selbst Simon Ammann eines Tages zurücktritt? Heisst es dann «Lichter löschen» im Schweizer Skispringen? Denn hinter dem vierfachen Olympiasieger sah es zuletzt im Team zappenduster aus. Zwar spricht man seit Jahren von Talent und Potenzial, jedoch sieht die Wahrheit auf der Schanze anders aus.

Doch war da nicht etwas? Ein junger Springer, über dessen Möglichkeiten selbst der durch und durch bodenständige Schweizer Skisprungchef Berni Schödler ins Schwärmen geriet. Einer, von dem Regionaltrainer Sylvain Freiholz sagte, man treffe in einer Trainerlaufbahn nur einmal auf einen solchen Athleten. Ein neues Gesicht, das vor drei Jahren als WM-Sechster bei den Junioren ein Ausrufezeichen setzte und im Weltcup auf Anhieb Platz 17 belegte. Die Rede ist von Kilian Peier, dem 23-jährigen Lausanner, der schon mit 14 Jahren ins Trainingszentrum nach Einsiedeln aufbrach, um die Skisprungwelt zu erobern.

Im Weltcup ein Nobody

Einen Nachfolger für Simon Ammann zu finden, scheitert bereits im Ansatz. Doppel-Doppelolympiasieger wird man schliesslich nicht inflationär. Aber zumindest sollte man dafür sorgen, dass sich das Erbe von Walter Steiner, Hansjörg Summi, Sylvain Freiholz, Andreas Küttel und Simon Ammann nicht in Luft auflöst. Peier galt als Spitzenkandidat für diese Thronfolge, aber der anfängliche Aufwind in seiner Karriere entwickelte sich im vergangenen Winter zur steifen Brise. Die Olympischen Spiele in Pyeongchang verpasste der Romand aus Leistungsgründen.

Zwar fühlt sich die Weltcup-Bilanz von Kilian Peier auch im November 2018 nicht gerade verheissungsvoll an. Der 17. Platz aus dem Jahr 2014 bleibt sein Bestwert. Nur sieben Mal schaffte er es bisher in den Finaldurchgang der besten 30. Trotzdem startet der 23-Jährige in diesem Winter als Hoffnungsträger und Nummer 1 des Schweizer Teams in die Saison.

Diesen Status hat sich Peier mit seinen Leistungen und einer neuen Konstanz im Sommer-GP erarbeitet. Mehrmals flog er mitten in die Weltspitze, in der Gesamtwertung reichte es zu Platz 6. Kilian Peier ist zuversichtlich, dass er diese Leistungen auch auf Schnee bestätigen kann. «Was ich im Sommer geschafft habe, macht mit selbstbewusst. Meine Vorstellung vom Sprung sind viel klarer als früher.»

Ein bewussterer Athlet

Ausgerechnet die bisher grösste Enttäuschung seiner Karriere – Olympia verpasst zu haben – geriet zur Lancierung des zweiten Anlaufs. «Ich weiss jetzt, was ich machen muss, um erfolgreich zu sein», sagt Peier bestimmt. Er habe sich grundsätzlich hinterfragt. «Ich habe im Sport schon immer viel gewollt, aber jetzt stimmt auch die Qualität meiner Bemühungen.» Auf der Schanze hat Peier mit Nationaltrainer Ronny Hornschuh die Position im Anlauf und die Armstellung während des Flugs leicht korrigiert, neben dem Wettkampf hat er mithilfe seines Betreuers Othmar Buholzer den Lifestyle umgekrempelt.

«Personaltrainer» nennt Peier die wohl wichtigste Bezugsperson in seinem sportlichen Umfeld. «Ich beschäftige mich im Unterschied zu früher viel mehr mit mir selber. Durch die Selbstanalyse wird mir bewusster, was ich brauche, um erfolgreich zu sein.» Sein Leben als Athlet reflektierter wahrzunehmen, gehört zur DNA von Peiers Wandel. Auch die Umstellungen auf der Schanze dienten dazu, wieder aktiver zu fliegen.

Fokus auf die Technik

Was verändert sich, wenn man nicht mehr im Schatten von Überflieger Simon Ammann steht? Das wisse er selbst noch nicht, sagt Peier. «Ich werde erst während der Saison realisieren, wie sich das anfühlt und welchen Einfluss es teamintern hat.» Er spüre durchaus auch einen gewissen Druck und eine Erwartungshaltung. Damit diese keinen negativen Effekt provozieren, versucht der Waadtländer seinen eigenen Fokus auf die Technik zu legen.

Was am Schluss auf der Resultattafel steht, interessiert Peier weniger. Wind und Wetter seien Dinge, auf die er keinen Einfluss nehmen könne, die aber letztlich einen Einfluss auf sein Resultat hätten. Deshalb liege seine Aufmerksamkeit einzig bei der Qualität des Sprungs. «Ich konzentriere mich auf zwei, drei Punkte. Wenn diese funktionieren, werde ich auch im Weltcup weit fliegen. Ich habe wirklich das Gefühl, es drauf zu haben.»