Christof Innerhofer ist ein Naturereignis. Ein «Geissenpeter» der Moderne. Wenn er spricht, dann tut er dies ohne Interpunktion. Ungefiltert, ungeschliffen. Das ist mal die erste Auffälligkeit, die ihn von vielen anderen Athleten unterscheidet. Statt 08/15-Aussagen tischt der 26-jährige Italiener ehrliche Hausmannskost auf. «Ich habe am Start mitbekommen, dass einige vor mir beim Seilbahnsprung Probleme hatten. Da sagte ich zu mir: Ich fahr lieber die Frauen-Linie.» Ein weiser Entscheid. Einzig Bode Miller, der mit nur einem Stock bei der letzten Zwischenzeit 0,03 Sekunden schneller war als Innerhofer, bewegte sich auf dem schwierigsten Super-G-Kurs aller Zeiten auf Augenhöhe mit dem Südtiroler.

Die Siegesfahrt von Christian Innerhofer

Innerhofers Siegesfahrt

Innerhofers Weg wird immer wieder von Frauen gekreuzt. Was ihn aber nicht zu stören scheint. Viel eher kokettiert er mit dem Ruf des Schürzenjägers. Was er hingegen kultiviert, ist sein Image als Sexsymbol. Auf seinem Helm prangt der Schriftzug der Unterwäsche-Firma Tezenis, für die er sich schon mal lasziv vor der Kamera räkelt. Doch nicht immer sind seine Abstecher auf die «Frauen-Linie» derart glücklich wie gestern in Garmisch-Partenkirchen. «In Hinterstoder habe ich mit Hannes Reichelt die Piste besichtigt. Doch er hat mich ständig abgelenkt, indem er mir gesagt hat: ‹Hey, schau mal die Blonde dort, und die Schwarzhaarige hier, und die Braunhaarige da.› In Garmisch aber wollte ich einfach schnell im Ziel sein, weil es dort so viele Schönheiten hatte.»

Gut findet ihn nicht mehr gut

Auch bei Lara Gut soll er offenbar schnell ins Ziel gefunden haben. Unser Schweizer Skisternchen soll gerüchteweise während der letzten WM in ein Techtelmechtel mit Innerhofer verstrickt gewesen sein. Auf die Frage, warum nicht mehr aus der Affäre geworden sei, antwortete Innerhofer im «Blick»: «Als Rennfahrerin ist Lara zwar bereits mit erst 19 Jahren absolute Weltklasse, aber wenn sie eine gute Liebhaberin werden will, muss sie noch viel lernen.» Guts Konter: «Sehr wahrscheinlich war ich schlecht, weil ich nicht mit ihm ins Bett ging.» Und auf die Frage, was sie zum Triumph von Innerhofer meint, stellte sie die Gegenfrage: «Hättet ihr mich das auch gefragt, wenn Reichelt gewonnen hätte?»

Trotzdem: Für Teamkollege Werner Heel ist Innerhofer ein «geiler Bock». Trotz oder vielleicht gerade wegen seiner extrovertierten Art erfreut er sich im Ski-Zirkus grosser Beliebtheit. Wer den «feschen Christof» auf eine sorglose Ulknudel reduziert, tut ihm indes unrecht. Häufig sieht man ihn mit dem Laptop durch die Gegend laufen, um seine Online-Börsengeschäfte zu checken. Aber primär ist er ein hoch talentierter Skifahrer, dem auch die Branchenleader Respekt zollen. Michael Walchhofer beispielsweise attestiert ihm, gnadenlos und technisch herausragend zu sein. Doch nach der überzeugenden Saison 08/09 mit dem Abfahrtssieg in Bormio und zwei dritten Plätzen hing er vergangenen Winter wegen Leisten- und Rückenproblemen durch.

Nun scheint der Beau aus Gais bei Bruneck den Durchbruch zur Weltspitze geschafft zu haben. Dabei hing seine Karriere mal ziemlich in der Schwebe. Aus denselben Gründen wie einst bei Hermann Maier traute man ihm als Teenager eine Weltcup-Karriere nicht zu. Zu klein und zu schmalbrüstig sei Innerhofer, hiess es. Nachdem sich ein Wachstumsschub eingestellt hatte, verlor er sein koordinatives Gefühl. Desillusioniert suchte er nach Alternativen zum Skisport, doch er fand keine.

Kostelic wie Vonn

Innerhofers Frohmut kontrastiert mit Ivica Kostelics Nachdenklichkeit. Während der Sieger strahlte, sinnierte der drittplatzierte Kroate über die Ereignisse des Tages. «Ganz ehrlich, das war das schwierigste Rennen meiner Karriere. Das war am Limit für den menschlichen Körper.» Wie zuvor schon die Amerikanerin Lindsey Vonn sprach auch Kostelic von extremen Bedingungen. Das grosse Problem neben der eisigen und mit Schlägen durchsetzten Piste sei die schlechte Sicht. «Weil man die vielen Schläge nicht sieht, gehen diese direkt auf die Gelenke. Ich bin glücklicher darüber, heil unten angekommen zu sein, als über meine Bronze-Medaille.»

Neben der Piste kritisiert Kostelic auch das eng gesteckte Programm: Drei Tage vor WM-Start war er noch in Hinterstoder am Start. «Ich glaube nicht», betonte er, «dass das gut ist für die Qualität des Skisports.» Kostelic lässt den Worten Taten folgen und verzichtet auf die Abfahrt vom Sonntag und die Super-Kombi am Montag. In Letzterer war er bis zu seiner Absage der grosse Goldfavorit. Am kommenden Mittwoch will er nach Garmisch zurückkehren.