Ski Alpin
Das Wunder-Comeback von Beat Feuz

Nächstes Jahr wird Beat Feuz 30 Jahre alt, und noch gibt es Tickets für das Fest. Feiern mit Feuz? Kein Problem. Wo: an der WM-Abfahrt in St. Moritz. Wann: am 11. Februar 2017. Ab 55 Franken sind Sie dabei.

Martin Probst
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Beat Feuz ist zurück und triumphiert in St. Moritz.

Beat Feuz ist zurück und triumphiert in St. Moritz.

Keystone

Feuz feiert also am Tag der WM-Abfahrt seinen 30. Geburtstag. Doch nicht nur deswegen könnte es zum Festtag werden. Am Mittwoch gewann er in St. Moritz die Hauptprobe. Das verspricht einiges, auch wenn Feuz sagt: «Die WM ist noch weit weg.»

All zu weit aber auch nicht, wie er schon im Folgesatz bestätigt: «Dass der Weltcupfinal in St. Moritz und somit auf der WM-Strecke stattfindet, hat bei meinem Entscheid, die Saison fortzusetzen und so den Verletztenstatus zu verlieren, natürlich eine Rolle gespielt.»
Nachdem sich Feuz im Herbst einen Riss der Achillessehne zuzog, kehrte er erst in Wengen zurück in den Weltcup. Gemäss Reglement ist es den Athleten nach einer Verletzung erlaubt, in jeder Disziplin einmal zu starten, ohne die Position in den Startlisten zu gefährden. Mit Start zwei in einer Disziplin endet dieses Privileg.
Darum war Feuz in Kitzbühel lange unschlüssig, ob er in der Abfahrt starten soll. Er wusste, dass er mit einem Start forthin wieder mit starken Resultaten die Position in der Top-Gruppe sichern muss. «Es war gewiss ein Risiko», sagt Feuz. Doch nicht zuletzt mit der Option auf die Teilnahme am Weltcupfinal in St. Moritz und damit an der WM-Hauptprobe entschloss er sich, das Risiko einzugehen.

Nie mehr ins Training?

Es hat sich ausgezahlt. Beat Feuz ist der Abfahrer der Stunde. Nach Rang 11 beim Comeback in Wengen beendete er die sechs folgenden Abfahrten in den Top 5: 2. in Kitzbühel, 3. in Garmisch, 5. in Jeongseon, 3. in Chamonix, 5. in Kvitfjell und nun der Sieg in St. Moritz.

Damit belegt Feuz im Abfahrtsweltcup den fünften Schlussrang, nur 48 Punkte hinter Sieger Peter Fill, der aber vier Abfahrten mehr bestritt in dieser Saison. Das alleine zeigt, wie stark das Comeback des Schweizers war. «Wenn man bedenkt, was ich für eine Vorbereitung hatte, durfte ich niemals damit rechnen», sagt Feuz.
Auch die Trainer staunen ob dieser Leistung. «Ich finde kein Wort dafür», sagt Abfahrtschef Sepp Brunner. Beat Feuz hat mit Ausnahme der Trainings vor den Rennen keinen einzigen Tag auf der Piste verbracht. Da stellt sich sogar die Frage, ob er künftig nicht komplett auf die Vorbereitung verzichten könnte.

«Nein», sagt Feuz. «Irgendwann würden meine technischen Defizite zu gross. Im Moment profitiere ich noch von der Arbeit zuvor.» Brutal müssen sich die Leistungen von Feuz auch für die Teamkollegen anfühlen. Da kommt einer ohne Training und fährt besser als alle Schweizer.

«Es hat im Team bestimmt den einen oder anderen gegeben, dem das zugesetzt hat», sagt Feuz. «Doch für die meisten war es eine Motivation, noch mehr Gas zu geben.»

Viele Parallelen

Für Feuz war es am Mittwoch der sechste Sieg im Weltcup. Der erste seit März 2012, als er in Kvitfjell einen Super-G gewann. Und für das Schweizer Männerteam war es der erste Abfahrtssieg seit dem Triumph von Patrick Küng in der Lauberhornabfahrt 2014.
Übrigens: Beat Feuz hat schon einmal ein Rennen an seinem Geburtstag gewonnen. 2012 triumphiert er in Sotschi am 11. Februar in der Weltcup-Abfahrt. Und wenn wir schon bei Parallelen sind: «Bisher habe ich zweimal in einem Training den zweiten Rang belegt», sagt Feuz, der sonst in den Übungsläufen viel Zeit verliert. «Beide Male habe ich danach das Rennen gewonnen: damals in Sotschi und jetzt die Abfahrt in St. Moritz.»