Der neue Bundespräsident Ueli Maurer beginnt sein Amtsjahr im äussersten südöstlichen Zipfel der Schweiz – im Val Müstair. Der Anlass könnte kaum besser passen zum langlaufbegeisterten Sportminister.

Mit einem Sprintwettkampf in Tschierv, im obersten Dorf der Talgemeinde am Ofenpass, macht die Tour de Ski am Neujahrstag zum ersten Mal Halt in der Schweiz. Dem Val Müstair beschert das Etappenrennen eine internationale Publizität, wie sie das Bündner Hochtal mit knapp 1600 Einwohnern noch nie gesehen hat. So werden 1. Januar

beispielsweise mehr als 200 Fernsehmitarbeiter vor Ort sein, um einem Millionenpublikum Bilder vom Rennen in die gute Stube zu liefern. Gleichzeitig verlangt die Veranstaltung der Talgemeinschaft einiges ab. «Dieser Anlass ist eine grosse Herausforderung für das Val Müstair», sagt Gemeindepräsident Arno Lamprecht.

Cologna gibt dem Tal Schub

Dass die Münstertalerdas Projekt überhaupt in Angriff genommen haben, ist dem prominentesten Sohn des Tals zu verdanken: Dario Cologna. Über den Jahreswechsel 2008/2009 stieg der heute 26-Jährige mit seinem Sieg an der Tour de Ski innert zehn Tagen vom hoffnungsvollen Talent zum gefeierten Langlaufstar auf und sorgte weit über die Talgrenzen hinweg für Begeisterung. Erst recht natürlich im Val Müstair und im angrenzenden Südtirol, wo Colognas Eltern herstammen. «Die Erfolge von Dario Cologna haben im Tal eine richtige Euphorie ausgelöst», sagt Lamprecht.

Inzwischen ist Cologna Olympiasieger und hat die Tour de Ski wie den Gesamtweltcup schon drei Mal gewonnen. Und die Euphorie ist nicht abgeflacht. «Diesen Schwung wollen wir für einen Aufschwung in unserer finanzschwachen Region nutzen», sagt Lamprecht. Im Besonderen soll das Val Müstair als Langlaufregion touristisch besser positioniert werden. «Der Langlauf liegt in der DNA unserer Destination», sagt Urs Wohler, der als Tourismusdirektor für Unterengadin und Val Müstair zuständig ist.

Das Val Müstair soll in den nächsten sechs Jahren alternierend mit Lenzerheide als Etappenort der Tour de Ski zum Zug kommen – obwohl im Tal noch nie ein Langlauf-Anlass von auch nur annähernd der gleichen Grössenordnung durchgeführt worden ist. Dabei profitierten die Münstertaler auch bei der Vergabe durch den Internationalen Skiverband (FIS) sowie Swiss-Ski von einem Cologna-Bonus.

Südtiroler als OK-Chef

Hinzu kam der Umstand, dass sich mit Alfred Lingg ein erfahrener Veranstalter als OK-Präsident zur Verfügung stellte. Der Unternehmer aus dem benachbarten Südtirol, der in Müstair eine Firma für Bodenbeläge führt, hatte 2008 in Mals-Schlinig auf der italienischen Seite der Landesgrenze, mit seinem Team innert zehn Tagen Junioren- und U23-Weltmeisterschaften auf die Beine gestellt. Auf dringende Empfehlung des vormaligen FIS-Renndirektors Jürg Capol wurde er nun von den Münstertaler Initianten ins Boot geholt.

«Wir haben den Anlass praktisch von der grünen Wiese geplant», sagt Lingg, der von der grossen Solidarität über das Tal hinaus schwärmt. «Einige Hotels öffnen extra für uns für zwei Tage.» Rund 300 freiwillige Helfer haben sich für den Anlass zur Verfügung gestellt, der mit einem Budget von rund 800000 Franken operiert. Die Kosten werden zu rund zwei Dritteln von privaten Sponsoren und Gönnern und einem Drittel von der öffentlichen Hand übernommen. Die Gemeinde Val Müstair hat zudem eine Defizitgarantie in der Höhe 100000 Franken zugesichert. Nach der Hauptprobe im Form von zwei Swiss-Cup-Rennen einen Monat vor der Tour-de-Ski-Etappe sieht Lingg die Veranstaltung auf Kurs. «Wir haben von diesen Testrennen viel gelernt.»

Irritation wegen Colognas Einsatz für Davos

Für leichte Irritation im Val Müstair hatte Anfang November die Nachricht gesorgt, dass Dario Cologna offizieller Botschafter der Tourismusdestination Davos-Klosters wird. «Das haben im Tal nicht alle verstanden», sagt Arno Lamprecht. Der Gemeindepräsident sieht die Sache nicht so dramatisch. «Dario Cologna war jahrelang gratis ein guter Botschafter für uns, und er wird ein Münstertaler bleiben.» Auch Tourismusdirektor Wohler nimmt das Verdikt sportlich, obwohl er gesteht, vom Coup der Konkurrenz überrascht worden zu sein. «Wir können Davos-Klosters nur gratulieren.»

Cologna selber, der seit 2006 in Davos wohnt, will seine Wurzeln nicht verleugnen. «Das Val Müstair wird weiterhin von meinem Namen profitieren können», sagt er. Cologna kennt aber auch seinen Marktwert: «Eine Kooperation wie mit Davos-Klosters hätte sich das Val Müstair kaum leisten können.» Auf den Neujahrstag freut sich der Langlauf-Star, dessen Eltern nur rund 500 Meter von der Loipe entfernt wohnen, jedenfalls besonders. «Das gibt schon ein wenig Extra-Motivation.»