Ski alpin

Der Rücktritt kommt für Daniel Albrecht nicht infrage

«Never give up!»: Daniel Albrecht denkt nicht ans Aufhören und will auch nächste Saison angreifen.

«Never give up!»: Daniel Albrecht denkt nicht ans Aufhören und will auch nächste Saison angreifen.

Daniel Albrecht plant die nächste Saison – bereits die vierte nach seinem fatalen Unfall. Er will jetzt noch vereinzelte FIS-Rennen bestreiten, an die neuen Skis gewöhnen. Und er muss sich wohl auch auf höhere Startnummern einrichten.

Die Zeit der Ungewissheit ist vorbei. «Für mich ist jetzt alles mal geregelt», sagt Dani Albrecht mit hörbarer Erleichterung. «Ich weiss, welche Marke ich fahre, und ich weiss, dass ich weiterhin im Team bleiben kann.»

Die Saison 3 nach dem fatalen Unfall in Kitzbühel im Januar 2009 verlief anders, als er sie sich vorgestellt hatte. Statt sich der Weltspitze wieder zu nähern, ist der Abstand grösser geworden. Nach dem missglückten Riesenslalom in Adelboden staunte er selber, als er sich reden hörte: «So spricht einer, der sich mit dem Rücktritt beschäftigt.» Er tat sich schwer «mit schnellem Umsteigen und mit unterschiedlichen Pistenverhältnissen». Das nagte am Selbstvertrauen: «Mir unterliefen Innenskifehler, die ihre Ursache in der Verunsicherung hatten.» Auf diese Weise gab er im vorletzten Riesenslalom in Kranjska Gora, wo er sich für den 2. Lauf qualifiziert hatte, eine gute Ausgangslage preis.

Mit Cheftrainer Osi Inglin unterhielt er sich über nächste Saison, sprach über die geplante Teamzusammensetzung. «Das hängt», so Albrecht, davon ab, welche Athleten auf welchen Marken fahren und welche Serviceleute zur Verfügung stehen. Dann werden wir sehen, welche Variante die Beste ist.» Inglin überlegte sich die Bildung einer Gruppe mit aufstrebenden Nachwuchsläufern wie Thomas Tumler und Gino Caviezel, in die auch Albrecht gepasst hätte. Dieser hatte sich wiederholt geäussert: «Ich fühle mich manchmal wie ein Junior, der am Lernen ist.»

Heikler Materialwechsel

Nach der jüngsten Entwicklung deutet einiges darauf hin, dass es beim Alten bleibt: «Da ich weiterhin auf Head fahre und nun auch Beat Feuz auf diese Marke gewechselt hat, gehe ich davon aus, dass wir den gleichen Servicemann haben. Dann würde ich wahrscheinlich auch im Team Feuz sein. Vielleicht wird der Wechsel von Beat für mich zum Glücksfall.» Albrecht selbst musste bei seinem (2-Jahres-)Vertrag mit Head noch Details regeln: «Es gab Unklarheiten, weil ich mich nicht mehr unter den ersten
30 der Weltrangliste befinde.»

Jener Wechsel vor einem Jahr von Atomic zu Head hatte einiges Kopfschütteln ausgelöst, auch bei engen Kollegen. «Da hat sich Dani eine rechte Herausforderung in den Rucksack gepackt», meinte Carlo Janka. Albrecht sieht es anders: «Wenn ich nicht mit einem 2-Jahres-Vertrag gewechselt hätte, wäre ich jetzt wohl ganz weg.»

Der Walliser verliess sich auf seine ausgeprägten Fähigkeiten als Testpilot. Mit Atomic hatte er seinerzeit den «Doppeldecker»-Riesenslalomski entwickelt. Offen anerkennt Carlo Janka: «Bei meinen Siegen hat auch Dani grossen Anteil.» Einige glauben sogar, dass dem mit Abstimmungsproblemen kämpfenden Janka heuer Albrecht gefehlt hat. Sogar der aktuelle Weltcup-Gesamtsieger Marcel Hirscher zollte seinerzeit bei seinem ersten Riesenslalom-Sieg Ex-Markenkollege Albrecht hohes Lob: «Das ist auch das Verdienst von Dani.»

In dieser Saison, im ersten Head-Jahr, scheint sich aber Albrecht doch etwas übernommen zu haben. «Ja, ich habe selber Fehler gemacht», gesteht er ein. «Anstatt selber ständig herumzutesten, hätte ich gescheiter einfach die Ski von Ted Ligety genommen.» Auch andere wie Werner Heel (ebenfalls Head) oder Lara Gut (Rossignol) bekundeten nach einem Skiwechsel Mühe.

«Illegaler» Ski-Test an der SM

Jetzt, vor der Saison 2012/13, beginnt alles wieder von vorne. Die neuen Spezifikationen schreiben längere Ski mit geringerer Taillierung vor. Albrecht hat sie schon getestet: «Das Grundverhalten ist anders, aber ich hatte ein gutes Gefühl.» Auf sein feines Fahrgefühl, das ihm bei der Doppeldecker-Entwicklung half, glaubt er, sich noch immer verlassen zu können. «Ich habe die neuen Ski an den Schweizer Meisterschaften in Veysonnaz getestet – illegal», schmunzelt Albrecht. Der Test ging zwar in die Hosen: «Ich machte grobe Fehler. Aber das war damals beim ersten Doppeldecker-Test an der SM in Davos nicht anders.»

Dani Albrecht will jetzt noch vereinzelte FIS-Rennen bestreiten: «Den Jungen kann ich so zu guten FIS-Punkten und besseren Startplätzen verhelfen, und ich selbst kann von der Rennpraxis profitieren.» Allmählich muss auch er sich, trotz immer noch laufendem Verletztenstatus, auf höhere Startnummer einrichten: «Ich mache mir deswegen keine Gedanken mehr und nehme, was sie mir geben.» Entweder klappts – oder sonst hat er wenigstens nichts unversucht gelassen.

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