26 Mal hat Dario Cologna im Weltcup schon gewonnen, viermal bei Olympischen Spielen, viermal in der Gesamtwertung der Tour de Ski und einmal an Weltmeisterschaften. Ein Sieg in der Wahlheimat Davos fehlt allerdings noch im Palmarès des Schweizer Jahrhundert-Langläufers. Immer wieder war der 32-jährige Münstertaler nahe an einem Triumph, zum Beispiel 2013 und 2014 bei insgesamt drei 2. Plätzen. Im letzten Jahr resultierte für Cologna ein 5. Rang.

Der Bündner ist kein Schnellstarter. Deshalb kommt Davos meist ein wenig (zu) früh in seiner Saisonplanung. Auch ist er ein Meister der Planung auf einen Saison-Höhepunkt. Und da sind Tour de Ski und WM oder Olympia eben doch noch wichtiger. Von einem Schweiz-Komplex kann spätestens seit letztem Jahr nicht mehr gesprochen werden. Da gewann Cologna zum Auftakt der Tour de Ski auf der Lenzerheide sowohl die 15 km klassisch als auch die Verfolgung.

Die Vorbereitung im Sommer lief für Cologna nach eigener Aussage optimal. Die Resultate zum Saisonstart sind allerdings ein wenig durchzogen. In Lillehammer lief er über 15 km Skating - die gleiche Distanz und Stilart wie in Davos - auf den hervorragenden 4. Platz, vor einer Woche in Beitostölen gab es über 30 km Skating aber nur einen 17. Rang. Davos wird zeigen, wo Cologna mit seiner Form zwei Wochen vor dem Start zur Tour de Ski steht.

Er konzentriert sich in diesem Jahr von Anfang an ganz auf das Distanzrennen am Sonntag und verzichtet auf den Sprint am Tag davor. Dort ruhen die Schweizer Hoffnungen in erster Linie auf Jovian Hediger. Der 27-jährige Waadtländer verblüffte in Kuusamo nach einer Hüftoperation im Frühling mit dem Halbfinal-Vorstoss. In der Skating-Technik, die auch in Davos zur Anwendung kommt, reichte es in Lillehammer allerdings nur zu Platz 50.

Im Distanzrennen einiges vorgenommen haben dürfte sich auch Roman Furger nach seinem 15. Platz in Lillehammer und dem starken Auftritt als Staffel-Schlussläufer vor einer Woche.

Van der Graaff gefordert

Bei den Frauen haben die Schweizer Sprintspezialistinnen Laurien van der Graaff und Nadine Fähndrich mit der Flüela-Loipe noch eine Rechnung offen. Die Davoserin Van der Graaff, die im letzten Winter ihre ersten beiden Weltcupsiege feierte, kam seit 2014 (6.) nie mehr über die Viertelfinals hinaus. Fähndrich schaffte es trotz oft guter Qualifikationsresultate in Davos noch gar nie bis in die Halbfinals. Beide liessen die Rennen vom letzten Wochenende in Beitostölen aus, um sich optimal vorbereiten zu können.

Nathalie von Siebenthal, die wie Cologna meist einige Rennen braucht, um auf Touren zu kommen, kann mit der bisherigen Saison nicht zufrieden sein. In den letzten beiden Jahren überzeugte sie in Davos über die 15 respektive 10 km aber mit einem 6. und einem 5. Platz. Auch diesmal wird am Sonntag die kürzere Distanz gelaufen.

Auf den zweiten Schweizer Weltcupsieg in einem Distanzrennen nach Evi Kratzer im Januar 1987 zu hoffen, wäre illusorisch. Auch in Davos gibt es mit Therese Johaug im Prinzip nur eine Sieganwärterin. Die Norwegerin dominiert nach ihrer Rückkehr von einer 18-monatigen Dopingsperre ausser im Sprint nach Belieben.

Spannender präsentiert sich die Ausgangslage im Sprint und in beiden Männerrennen. In sechs Wettbewerben gab es bei den Männern vier verschiedene Sieger und insgesamt zwölf unterschiedliche Athleten auf dem Podest. Bei den Frauen warten - auch wegen der Dominanz Johaugs - unter anderen die schwedischen Olympiasiegerinnen Charlotte Kalla (Skiathlon) und Stina Nilsson (Sprint) noch auf den ersten Saisonsieg.